ArchivRecherchePsychopharmaka: An Gutachterverfahren gebunden
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Auch in diesem Artikel erscheint wieder der Vorwurf – häufig von Psychiatern erhoben – Psychologische Psychotherapeuten würden keine schwerer gestörten Patienten annehmen. Die meisten von uns würden dies sogar sehr gerne, da es sich hier auch um sehr spannende und herausfordernde Behandlungen handelt, in denen man sein behandlungstechnisches Können wirklich unter Beweis stellen kann. Leider wird dabei immer übersehen, dass wir an das Gutachterverfahren gebunden sind, mittels dessen eben diese Patienten aussortiert werden. Beispiele habe ich zuhauf: Patientin mit paranoid akzentuierter Persönlichkeitsstörung: zu psychosenah! Alte, abgearbeitete Bäuerinnen mit depressiv überlagerten Schmerzsyndromen: kein unbewusster Konflikt ersichtlich, belastende Lebensereignisse sind nicht Gegenstand der Richtlinientherapie (da hätte ich wohl noch einen Triebkonflikt basteln sollen?). Borderline-Patient mit Sucht nach mehreren Klinikaufenthalten, deren Fleckerlteppich-Behandlungskonzept mich nicht überzeugte: Austherapiert, schlechte Prognose. Manisch-depressive Patienten: gehören nicht zum Indikationskatalog.

Patientin mit schwerer PTBS und Dauerkrankschreibung: schlechte Prognose, Verdacht auf Rentenbegehren – usw., usw. Und bei erfolgter Frühberentung wird
ohnehin meistens nichts mehr genehmigt. Folglich nimmt man diese Patienten nicht mehr an und wendet sich dem pflegeleichteren und prognostisch günstigeren Klientel zu, aber dann ist es auch wieder nicht recht. Die oben genannten Patienten habe ich dann niederfrequent über die Ziffer 23220 über viele Jahre hinweg behandelt und allen ging es langsam besser, manche Menschen brauchen eben ihr Leben lang etwas Begleitung, was durchaus auch von Psychologischen Therapeuten geleistet werden könnte. (...)

Dipl.-Psych. Ursula Mayr, 83236 Übersee am Chiemsee

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