ArchivRechercheJohann Christian Senckenberg: Das Allgemeinwohl an erster Stelle

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Johann Christian Senckenberg: Das Allgemeinwohl an erster Stelle

Dtsch Arztebl 2007; 104(8): A-482 / B-423 / C-410

Benzenhöfer, Udo

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Gelebte Frömmigkeit: Am 28. Februar jährt sich der Geburtstag des Arztes und Stifters Dr. Johann Christian Senckenberg zum 300. Mal. Foto: dpa
Gelebte Frömmigkeit: Am 28. Februar jährt sich der Geburtstag des Arztes und Stifters Dr. Johann Christian Senckenberg zum 300. Mal. Foto: dpa
Zum 300. Geburtstag des Frankfurter Arztes. Noch heute lebt sein Name durch seine Stiftungen weiter.

In publica commoda.“ Diesen Satz kann man noch heute über einer Tür eines Frankfurter Hauses lesen. Johann Christian Senckenberg hat damals sein Stiftungsziel prägnant auf dieser Tafel zusammengefasst: „Für das Allgemeinwohl.“ Am 28. Februar jährt sich in diesem Jahr zum 300. Mal der Geburtstag des Arztes, der sich vor allem als Stifter einen Namen machte.
Senckenberg wurde 1707 als Arztsohn in Frankfurt geboren. Weil das Elternhaus abbrannte und die Mittel fehlten, konnte er nach dem Schulbesuch in Frankfurt zunächst nicht studieren. Bei seinem Vater und bei anderen Ärzten erwarb er aber medizinisches Wissen und behandelte Kranke. 1730/31 studierte er für eine kurze Zeit Medizin in Halle, brach das Studium aber aus nicht endgültig geklärten Gründen ab. In Halle beeindruckten ihn die Anstalten des Pietisten August Hermann Francke, die unter anderem ein Waisenhaus und ein Krankenhaus umfassten. Nach einem Intermezzo als medizinischer Berater eines Adligen behandelte er ab 1732 – von den Ärzten geduldet – wieder Kranke in Frankfurt, ohne regulärer Arzt zu sein. Immer noch hatte Senckenberg allerdings vor, sein angefangenes Studium ordentlich zu beenden. Damals konnte man auch durch eine „grundständige Promotion“ einen Abschluss erlangen. Diesen erhielt Senckenberg 1737 in Göttingen auf der Basis einer Schrift „Über die Heilkraft der Beeren des Maiglöckchens“. Noch im selben Jahr ließ Senckenberg sich als Arzt in Frankfurt registrieren. Seine Praxis wuchs, und er wurde ein wohlhabender Mann. Dreimal war Senckenberg verheiratet, doch alle seine Frauen starben früh, und auch die beiden einzigen Kinder fanden früh den Tod. Senckenbergs Kinderlosigkeit trug mit dazu bei, dass er sein gesamtes Vermögen in seine Stiftung einbrachte. 1763 war es so weit: Senckenberg übergab sein Vermögen (fast 100 000 Gulden) an die Stiftung. Besonders seine Glaubensauffassung trug dazu bei, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Senckenberg war Protestant (Lutheraner), doch genauer ist er zu den Pietisten (von lateinisch „Pietas“ = Frömmigkeit) zu zählen, auch wenn er sich ab einer gewissen Zeit von den Frankfurter Pietisten distanzierte und nicht mehr an ihren Erbauungstreffen teilnahm. Für Pietisten ist die gelebte Frömmigkeit, zum Beispiel die Sorge für die Armen, sehr wichtig.
Senckenberg behielt von seinem Vermögen die jährlichen Zinsen von vier Prozent, dazu kamen die Einnahmen aus seiner Praxis. Bis zu seinem Lebensende steckte er sein Vermögen in die Stiftung und gestaltete sie immer weiter aus: Er kaufte ein Stiftungshaus, in dem sich nach seinem Willen die Ärzte der Stadt regelmäßig versammeln und über medizinische Probleme diskutieren sollten. Zudem legte er einen botanischen Garten an, in dem man Arzneipflanzen studieren konnte. Ein modernes Theatrum anatomicum errichtete er ebenfalls. Dieses war 1770 im Rohbau vollendet. 1769 nahm er den Bau eines Hospitals für Bürger und Beisassen in Angriff, das allerdings erst einige Jahre nach Senckenbergs Tod im Jahr 1779 eröffnet und durch mehrere Zustiftungen gefördert wurde.
Senckenberg ging es vor allem um die Weiterbildung der Ärzte und um die bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung. Es ist erstaunlich, wie die Stiftung auch nach seinem Tod am 15. November 1772 gedieh. Unter der Leitung einflussreicher Administratoren wurde sein Erbe bewahrt. Die Dr. Senckenbergische Stiftung gibt es auch heute noch. Unter anderem trägt sie das Bürgerhospital. Aus der Stiftung gingen Gründungen hervor, die immer noch sehr erfolgreich sind und den Namen Senckenbergs in der Öffentlichkeit präsent halten. Hier sind unter anderem die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft, die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, die Dr. Senckenbergische Anatomie, das Senckenbergische Institut für Pathologie und das Senckenbergische Institut für Geschichte und Ethik der Medizin zu nennen.
In diesem Jahr wird des Arztes und Stifters mit der Aufstellung von etwa einem Dutzend Stelen an einschlägigen Orten in Frankfurt, mit einer Sonderbriefmarke der Deutschen Post, mit einem Internetquiz und mit einer Präsentation im Universitätsklinikum Frankfurt gedacht werden. n
Prof. Dr. Dr. Udo Benzenhöfer
Universität Frankfurt


Weitere Informationen:
www.senckenberg-jahr.de
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