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VARIA: Wirtschaft - Berichte

Bundesschätze in der Zinsflaute: Realrendite hat sich kaum verändert

Hölbüng, Hannelore

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LNSLNS Den hohen Zinsen, die Bundesschatzbriefe Anfang der 90er Jahre boten, mag man nachtrauern. Mit Blick auf die damalige Realrendite schrumpfen die optisch fürstlichen Erträge auf Normalmaß. So betrachtet können sich die "Schätzchen" auch heute noch sehen lassen.
Die Teuerungsrate ist gegenwärtig so niedrig, daß man getrost von Stabilität sprechen kann. Für die Schatzbriefe bedeutet das Realrenditen von knapp drei Prozent, legt man Endrenditen von 2,98 Prozent (Typ A) beziehungsweise 3,07 Prozent (Typ B) zugrunde. In der Vergangenheit wurden für Rentenpapiere seriöser Emittenten selten mehr als 2,5 bis drei Prozent Realrendite erreicht.
Staatspapiere zählen zu den sicheren Geldanlagen. Die Faustregel lautet: Alle Anlagen, deren Rendite über der von zehnjährigen Bundesanleihen liegt, bedeuten Risiko. Wer heute der Faszination zweistelliger Renditen von Auslandsanleihen erliegt, geht ein hohes Verlustrisiko ein. Der Zusammenhang von Zinshöhe und Kapitalsicherheit wird jedem bewußt, der sich verschulden muß. Wer nicht ausreichende Sicherheit bieten kann, muß für ein Darlehen entsprechend bezahlen. So liegen dann auch zwischen Hypotheken, für die Haus oder Eigentumswohnung als Sicherheit gelten, und einem Dispositionskredit, der nur im Vertrauen auf laufende Einkünfte gewährt wird, Zinsunterschiede von oft mehr als fünf Prozentpunkten. Der Bund zählt national und international zu den Schuldnern mit erstklassiger Sicherheit und tadelloser Zahlungsmoral. Er muß also keine Zitterprämien bieten.
Die Zinskonditionen für die Schatzbrief-Ausgaben 1999/1 und 2 lauten:
1. Jahr: 2,25 Prozent,
2. Jahr: 2,75 Prozent,
3. Jahr: 3,00 Prozent,
4. Jahr: 3,25 Prozent,
5. Jahr: 3,25 Prozent,
6. Jahr: 3,50 Prozent,
7. Jahr (Typ B): 3,50 Prozent.
Das sind Endrenditen von 2.98 Prozent für Typ A und 3,07 Prozent für Typ B.
Es ist nicht nur die Bonität des Emittenten, die Bundesschatzbriefe zu einer so sicheren Geldanlage macht, sondern in hohem Maß auch ihre Flexibilität. Die Laufzeiten von sechs (Typ A) und sieben (Typ B) Jahren binden den Bund, nicht den Anleger. Der Anleger kann seine Papiere bereits nach dem ersten Laufzeitjahr zurückgeben: jeweils bis zu 10 000 DM innerhalb eines Monats. Er riskiert dabei keinerlei Einbußen. Zurückgezahlt wird die Anlagesumme zusammen mit den aufgelaufenen Zinsen. "Schätzchen" werden nicht an der Börse gehandelt und sind daher kursunabhängig. Das bedeutet: absolute Notgroschenqualität.
Wer vom Sparbuch in Bundesschatzbriefe überwechseln will, kann das mit vergleichsweise niedrigen Summen tun. Schätzchen haben eine anlegerfreundliche Stückelung von 100 DM. Für den allerersten Kauf empfehlen sich, damit der Sockel etwas breiter wird, doch wenigstens 1 000 DM. Die Hundert-Mark-Stückelung kommt denen entgegen, die "krumme" Summen einsetzen wollen, zum Beispiel 1 300 DM oder 2 700 DM. Seit einiger Zeit können Schätzchen auch im Dauerauftrag geordert werden.
Schatzbriefe erhalten immer wieder Komplimente der ehrlichsten Art: ihre Konstruktion wird vielfach nachgeahmt, vor allem die der steigenden Zinsen, die dann nicht selten sogar höher sind als die des Originals. Entscheidende Unterschiede finden sich im "Kleingedruckten", zum Beispiel beim Kündigungsschutz des Schuldners. Zur Zeit spielt das keine Rolle, denn bei den augenblicklich niedrigen Zinsen hat der Schuldner kaum Alternativen. Unangenehm wird diese Einschränkung für den Anleger, wenn ein Papier in der Hochzinsphase gekauft wurde und dann der Abwärtstrend einsetzt. Dann hat der Schuldner viele Möglichkeiten, sich anderswo preiswerter zu versorgen.
Ausstieg nur für Anleger
Ein seitens des Emittenten vorzeitig gekündigter Sparbrief ist für den Anleger ein Verlust, denn seinen freigewordenen Mitteln steht dann kein adäquates Anlageangebot gegenüber, das heißt, er bekommt weniger für sein Geld. Derartige Tücken halten Schatzbriefe nicht bereit: Für den Bund als Schuldner heißt es, die Laufzeit durchhalten, die vereinbarten Zinsen auch dann zahlen, wenn woanders Geld viel preiswerter zu haben wäre. Gut lachen haben daher gegenwärtig Schatzbriefinhaber, die Anfang der neunziger Jahre zugriffen. Sie können sich über Traumrenditen von mehr als acht Prozent freuen, die ihnen noch bis Ende 1999 des nächsten Jahres (dann endet die Laufzeit) sicher sind.
Hannelore Hölbüng, Informationsdienst für Bundeswertpapiere
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