ArchivRechercheMedizinische Versorgungszentren: Erfolgreich ohne Anschub

POLITIK

Medizinische Versorgungszentren: Erfolgreich ohne Anschub

Dtsch Arztebl 2009; 106(39): A-1870 / B-1603 / C-1571

Gibis, Bernhard

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS MVZ haben sich mittlerweile als eine Form der vertragsärztlichen Versorgung etabliert. Sie stellen allerdings immer noch die Ausnahme von der Regel dar. Änderungen im Vertragsarztrecht beschleunigen allerdings die Verbreitung.

Die Entwicklung der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) ist ein Erfolg – ganz im Unterschied zu anderen vom Gesetzgeber geförderten Neuerungen im Gesundheitswesen. Die Organisationsform MVZ wird aufgegriffen und scheint Vorteile für Ärzte und Ärztinnen zu bieten, die bisher noch nicht durch andere Berufsausübungsformen, wie etwa die Gemeinschaftspraxis, verwirklicht werden konnten. Das spiegelt sich in einer Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unter MVZ wider.

Zwar waren zum Zeitpunkt der Befragung im zweiten Quartal 2008 nur 1 088 MVZ zugelassen, während rund 90 000 Praxen an der vertragsärztlichen Versorgung teilnahmen. Gleichwohl ist der Trend zur MVZ-Gründung stabil. Sie setzen sich zudem ohne Anschubfinanzierung durch beziehungsweise, ohne dass besondere „Reservate“ geschaffen werden. Dazu gehen von den durch das Vertragsrechtsänderungs-Gesetz (VÄndG) geschaffenen Möglichkeiten weitere Impulse aus.

Durchschnittlich werden in jedem Quartal 70 neue MVZ gegründet, die meisten von Krankenhausträgern sowie von Vertragsärzten. Hinsichtlich der betriebswirtschaftlichen Organisation unterscheiden sich die beiden häufigsten MVZ-Typen – Vertragsärzte und Krankenhäuser – voneinander.

Rund die Hälfte der Zentren hat sich spezialisiert
Bei der Mehrheit der vertragsärztlich geführten MVZ liegt die betriebswirtschaftliche Organisation beim ärztlichen Leiter, bei MVZ in Krankenhausträgerschaft ist das die Ausnahme. Hauptsächlich werden diese MVZ von einem kaufmännischen Leiter beziehungsweise einem Verwaltungsangestellten geführt. Von den möglichen Gesellschaftsformen wird die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) am häufigsten gewählt.

Rund die Hälfte der befragten MVZ gibt an, einen Versorgungsschwerpunkt zu haben. Unterschieden nach MVZ-Typen, geben vertragsärztliche MVZ häufiger eine Spezialisierung an als Krankenhaus-MVZ oder andere Gründer.

Die veränderten Rahmenbedingungen, wie sie durch das VÄndG geschaffen wurden, beurteilen größere Zentren und insbesondere Krankenhaus-MVZ überwiegend positiv. Krankenhaus-MVZ nutzen vor allem die flexibilisierten Anstellungsmöglichkeiten, während vertragsärztliche MVZ vornehmlich auf die Möglichkeit zurückgreifen, Zweigpraxen zu gründen. Auffällig ist auch, dass die Kooperationshäufigkeit im Vergleich zum Jahr 2005, in dem der erste Survey erstellt worden ist, gestiegen ist.

Zwei Drittel aller Medizinischen Versorgungszentren haben nach eigenen Angaben ein Qualitätsmanagement (QM-System) eingeführt. Am häufigsten wurde dabei QEP genannt, gefolgt von ISO 9001. Knapp zwei Drittel der Befragten sind denn auch der Auffassung, dass Qualitätsmanagement-Systeme einen Wettbewerbsvorteil darstellen, beurteilen konkrete Effekte jedoch eher zurückhaltend.

Für den Aufbau des QM-Systems greifen MVZ überwiegend auf externe Hilfe zurück. Im Bereich Praxis- und Qualitätsmanagement sind Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) die häufigsten Ansprechpartner, vor Berufsverbänden und Rechtsanwälten. Die Mehrheit der Studienteilnehmer hat sich darüber hinaus von einer KV zur Niederlassung, Abrechnung und zum Vertragsarztrecht beraten lassen.

Die Hälfte verdient mehr als am Anfang
Haupteinnahmequelle der MVZ sind kollektivvertragliche Honorare auf der Basis der EBM-Abrechnung. Die Hälfte der Medizinischen Versorgungszentren gab an, dass ihre Einnahmen seit der Gründung gestiegen sind, wobei dieser Trend für Krankenhaus-MVZ deutlicher ausfällt: Von ihnen bejahten dies 60 Prozent, von den Vertragsarzt-MVZ nur knapp 46 Prozent. 15 Prozent der MVZ gaben an, ihre Einnahmen seien seit der Gründung rückläufig. Gestiegene Einnahmeanteile ergaben sich insgesamt durch ambulante Operationen und durch individuelle Gesundheitsleistungen.

Bei Vertragsärzte-MVZ erbrachte auch die Betreuung von Patienten in Disease-Management-Programmen Einnahmesteigerungen. Ob MVZ auch von Verträgen zur hausarztzentrierten Versorgung (§ 73 b SGB V), zur spezialisierten ambulanten Versorgung (§ 73 c) oder zur integrierten Versorgung (§ 140 a ff.) profitieren, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Was ihre Zukunftsaussichten angeht, so beurteilen Krankenhaus- MVZ diese günstiger als Vertragsärzte-MVZ, was sich beispielsweise in einer intensiveren Nutzung der Optionen des Vertragsarztrechtänderungs-Gesetzes widerspiegelt. Auch bei Vertragsärzte-MVZ ist allerdings ein Trend zu größeren Einheiten erkennbar: Häufiger als früher wird die GmbH als Gesellschaftsform gewählt und ein kaufmännischer Leiter eingesetzt.

Bessere Patientenversorgung noch nicht erwiesen
Damit kristallisiert sich ein dritter MVZ-Typus heraus: das vertragsärztliche MVZ, betrieben durch eine Managementgesellschaft, das sich abgrenzt vom vertragsärztlichen MVZ als Variante der Gemeinschaftspraxis. Diese Entwicklung zeigt, dass MVZ als Geschäftsmodell erfolgreich zu sein scheinen. Empirisch zu klären bleibt, in welchem Maß sie zur Verbesserung der Patientenversorgung beitragen.
Dr. med. Bernhard Gibis


Survey für alle erhältlich
- Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) untersucht seit der Einführung von Medizinischen Versorgungszentren im Jahr 2004 regelmäßig, wie sich diese entwickeln. Die Analyse umfasst Quartalsstatistiken und Befragungen der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Der erste MVZ-Survey erschien 2005, der zweite liegt nun vor.

- Grundlage dafür war eine schriftliche Befragung aller registrierten MVZ im Sommer 2008. Von 1 023 antworteten 286, was einem Rücklauf von 28 Prozent entspricht. Die Zusammensetzung der Stichprobe hinsichtlich der Merkmale „Gründer“, „Rechtsform“, „Arbeitsgröße", „Zulassungsdauer" und „regionale Verteilung“ deckte sich mit der Grundgesamtheit. Hinsichtlich der „Arbeitsgröße“ war eine leichte Überrepräsentation von größeren (> sieben Ärzte) versus kleineren MVZ (zwei Ärzte) festzustellen.

- Der MVZ-Survey 2008 ist unter www.kbv.de/koop/9157.html, die aktuelle MVZ-Quartalsstatistik unter www.kbv.de/koop/9173.html herunterzuladen.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige