ArchivRechercheUmsetzung von Leitlinien bei seltenen Erkrankungen am Beispiel des Merkelzellkarzinoms: Studie ist eher eine Umfrage

MEDIZIN: Diskussion

Umsetzung von Leitlinien bei seltenen Erkrankungen am Beispiel des Merkelzellkarzinoms: Studie ist eher eine Umfrage

Breuninger, Helmut

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LNSLNS Der Beitrag zur Umsetzung von Leitlinien bemängelt die langsame Transformation solcher in die klinische Routine. Noch nicht fundierte Leitlinien schaffen jedoch unnötige forensische Probleme. Es muss vorher die Dynamik dieser seltenen Tumoren gründlicher mit validen Studien untersucht sein.
Die Autoren sagen selbst, dass es nur retrospektive Studien mit kleinen Fallzahlen oder Einzelfallberichte gibt. Das seltene Merkelzellkarzinom ist histologisch sehr heterogen mit unterschiedlichen Malignitätsgraden. Keine Studie berücksichtigt konsequent weder diese noch die Tumordicke, oder wichtige prognostische Faktoren, die unabhängig von der therapeutischen Intervention sind. Nicht systematisch untersucht wurde, ob die mikroskopisch kontrollierte Chirurgie (MKC) lokale Übertherapien vermeiden kann. Ebenfalls nicht ausreichend berücksichtigt ist die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie.
Die vorgestellte Studie ist eher eine Umfrage. Sie kann daher die Richtigkeit der Leitlinien nicht untermauern. Es wurden nur lokale und lokoregionäre Rezidive erfasst und nicht das Überleben. Diese beiden Endpunkte korrelieren aber offensichtlich beim Merkelzellkarzinom nicht. Vergleichende Studien zur adjuvanten Bestrahlung, können keinen Überlebensvorteil nachweisen (1). Unser Patientenkollektiv von 26 Patienten, das in die Umfrage einging, bestätigt dies. Außerdem haben über 50 Prozent unserer Patienten nachweislich keinen Benefit von einer adjuvanten Strahlentherapie. Auch das hohe mediane Alter von über 70 Jahren muss man berücksichtigen. Zudem ist die Strahlentherapie nicht ohne Nebenwirkungen.
Es könnte sich also ergeben, dass die Strahlentherapie nur bei bestimmten Tumoren und oder bei Rezidiven von Bedeutung ist und dass man mit der MKC lokal aggressives Vorgehen verhindern kann.


Prof. Dr. med. Helmut Breuninger
Universitäts-Hautklinik Tübingen
Operative Dermatologie
Arzt für Dermatologie und Chirurgie, Phlebologe
Liebermeisterstraße 25
72076 Tübingen

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Lewis KG, Weinstock MA, Weaver AL, Otley CC: Adjuvant local irradiation for Merkel cell carcinoma. Arch Dermatol 2006; 142: 693–700. MEDLINE
1. Lewis KG, Weinstock MA, Weaver AL, Otley CC: Adjuvant local irradiation for Merkel cell carcinoma. Arch Dermatol 2006; 142: 693–700. MEDLINE

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