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KULTUR

Litauen: Sympathy for the Devil

PP 17, Ausgabe Dezember 2018, Seite 574

Goddemeier, Christof

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Was wären Legenden, Mythen und Märchen ohne die Figur des Teufels? Das weltweit einzigartige Teufelsmuseum in Kaunas hat mehr als 2 000 meist volkstümliche Exponate zusammengetragen.

Geht man in Kaunas, der zweitgrößten Stadt Litauens, von der zentralen Laisves aleja Richtung Norden, gelangt man in die V. Putvinskio gatve. Das Haus Nummer 64 beherbergt ein Teufelsmuseum. Der litauische Maler und Kunstsammler Antanas Zmuidzinavicius (1876–1966) begründete die Sammlung, die durch Schenkungen immer weiter ausgebaut wurde. Nach seinem Tod richtete man das Museum zunächst in seinem Haus ein, heute befindet es sich in einem eigenen Anbau.

Mehr als 2 000 Skulpturen und Masken aus unterschiedlichen Ländern der Erde, die meisten volkstümlicher Art, sind zu bestaunen. In christlichem Verständnis ist der Teufel ein gefallener Engel: Als er zu stolz wird und gegen Gott aufbegehrt, vertreibt dieser ihn aus dem Himmel. Namen wie Luzifer, Beelzebub, Antichrist, Samael und Dämon bezeichnen den Gefallenen. In volkstümlichen Berichten verhält der Teufel sich wie ein trotziger Junge und macht das Gegenteil von dem, was Gott ihm aufträgt – Hügel statt flaches Land und Unkraut anstelle von Blumen.

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Teufelsfiguren aus dem Teufelsmuseum in Kaunas. Foto: Wikimedia/Usien CC-BY-SA 1.2
Teufelsfiguren aus dem Teufelsmuseum in Kaunas. Foto: Wikimedia/Usien CC-BY-SA 1.2

In vorchristlicher Überlieferung erscheint der Teufel neben Gott und dem Donner als autochthones Wesen mit eigener Zuständigkeit: Ihm unterstehen zum Beispiel die Erdoberfläche, die Unterwelt, Pflanzen, Tiere und die Fruchtbarkeit. Zudem ist er Schirmherr der Landwirte und Kunsthandwerker.

Dem Menschen gegenüber kann der Teufel freundlich und hilfsbereit auftreten, aber auch in Versuchung führen und Schaden zufügen. Manchmal bittet er den Menschen um Hilfe, etwa ihn ein Stück des Weges mitzunehmen oder ihn vor dem Donnergott zu verstecken. Anderen Berichten zufolge übernimmt er lästige Arbeiten im Haushalt oder leiht Geld. Der Teufel kann schlau oder dumm sein. In etlichen Quellen ist er dem Menschen unterlegen.

Zuweilen erscheint er in Gestalt eines Haustieres, am häufigsten als Ziege. Die Ziege gilt als schmutzig und störrisch. Der Teufel hat Ziegenhörner, -hufe, -bart und -schwanz. Meistens wird der Teufel dünn, krumm und bucklig dargestellt. In menschlicher Gestalt tritt er als junger Edelmann, Priester oder Jäger, aber auch als Schuster, Schmied oder Musiker auf. Nicht immer ist er schwarz gekleidet, zuweilen trägt er auch Rot oder Grün.

Vom Teufel einen Heiratsantrag zu bekommen oder zum Tanz aufgefordert zu werden, endet für die betreffende Frau meistens nicht gut. Doch sie kann den Teufel überlisten, indem sie ihm eine unmögliche Aufgabe stellt, etwa einen reißenden Fluss auszutrocknen. In einer Legende überrascht der Teufel eine schlafende Frau. Sie berichtet ihm endlos von den Mühen des Flachsanbaus. Schließlich kräht der Hahn, und der Teufel ergreift die Flucht. Gelegentlich überlassen Ehemänner dem Teufel ihre streitlustigen Frauen, doch auch der Teufel kann sie nicht zähmen.

Legenden zufolge hat der Teufel den Alkohol erfunden. Weil die Menschen nach übermäßigem Alkoholgenuss leicht in Versuchung zu führen sind, erlaubt Gott ihnen bloß zwei Becher, einen ihm zu Ehren und einen auf die Gesundheit. Der dritte Becher ist des Teufels – trinkt man ihn, brennt einem die Kehle. Deshalb heißt Wodka in Litauen das Ding, das brennt (degti). Eine bemerkenswerte Skulptur zeigt Hitler und Stalin als Teufel, die inmitten menschlicher Knochen einen bizarren Tanz aufführen. Christof Goddemeier

Informationen: http://www.lithuania.travel/de/urlaubsziele/teufelsmuseum/19212,

http://daebl.de/SK63

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