ArchivRechercheEinführung in die Diagnostik und Therapie der Ejaculatio praecox: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Einführung in die Diagnostik und Therapie der Ejaculatio praecox: Schlusswort

Introduction Into the Diagnostics and Treatment of Premature Ejaculation: In Reply

Dtsch Arztebl 2008; 105(12): 223; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0223b

Mathers, Michael J.

zu dem Beitrag von Dr. med. Michael J. Mathers, FEBU, Dr. med. Jan Schmitges, Prof. Dr. med. Theodor Klotz, MPH, Prof. Dr. med. Frank Sommer, in Heft 50/2007
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LNSLNS Es freut uns sehr, dass unser Beitrag um das Thema Ejaculatio praecox eine interdisziplinäre Diskussion ausgelöst hat. Dies ist das beste Ergebnis, das ein Einführungsartikel haben kann. Zurecht macht Herr Prof. Bosinski auf die Bedeutung der Sexualmedizin als interdiszplinäres Querschnittsfach aufmerksam.

Ebenfalls zurecht wird die medizinisch/wissenschaftliche Problematik der Ejaculatio praecox seit dem 19. Jahrhundert, damals noch Dysgenesia anticipans genannt, diskutiert. Die Ejakulation selbst ist zwar der letzte Teil der männlichen Sexualfunktionskette „Libido – Erektion – Penetration – Erreichen des Höhepunktes“, aber sie ist facettenreich und beinhaltet viele Aspekte einschließlich biopsychosozialer Phänomene. Als weltweiter Konsens wird die Bezeichnung Ejaculatio praecox im ICD-10 und DSM-IV verwendet, wobei hier, worauf wir in unserem Artikel hingewiesen haben, die Problematik auch das Paar betreffen kann. Es scheint jedoch notwendig zu sein, ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass ebenso alleinstehende Männer betroffen sein können. Ob die stete Betonung des „Paaraspekts“ dem Thema und den Patienten daher immer dienlich ist, kann sicher diskutiert werden. Wir sehen hier Parallelen zur Diskussion über die erektile Dysfunktion vor circa zehn Jahren, die zu Beginn sehr ähnlich geführt wurde.

Selbstverständlich ist auch aus Sicht der Autoren das „Verständnis für die Zusammenhänge um biosoziale Aspekte der Geschlechtlichkeit“ ein wichtiger Punkt. Es ist jedoch fraglich, ob dies Gegenstand einer wissenschaftlich-klinischen Einführung in ein wichtiges interdisziplinäres Thema sein sollte. Wir verstehen den Kommentar als wertvolle Anregung für eine berufspolitisch geprägte Diskussion.

Es ist sicher legitim, die Prävalenzrate der Ejaculatio praecox anzuzweifeln, die Begründung es könne sich wegen der Höhe (circa 30%) um eine Normvariante handeln, überrascht doch. Alle namhaften medizinischen Gesellschaften definieren die Ejaculatio praecox als Krankheit. Insofern können wir den Kollegen Dr. Haufs und Gruhn nicht zustimmen. Ob eine ärztliche Intervention von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden sollte, ist eine andere Frage. Die gleiche Frage stellt sich bei der organisch bedingten erektilen Dysfunktion.

Man kann nur zustimmen, wenn auf die Wichtigkeit der sexualmedizinischen Qualifizierung und Weiterbildung hingewiesen wird. In keiner deutschen Studienordnung ist Sexualmedizin bisher als Wahlpflichtfach verankert. Im Bereich der Ärztlichen Fortbildung und Weiterbildung bemüht sich glücklicherweise die Akademie für Sexualmedizin um eine Aufnahme der Sexualmedizin in die Musterweiterbildungsordnung der Bundes­ärzte­kammer als Zusatzbezeichnung. Auch auf Länderebene werden vielfache Bestrebungen unternommen. Leider sind bis heute diese Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt. Die Zusatzweiterbildung Andrologie ist diesbezüglich ein erster Versuch, sexualmedizinische Aspekte zu betonen. Es bleibt zu hoffen, dass durch diese Maßnahmen zumindest das von Herrn Prof. Bosinski geforderte Erlernen der Sexualanamneseerhebung gefördert wird.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0223b

Dr. med. Michael J. Mathers F.E.B.U.
Urologische Gemeinschaftspraxis Remscheid
Kooperationspraxis der Klinik für Urologie und Kinderurologie
Klinikum Wuppertal, Universität Witten/Herdecke
Fastenrathstraße 1
42853 Remscheid
E-Mail: drmathers@urologie-remscheid.de

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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