ArchivRechercheKommentar: Ursachen beheben statt Mängel verwalten
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Die Behauptung von Herrn Kollegen Helming, „Das ohnehin geringe Interesse junger Ärztinnen und Ärzte, selbstständig eine Praxis zu führen . . .“, könne nicht signifikant gesteigert werden, widerspricht völlig den Realitäten. Wie anders ist es zu erklären, dass trotz absurder Arbeitsbedingungen, hoher (nicht nur Regress-)Risiken und ständig rasch fallender Vergütungen pro Leistung sich immer noch sehr zahlreiche Kollegen in eigener Praxis niederlassen? Das Interesse ist zweifellos sehr groß, die Triebfeder leider häufig die noch absurderen Arbeitsbedingungen in den Kliniken.

Als ich mich 1984 bei mehreren Landarztvertretungen (bei einem damaligen Punktwert von gut fünf Cent) von meinem ursprünglichen Wunschberuf Landarzt wegen des Missverhältnisses von Pflichten, Rechten und Vergütung verabschiedete, weil damals schon nicht genügend Zeit für eine gute Patientenbetreuung vorhanden war, gab es zwar auch schon diverse KV-Restriktionen, aber noch keine Regresse.

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Wenn man bedenkt, dass die Vergütung nach 25 Jahren nicht nur keinerlei Inflationsausgleich, Berücksichtigung von Praxiskostensteigerung usw. erfahren hat, jetzt bei Nichtabrechenbarkeit zahlreicher Leistungen für den bezahlten Rest im Durchschnitt weit unter 3,5 Cent/Punkt liegt und ein unglaublicher Wust aus mehr als 600 „Berichtspflichten“ gegenüber den Kassen, Codierpflichten, Regressen und sagenhafter Bürokratieaufwand durch DMP usw. entstanden ist, ist es nicht nachvollziehbar, wieso ein von den Ärzten gewählter KV-Chef so völlig neben den Realitäten liegen kann. Selbstverständlich ist die Tätigkeit eines Landarztes in eigener Praxis ein toller und faszinierender Beruf, und es ist der Job eines KV-Chefs, der den Sicherstellungsauftrag okkupiert, hierfür die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen . . . Hierzu gehört eben eine kompromisslose Entbürokratisierung und eine adäquate Vergütung statt entwürdigender KV- und Kassenschikanen . . .

Bei Rückbesinnung auf die Kernfunktion von Kassen, Reduzierung deren Mitarbeiterzahl, Annäherung deren Gehalts an das Niveau von Medizinischen Fachangestellten, ersatzloser Streichung aller DMP, Risiko­struk­tur­aus­gleich, Berichtspflichten, Codierpflichten, Gesundheitsfonds . . . hätten wir sehr schnell wieder auskömmliche Arbeitsbedingungen für Landärzte, vor allem Zeit für die Patienten, und das sogar ohne nennenswerte Mehrkosten.

Dr. med. Manfred Reeb, 67661 Kaiserslautern

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