ArchivRechercheQualitätssicherung: Verdrehte Argumentationskette
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LNSLNS Vielen Dank für Ihren Artikel zur berufs- und strafrechtlichen Problematik der kommerziellen Gutachtenerstellung, der mich umso mehr freut, als ich erst gestern wieder ein derartiges Angebot („Forum Gesundheitsmedien“) ungefragt zugeschickt bekommen habe. Am meisten wundert mich immer wieder, dass sich solche Anbieter nicht einmal zu schade sind, selbst die „Spontanangaben des Patienten“ als CD-ROM-Vorlage zu liefern. Aber der Markt scheint auch als verdeckte Verbandswerbung interessant zu sein: Auf der Startseite der Homepage der Deutschen Fachgesellschaft für Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (DFT) wird die Hilfe bei abgelehnten Gutachtenanträgen als besondere Serviceleistung des Verbandes angeboten (für Nicht-Mitglieder 50 Euro).
Ich teile die in Ihrem Bericht unter anderem geäußerte Auffassung, dass den Kollegen, die solche „Hilfen“ in Anspruch nehmen, überwiegend die fachliche Qualifikation fehlt, einen Bericht an den Gutachter zu verfassen. Denn dieser erfordert die Formulierung eigener Wahrnehmungen/ Gedanken/ Hypothesen und deren Übersetzung an einen Dritten, also psychisch-intellektuelle Arbeit auf der Basis einer fundierten Ausbildung.
Was ich nicht teile, sind die Äußerungen von Herrn Kommer, Präsident der BPtK, der diese kommerzielle Gutachtenerstellung zwar als Verletzung der Berufspflicht rügt, die „disziplinarrechtlich geahndet werden KANN“ (Hervorhebung von mir), sie dann aber doch wieder assoziativ in die Nähe von Hilfen durch Intervision, Supervision oder Ähnlichem bringt und anschließend das Gutachterverfahren insgesamt als Instrument der Qualitätssicherung anzweifelt.
Hier wird die Argumentationskette, wie so oft, verdreht: Dass viele Kollegen kommerzielle Hilfen in Anspruch nehmen, wird als Zeichen für die Kritikwürdigkeit beziehungsweise Obsoletheit des Verfahrens an sich gewertet. Gleichzeitig wird mit solchen Bagatellisierungen und subtilen Verwischungen – leider auch vom Präsidenten der BPtK – immer wieder versucht, das Gutachterverfahren zu diffamieren, obwohl es doch die letzte Bastion vor der endgültigen Zerstörung des Rahmens therapeutischen Arbeitens und einer entsprechenden Stundenhonorierung ist.
Ist die Inanspruchnahme kommerzieller Anbieter ein Problem des Gutachterverfah-rens oder nicht vielmehr ein Problem der Führung einer Behandlung, das sich hier auftut? Denn wer – egal wie sehr in den Behandlungsprozess verstrickt – einigermaßen weiß, was in einer Behandlung läuft und warum, kann dies auch einem Gutachter plausibel machen – oder?
Dipl.-Psych. Susanne Walz-Pawlita, Psychoanalytikerin DPV, DGPT, Saarlandstraße 29, 35398 Gießen
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