ArchivRechercheGelebte Sexualkultur
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Begrüßenswert sind der interdisziplinäre Ansatz sowie die Forderung von Kenntnissen der verschiedenen Störungsbilder im bio-psycho-sozialem Verständnis.

Leider wird fast nur im Nebensatz auf die Bedeutung der körperlichen Untersuchung eingegangen, so wird als Erkrankung die Induration penis plastica nicht einmal erwähnt (1). Andere Beispiele sind die Algopareunie infolge von Narben, Verwachsungen, Entzündungen oder trophischen Störungen im Genitalbereich, ebenso die Auswirkungen der (rituellen) Zirkumzision, die einen Einfluss auf die gelebte Sexualität haben können (2).

In dem Artikel wird die Chance verpasst, auf kulturelle Einflüsse von Migranten einzugehen. In Deutschland leben zurzeit circa 7 Millionen Ausländer, also knapp 10 % der gesamten Bevölkerung. Unstrittig ist, dass eine Großzahl dieser Mitbürger weiterhin ihre ursprüngliche Religion, Tradition und Kultur beibehalten. Der große Anteil praktiziert den muslimischen Glauben. Der Islam ist keine asketische Religion; zeitlich begrenzte Ehen (mut’ah-Ehen), einige Formen der Polygamie und rasche Scheidungen sind zugelassen. Trotzdem werden aufgrund historischer und kultureller Traditionen Ehebruch und vorehelicher Geschlechtsverkehr muslimischer Frauen oft schwer bestraft und beeinflussen die gemeinsame Sexualität (3). Sexualmedizinisch tätige Ärzte sollten deshalb gewisse Kenntnisse der gelebten „Sexualkultur“ besitzen.

Bedauerlicherweise findet im Zeitalter von AIDS die zunehmende Benutzung von Kondomen und deren Bedeutung auf die Sexualität keine Erwähnung.

Zu Recht wird die Wichtigkeit der Sexualanamnese und Paarbetrachtung betont und kann dies zumindest teilweise theoretisch begründen. Der Artikel bietet jedoch kaum Hilfestellungen für die Praxis. Insofern wundert die von den Autoren beklagte funktionszentrierte Betrachtungsweise in der täglichen Praxis nicht, da diese bei funktionellen Defiziten in über 60 % erfolgreich ist. Diese Effizienz ist für einen primär paar- und anamnesezentrierten Therapieansatz noch zu beweisen.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0350c

PD Dr. med. M.J. Mathers, FEBU
Urologische Gemeinschaftspraxis Remscheid
Kooperationspraxis der Klinik für Urologie und Kinderurologie
Helios-Klinikum
Wuppertal, Universität Witten/Herdecke
Fastenrathstraße 1
42853 Remscheid
E-Mail: irtima@t-online.de

Prof. Dr. med. T. Klotz, MPH
Klinik für Urologie, Andrologie und Kinderurologie
Am Klinikum Weiden
Söllnerstraße 16
92637 Weiden
E-Mail: theodor.klotz@kliniken-nordoberpfalz.ag
1.
Klotz T, Mathers MJ, Sommer F: Induratio penis plastica – eine verschwiegene Erkrankung. Dtsch Arztebl 2007; 104: 263–7. VOLLTEXT
2.
Mathers MJ, Schmitges J, Klotz T, Sommer F.: Einführung in die Diagnostik und Therapie der Ejaculatio praecox. Dtsch Arztebl 2007; 104: 3475–80. VOLLTEXT
3.
Haeberle EJ: The Sex Atlas. The Seabury Press, New York, 1978.
4.
Rösing D, Klebingat KJ, Berberich H, Bosinski H, Loewit K, Beier K: Sexual dysfunctions in men – Diagnosis and treatment from a sexological interdisciplinary perspective [Sexualstörungen des Mannes – Diagnostik und Therapie aus sexualmedizinisch-interdisziplinärer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(50): 821–8. VOLLTEXT
1. Klotz T, Mathers MJ, Sommer F: Induratio penis plastica – eine verschwiegene Erkrankung. Dtsch Arztebl 2007; 104: 263–7. VOLLTEXT
2. Mathers MJ, Schmitges J, Klotz T, Sommer F.: Einführung in die Diagnostik und Therapie der Ejaculatio praecox. Dtsch Arztebl 2007; 104: 3475–80. VOLLTEXT
3. Haeberle EJ: The Sex Atlas. The Seabury Press, New York, 1978.
4. Rösing D, Klebingat KJ, Berberich H, Bosinski H, Loewit K, Beier K: Sexual dysfunctions in men – Diagnosis and treatment from a sexological interdisciplinary perspective [Sexualstörungen des Mannes – Diagnostik und Therapie aus sexualmedizinisch-interdisziplinärer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(50): 821–8. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.