ArchivRechercheKardiotoxizität von Anthrazyklinen – ein ungelöstes Problem: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Kardiotoxizität von Anthrazyklinen – ein ungelöstes Problem: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(8): A-506 / B-446 / C-433

Wojnowski, Leszek

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LNSLNS Die Trastuzumab-Kardiotoxizität scheint im Gegenteil zur chronischen Anthrazyklin-Kardiotoxizität reversibel zu sein (1) – das ist durch die bekannten pathophysiologische Unterschiede durchaus erklärbar. Angesichts der signifikanten und eigenständigen Antitumoreffekte von Anthrazyklinen und Trastuzumab in der Brustkrebsbehandlung muss daher die Kardiotoxizität nach ihrer gleichzeitigen beziehungsweise sequenziellen Gabe noch in weiteren Studien untersucht werden. Der Ausschluss von kardial vorbelasteten Patientinnen von der Trastuzumab-Therapie wird allerdings gegenwärtig als gerechtfertigt angesehen (1). Die zitierte Untersuchung (Swain 1997a in Van Dahlen et al. 2005 [2]) bleibt die einzige, in der eine statistisch signifikante Verschlechterung eines klinisch relevanten Endpunktes (der Tumortherapieantwort) nach Dexrazoxan berichtet wurde. In keiner einzigen Studie wurden jedoch negative Dexrazoxan-Effekte auf die klinisch relevanteren Parameter progressionsfreies Überleben und Gesamtüberleben festgestellt. Das gleiche Ergebnis lieferte eine erste Cochrane-Analyse (2). Es muss auch erwähnt werden, dass Messungen der Tumortherapieantwort beim fortgeschrittenen Brustkrebs (wie in der Studie von Swain 1997) sehr schwierig und als weniger objektiv als progressionsfreies Überleben und Gesamtüberleben betrachtet werden können (2). Es bleibt zu hoffen, dass die verbreiteten, wenn auch nicht eindeutig begründeten Zweifel an Dexrazoxan durch eine der laufenden klinischen Studien endgültig entkräftet werden.
Die zusätzlichen Therapiekosten durch Dexrazoxan müssen im Kontext der Gesamtbehandlung und Nachsorge der herzinsuffizienten Patienten betrachtet werden. Eine Kosteneffektivität von Dexrazoxan wurde bereits in einer pharmakoökonomischen Analyse (3) demonstriert.


Prof. Dr. med. Leszek Wojnowski
Department of Pharmacology
Johannes Gutenberg University
Obere Zahlbacher Str. 67, 55101 Mainz
E-Mail:wojnowski@uni-mainz.de
Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Hayes DF: Heart of darkness: The downside of Trastuzumab. J Clin Oncol 2006; 24: 4056–8.
2.
Van Dalen EC et al.: Cardioprotective interventions for cancer patients receiving anthracyclines. Cochrane Database Syst Rev. 2005; CD003917.
3.
Bates M et al.: A pharmacoeconomic evaluation of the use of dexrazoxane in preventing anthracycline-induced cardiotoxicity in patients with stage IIIB or IV metastatic breast cancer. Clin Ther 1997; 19: 167–84.
1. Hayes DF: Heart of darkness: The downside of Trastuzumab. J Clin Oncol 2006; 24: 4056–8.
2. Van Dalen EC et al.: Cardioprotective interventions for cancer patients receiving anthracyclines. Cochrane Database Syst Rev. 2005; CD003917.
3. Bates M et al.: A pharmacoeconomic evaluation of the use of dexrazoxane in preventing anthracycline-induced cardiotoxicity in patients with stage IIIB or IV metastatic breast cancer. Clin Ther 1997; 19: 167–84.

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