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SPEKTRUM: Leserbriefe

Naturheilmittel: Es lebe der Dr. Plazebo!

Schwabe, Hans

Naturheilmittel
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LNSLNS In meiner schönen Heimatstadt hielt vor etwa zwei Jahren die Naturärztin Dr. C., Frau eines früheren Bundespräsidenten, einen "wissenschaftlichen" Vortrag über die Erfolge der sogenannten "Naturmedizin". Unter anderem äußerte sie beschwörend, daß man bei einer "leichten" Lungenentzündung doch besser nicht gleich zum Penicillin greifen solle, erst wäre ein Brustumschlag mit Quarkkäse zu versuchen. Das ist kein Witz, sie hat es gesagt.
Naturheilkunde, wie definiert man das eigentlich? Sollen alle Produkte der Natur dazu gehören? Das wären dann aber auch Digitalis, Colchicin, Insulin - jedenfalls bis zur gentechnischen Herstellung - und vieles andere. Mutter Natur liefert aber auch die schlimmsten Gifte. Wenn man sich bei einer schlimmen Erkältung ins Bett legt, mit Lindenblütentee schwitzt usw., das ist in Ordnung, und diese Behandlung wäre sicher auch eine naturheilkundige, aber was dann noch?
Hunderte von ernsthaften wissenschaftlichen Untersuchungen haben einwandfrei bewiesen, daß an der Homöopathie, an der Neuraltherapie, an der anthroposophischen Medizin usw. nichts ist; nie konnte ein Erfolg wirklich nachgewiesen werden, der über die Plazebowirkung hinausreicht. Jeder Arzt, der einmal an einer wissenschaftlichen Versuchsreihe teilgenommen hat, kennt die enormen Erfolge des Plazebos in den Doppelblindversuchen. Diese Methoden bleiben.
Beim medizinischen Laien ist der Aberglaube nicht auszurotten, und "Heilen" bleibt für viele etwas Mystisches. Sicher kann man Geld verdienen damit, nur kann das keine Begründung sein, den Aberglauben zu unterstützen. Leider gibt es da auch gewisse psychologische Verfahren von zweifelhaftem Wert, ja, es geht sogar so weit, daß man Sittlichkeitsverbrecher mit "psychologischen" Behandlungen zu heilen versucht. Freud hat sich sehr geirrt, daran ändert auch nichts, daß man seine "Erkenntnisse" immer mehr modifiziert.
Der Fernsehpfarrer Sommerauer hat einmal gesagt: "Einer der größten Sündenfälle dieses Jahrhunderts ist die Psychologie." Wie kann er das wohl gemeint haben?
Wissenschaft kommt von Wissen, nicht von Glauben. Solange die Menschen aber noch glauben, daß die Sterne unser Schicksal bestimmen und irgendeine "Magie" zu zaubern versteht, so lange werden sie auch im Feld der Dummheit befangen bleiben. Geld sollte man zur "Erforschung" dieses Unsinns aber nicht mehr ausgeben, es wäre besser verwendbar.
Dr. med. Hans Schwabe, Karl-Brater-Straße 29, 86720 Nördlingen
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