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SPEKTRUM: Leserbriefe

Totenschein: Dem Formalismus ausgeliefert

Dtsch Arztebl 1997; 94(41): A-2598 / B-2217 / C-2081

Pelzer, Michael

Zu den neuen Totenschein-Formularen in Nordrhein-Westfalen:
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LNSLNS Ein achtseitiger neuer Totenschein in NRW. Möglicherweise sind nur wir in NRW dem Formalismus ausgeliefert, jedenfalls ist das Formular bei uns jetzt fast ein kleines Handbuch geworden. Zu den acht Seiten nicht gezählt zwei dichtbedruckte Seiten "Anleitung zum Ausfüllen der Todesbescheinigung". Diese entsprechen in Verständnis und Umfang locker der Anleitung zur Montage eines 3 m breiten IkeaWandschrankes oder einer einfachen Steuererklärung. Es geht darum, zu bescheinigen, daß ein Mensch gestorben ist, wann und wo dies geschah, woran er möglicherweise verstarb und ob eventuell bestimmte hygienische Maßnahmen beim Transport der Leiche zu beachten sind. Bei zu vermutender Straftat - zum Glück die Ausnahme - wäre ja wohl sowieso die Polizei zu verständigen. Das alles leistete unser vorheriges dreiseitiges Formular auch. Der Informationsgehalt hat sich durch das neue Zettelpaket nicht wesentlich geändert, er ist lediglich erstaunlich verkompliziert worden. Bei uns gibt es jetzt hierzu acht Seiten, geteilt in zwei ähnliche Gruppen, aber alle unterschiedlich zu behandeln und auf drei Umschläge zu verteilen. Unter anderem wird von uns jetzt auch noch verlangt, die Friedhofsverwaltung des Ortes zu informieren . . .
Jetzt ist er da, unser neuer Totenschein. Die Formulare wurden (bewußt?) viel zu spät herausgerückt, um rechtzeitige konstruktive Kritik aufkommen zu lassen. Aber wozu auch Mitsprache? Schließlich sind unsere Vertreter ja demokratisch gewählt worden, und mit dem Kreuzchen bei der letzten Wahl haben wir ja alle auch genau so ein Formular gewollt . . .
Jedenfalls bleibt uns, auf ruhige Nachtdienste zu hoffen, die neben dem Hin- und Herblättern und dem Malen von Zahlen in immer neue Formulare auch noch eine medizinische Versorgung der Kranken ermöglichen.
Es sollte jedoch eine Warnung an die Kollegen anderer Bundesländer ergehen. Sollten Sie mit Ihrem Formular zur Zeit zurechtkommen, so schauen Sie der zuständigen Behörde rechtzeitig auf die Finger. Eine Formularänderung scheint immer mit wesentlich mehr Arbeit einherzugehen - bei gleicher Vergütung natürlich.
Dr. med. Michael Pelzer, Albersallee 20, 47533 Kleve


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