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MEDIZIN: Kongressberichte und -notizen

Ein Beitrag zur Raucherentwöhnung

Haustein, Knut-Olaf

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LNSLNS Die 1. Deutsche Nikotin-Konferenz
Bekanntlich ist Zigarettenrauchen einer der Hauptrisikofaktoren für die Ausbildung des Bronchialkarzinoms und von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Deutschland sterben jährlich 100 000 bis 110 000 Menschen an den Folgen des Zigarettenrauchens. Unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer, Karsten Vilmar, wurde am 16. Mai 1998 in Erfurt an historischer Stätte (Haus Dacheröden) die 1. Deutsche Nikotin-Konferenz abgehalten. Die wissenschaftliche Leitung übernahm Knut-Olaf Haustein, Erfurt.
Anliegen und erklärtes Ziel der Konferenz war es, einen Beitrag für die Aufklärung der Ärzte und der Bevölkerung zum Thema Rauchen zu leisten. F. Wiebel, Neuherberg, und M. Kunze, Wien, verwiesen darauf, daß der Arzt zwar seinen Patienten nach den Regeln der medizinischen Wissenschaft behandelt, aber sich selten um dessen Rauchgewohnheiten kümmert. Viel mehr als bisher sollte der Arzt sich für eine Raucherentwöhnung zuständig fühlen, die bei etwa 36 Prozent der Raucher durch die Abhängigkeit erschwert wird und ohne äußere Hilfe nicht möglich ist. P. Drings, Heidelberg, erklärte, daß wir heute in der Chemotherapie bösartiger Geschwülste scheinbar keine Fortschritte im Sinne verbesserter Behandlungserfolge erzielen, weil diese durch die Zunahme kleinzelliger Bronchialkarzinome, bedingt durch das Zigarettenrauchen, "kompensiert" werden. Einhellig wurde die Meinung vertreten, daß die Raucherentwöhnung durch die vorübergehende Nikotinsubstitution über zwei bis drei Monate mit Pflastern und/oder Kaugummis die optimale Variante darstellt (K.-O. Fagerstrom, Helsingborg; A. Batra, Tübingen; A. Kohaut, Nürnberg; K. Mulzer, Erlangen). Darüber hinaus wurde anhand einer ins Detail gehenden Literaturrecherche nachgewiesen, daß Nikotin, welches über seine zentralen Wirkungen die Abhängigkeit erzeugt, andererseits nicht für die Veränderungen der Fließeigenschaften des Blutes (Viskosität, Zunahme des Fibrinogen-Plasmaspiegels und Abnahme der Verformbarkeit der Erythrozyten und der Gewebe-O2-Spannung) verantwortlich zeichnet (K.-O. Haustein, Erfurt), sondern dafür die zahlreichen Kondensationsprodukte des Tabakrauchs einschließlich des inhalierten Kohlenmonoxids verantwortlich sind.
Unter dem Eindruck, daß 30- bis 50jährige Raucher eine Raucherentwöhnung nur mit teilweisen und vorübergehenden Erfolgen versuchen, wurde ein Teil der Tagung einer Diskussion mit Schülern des Erfurter Königin-Luise-Gymnasiums in Anwesenheit von Lehrern unter dem Motto "Gesund ins Erwachsenenalter! - Rauchen in der Schule?" gewidmet, bei der es mit Tagungsteilnehmern, Vertretern des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen sowie eines Vertreters des Thüringer Kultusministeriums zu einer fruchtbaren Diskussion kam. An dieser Stelle wurden Schulprojekte zur Raucherentwöhnung vorgestellt (B. Junge, Berlin; Th. Duprèe, Nürnberg), die künftig für die Arbeit in Erfurt und übergreifend für Thüringen im Sinne der Raucherprophylaxe genutzt werden sollten.
Die Deutsche Nikotin-Konferenz fand bei den etwa 80 Anwesenden breite Akzeptanz. In den Medien wurde die Konferenz zur Kenntnis genommen; Daher wird für 1999 eine 2. Deutsche Nikotin-Konferenz geplant.


Prof. Dr. med. habil. Knut-Olaf Haustein
Klinische Pharmakologie Erfurt
Klinikum der Friedrich-SchillerUniversität Jena
Nordhäuser Straße 78
99089 Erfurt

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