ArchivRechercheJunge Erwachsene: Gesunde autonome Reaktion
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ich stimme dem Artikel von Prof. Seiffge-Krenke zu, dass übermäßiges Beschützen und Überwachen der Kinder und Jugendlichen und das Wegräumen jeglicher Steine die Kindheit und Adoleszenz in regressiver Weise verlängern. Aber wir müssen uns auch fragen, was wir als Kollektiv in unserem entfesselten kapitalistischen System den Kindern für ein Bild vom Arbeits- und Leistungsleben vor Augen führen: Nicht selten bekomme ich von Kindern auf die Frage, was „sie einmal werden möchten“ (diese Frage fand ich selbst als Kind schon immer dämlich – wieso denn „werden“, ich „bin“ doch schon etwas!), die Antwort, dass sie „nie erwachsen“ werden möchten – ein Mädchen weigerte sich deshalb sogar, die Uhr zu erlernen. Die Argumente dafür waren überzeugend: Man müsse dann immer arbeiten, könne nicht mehr spielen, habe immer Kopfweh, könne seine Freunde nicht mehr sehen, komme überhaupt nicht mehr ins Freie et cetera. Bieten wir in unserer Gesellschaft, die wir durch unser fugenloses Funktionieren in dieser Form geschaffen haben, den Kindern nicht das Bild, dass unser Arbeits- und Leistungsleben eine Qual ist, wenn wir ihnen unserem ständigen Termindruck, Hetze, Überforderung, Erschöpfung, Chef- und Kollegenärger, Raubbau am Körper und noch vieles mehr täglich vorleben?
Und reagieren unsere Kinder nicht ausgesprochen gesund und autonom, wenn sie hier „Nö danke, vergiss es“ sagen?
Wenn wir hier nicht vorschnell pathologisieren und unsere Normen auch einmal hinterfragen, bewahren wir uns den Zugang zur Freiheitsliebe und zum kreativen Potenzial unserer Kinder und können von ihnen lernen. Wer sagt denn, dass eine feste berufliche Identität und eine feste Partnerschaft das Alleinseligmachende sind? Vielleicht geht’s ja dem einem oder anderen ohne das auch ganz gut.

Dipl.-Psych. Ursula Mayr, 83236 Übersee am Chiemsee

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige