ArchivRechercheProvence: Geschichte aus der Rhône
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Hippokrates – der Begründer der wissenschaftlichen Medizin ist auch ohne Äskulapstab an der Drapierung seines Gewands zu erkennen. Fotos: Renate V. Scheiper
Hippokrates – der Begründer der wissenschaftlichen Medizin ist auch ohne Äskulapstab an der Drapierung seines Gewands zu erkennen. Fotos: Renate V. Scheiper
Im Archäologischen Museum von Arles sind jetzt erstmals Funde zu sehen, die Unterwasserarchäologen geborgen haben, darunter eine Statue des Hippokrates.

Sie brachten den Wein mit und die Oliven, als die Soldaten des Julius Cäsar auf ihrem Eroberungszug nach Norden die Region der heutigen Provence erreichten. Eine tägliche Ration Wein war fester Teil des Solds. „Die doppelte Menge, unverdünnt“, verordneten die Militärärzte den Kranken als Medizin. Im Jahr 40 v. Chr. siedelte Cäsar die Veteranen seiner sechsten Legion im Gebiet der heutigen Stadt Arles am Ufer der Rhône an und erhob sie zur römischen Kolonie. Eine rege Bautätigkeit setzte ein: Tempel, Forum, Theater, ein großes Amphitheater für Tierhetzen und Gladiatorenspiele sowie ein 450 Meter langer Zirkus für Wagenrennen wurden gebaut. Von den römischen Monumenten in Arles sind noch eindrucksvolle Zeugnisse erhalten. Nur der Zirkus ist verschwunden. An seiner Stelle steht heute das Archäologische Museum. In einer Sonderausstellung sind jetzt erstmals die Funde zu sehen, die Unterwasserarchäologen in den letzten 20 Jahren aus der Rhône geborgen haben.

Um eine kleine Marmorstatue des Hippokrates herum steht diskutierend eine Gruppe Mediziner, die in der Nähe von Arles ein Kolloquium besuchen. Kritisch wird der Torso begutachtet, denn der Begründer der wissenschaftlichen Medizin hat weder Kopf noch Arme noch sein Attribut, den Äskulapstab. Doch Körperbau und Drapierung des Gewands seien typisch für die römische Art der Darstellung „unseres Meisters“, wie sie ihn nennen.

Gut erhalten und ungeschönt: Der Sarkophag wird einem römischen Arzt zugeordnet. Die Büste zeigt Cäsar mit Altersfurchen.
Gut erhalten und ungeschönt: Der Sarkophag wird einem römischen Arzt zugeordnet. Die Büste zeigt Cäsar mit Altersfurchen.
Als Attraktion gilt ein gut erhaltener Marmorkopf von Cäsar, der ihn mit nichtidealisierenden Altersfurchen zeigt. Auch mehrere große Amphoren gehören zu den Besonderheiten, in denen die begehrte, teure Fischsoße Garum aus Süditalien verschifft wurde. Das im Gegensatz zu salzigem Meerwasser nichtaggressive Flusswasser hat durch 2 000 Jahre hindurch Aufschriften am Hals der Gefäße erhalten, aus denen erstmals zu entnehmen ist, dass besonders gutes Garum vier Jahre lagerte, bevor es zum Transport abgefüllt wurde.

Die Medizinergruppe wandert weiter. Auch ein Sarkophag wird einem Kollegen aus römischer Zeit zugeordnet. Das Relief zweier Kentauren weist darauf hin, dass er zum Stand der Asklepiaden zählt, in der Nachfolge also des Asklepios, der einst als Halbwaise vom göttlichen Vater Apollon einem Kentauren zur Einweisung in die Geheimnisse der Heilkunst anvertraut wurde.

In zwei Vitrinen liegen medizinische und chirurgische Instrumente wie Skalpelle, Löffel und Pinzetten. Vollständig erhalten sind zwei Pyxiden aus Alabaster, die Salben gegen Entzündungen enthielten. Deformierte Gelenke, Wirbel, Füße und Hände wurden aus Gräbern geborgen, an denen Arthritis und Osteoporose gut erkennbar sind. Die Funde stammen aus einem römischen Gräberfeld am Stadtrand von Arles, wo immer noch gegraben wird.
Renate V. Scheiper


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Informationen
Die Sonderausstellung „César – le Rhône pour mémoire“ in Arles/Provence ist bis zum 19. September 2010 im Musée départemental Arles antique zu sehen (www.arles-antique.cg13.fr).Hoteltipp: Sehr zu empfehlen ist das „Château Hôtel de Roussan“ beim nahen Saint-Rémy-de-Provence: www.chateauderoussan.com.

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