ArchivRechercheGravierende Mängel
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Die vorliegende Studie (1) weist gravierende Mängel auf. Sie ist ungeeignet, um die Effizienz der vaginalen pH-Selbstmessung zur Vermeidung von Frühgeburten zu beurteilen. Wichtige Mängel werden zwar im Haupttext, nicht aber in der Zusammenfassung erwähnt. Die zahlreichen „Nur-Abstract-Leser“ erhalten auf diese Art irreführende Informationen.

In der Studie wurde nicht gesichert:

  • dass ein ausreichender Anteil der Teilnehmerinnen das Testkit rechtzeitig erhielt und dann auch regelmäßig gemessen hat. Denn nur 1 823 Schwangere haben überhaupt die Messung protokollgerecht durchgeführt (also nur 9,7 % der Teilnehmerinnen in der Interventionsgruppe) (2). Diese Zahl ist in der vorliegenden Publikation gar nicht genannt.
  • dass das diagnostische und therapeutische Vorgehen der behandelnden Frauenärzte standardisiert und damit vergleichbar war.
  • dass im Falle eines ärztlich bestätigten pathologischen Zustandes eine den aktuellen Leitlinien entsprechende Therapie stattfand.

Es stellt sich die Frage, warum die Studie in dieser Form überhaupt durchgeführt wurde. Die so gewonnenen Ergebnisse sind im Grunde genommen nichtssagend und eher irreführend. Und warum hat man uns, die wir 1994 diese innovative pH-Selbstmessung für Schwangere begründet (3, 4) und seitdem maßgeblich ausgebaut haben, nicht vorher konsultiert? Wir sind nicht einmal als Urheber erwähnt worden, was eigentlich zu den guten Gepflogenheiten unter Wissenschaftlern gehört.

Das Fehlen essenzieller Voraussetzungen lässt sich durch hochgezüchtete Statistik nicht ausgleichen. Allerdings fand sich, trotz der genannten Unzulänglichkeiten, ein geringer protektiver Effekt der pH-Selbstmessung im Zusammenhang mit dem Geburtsgewicht. Daher ist anzunehmen, dass bei einer korrekt konzipierten Studie deutlichere Effekte erkennbar gewesen wären.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0461a

Prof. Dr. med. Erich Saling

Jürgen Lüthje

Institut für Perinatale Medizin, Berlin

info@saling-institut.de

Interessenkonflikt
Prof. Saling hat die pH-Selbstmessung zur Vermeidung von Frühgeburten entwickelt. Herr Lüthje erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Bitzer EM, Schneider A, Wenzlaff P, Hoyme UB, Siegmund-Schultze E: Self-testing of vaginal pH to prevent preterm delivery: A controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(6): 81–6. VOLLTEXT
2.
Schneider A, Rudolph A, Bitzer EM, Dörning H: Vermeidung von Frühgeburten. Gemeinsames Modellprojekt nach § 63 SGB V der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Barmer Ersatzkasse, Techniker Krankenkasse (TK), Hamburg Münchener Krankenkasse (HMK). Endbericht 2009; 48.
3.
Saling E, Fuhr N, Placht A, Schumacher E: „Selbst-Vorsorge-Aktion für Schwangere“ – ein wichtiger Bestandteil des Frühgeburtenvermeidungsprogrammes. In: Weidinger H, (eds.): Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Moderne Medizin zwischen Natur und High-Tech. 7. Bayreuther Gespräch. Berlin, Wien: Blackwell Wissenschafts-Verlag 1995; 63–70.
4.
Saling E, Fuhr N, Placht A, Schumacher E: A new efficient strategy for prevention of prematurity. In: Kurjak A, Latin V, Rippmann E (ed.):
Advances on the pathophysiology of pregnancy: CIC Edizioni Internationali 1995; 228–34.
1.Bitzer EM, Schneider A, Wenzlaff P, Hoyme UB, Siegmund-Schultze E: Self-testing of vaginal pH to prevent preterm delivery: A controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(6): 81–6. VOLLTEXT
2.Schneider A, Rudolph A, Bitzer EM, Dörning H: Vermeidung von Frühgeburten. Gemeinsames Modellprojekt nach § 63 SGB V der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Barmer Ersatzkasse, Techniker Krankenkasse (TK), Hamburg Münchener Krankenkasse (HMK). Endbericht 2009; 48.
3.Saling E, Fuhr N, Placht A, Schumacher E: „Selbst-Vorsorge-Aktion für Schwangere“ – ein wichtiger Bestandteil des Frühgeburtenvermeidungsprogrammes. In: Weidinger H, (eds.): Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Moderne Medizin zwischen Natur und High-Tech. 7. Bayreuther Gespräch. Berlin, Wien: Blackwell Wissenschafts-Verlag 1995; 63–70.
4.Saling E, Fuhr N, Placht A, Schumacher E: A new efficient strategy for prevention of prematurity. In: Kurjak A, Latin V, Rippmann E (ed.):
Advances on the pathophysiology of pregnancy: CIC Edizioni Internationali 1995; 228–34.

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