szmtag Sterbehilfe: Der Wille, nicht das Wohl zählt
ArchivRechercheSterbehilfe: Der Wille, nicht das Wohl zählt

SPEKTRUM: Leserbriefe

Sterbehilfe: Der Wille, nicht das Wohl zählt

Hawe, Peter

Zu dem "Seite eins"-Beitrag "Der (mutmaßliche) Wille des Patienten" von Gisela Klinkhammer in Heft 31-32/1998:
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Kein Arzt hat die Pflicht oder auch nur das Recht, einen Kranken zu behandeln, der die Behandlung ablehnt. Soweit es um das Ob der Therapie geht, schreibt der Wille, nicht das Wohl des Patienten dem Arzt das Gesetz des Handelns vor. Darum hat aber auch kein Arzt das Recht, einen Kranken, der die weitere Behandlung nicht ablehnt, zu töten. Er darf das Leben des Patienten weder durch einen Eingriff verkürzen noch dadurch, daß er die Therapie einstellt. Dies gilt auch dann, wenn der Arzt nicht weiß, was der Patient wünscht, und keine Möglichkeit hat, es zu ermitteln. Denn die Erfahrung lehrt, daß nie der Tod ein ganz willkommener Gast ist, und davon ist auszugehen, solange man nicht die Gewißheit hat, daß der Kranke, mit dem man es zu tun hat, den Tod doch willkommen heißt. Es ist keine Definition des "lebensunwerten Lebens" denkbar, die nicht unvermeidlicherweise nach der einen Seite zu weit, nach der anderen zu eng wäre. Den einzelnen Arzt von Fall zu Fall entscheiden zu lassen ist ausgeschlossen. Man würde ihn mit einer Verantwortung belasten, die er gar nicht tragen könnte. Jeder Arzt hat das Recht und die Pflicht, dem Kranken, der es begehrt, den Hintritt durch Linderung von Schmerzen und durch Eintrübung des Bewußtseins zu erleichtern. Er darf das auch auf die Gefahr hin (nicht in der Gewißheit) tun, daß die palliativen Maßnahmen, die er trifft, das Ende beschleunigen. Diese Gefahr besteht bei jeder Operation. Die Strafandrohung gegen Tötung auf Verlangen aufzuheben ist nicht möglich. Beschränkt man die Erlaubnis dazu aber auf Fälle, in denen das Verlangen von einem Schwerkranken geäußert wird, dann wird die Gestattung praktisch zu einem odiosen Privileg für die Ärzte, das sie in die Nachbarschaft, wenn auch nicht des Henkers, so doch des Abdeckers rückt.
Dr. Peter Hawe, Schlehdornweg 51, 69469 Weinheim
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Stellenangebote

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Anzeige