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Bronchialkarzinom: Statt Zufallsbefund Früherkennung

Moosmann, Elisabeth B.

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Eine Verbesserung der Früherkennung des Bronchialkarzinoms forderte der Freiburger Pneumologe und Thoraxchirurg Prof. Joachim Hasse anläßlich der 8. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Als "praktischen Rat" für starke Raucher empfahl Hasse, einmal jährlich eine RöntgenThoraxübersicht vom 50. bis 55. Lebensjahr an. Verändert sich der Auswurf oder finden sich darin auch nur minimale Blutspuren, ist laut Hasse eine genauere Untersuchung zwingend. Bronchialkarzinome zählen bei Männern zu den häufigsten Krebserkrankungen und der höchsten Mortalität. Bei Frauen repräsentieren Bronchialkarzinome die fünfthäufigste Krebsform. Nur 15 bis 20 Prozent aller Lungenkarzinome sind nach Hasses Angaben zum Zeitpunkt der Diagnose noch gut operabel.


Doch auch bei Operation in den "sogenannten" Frühstadien bei Tumorgrößen von drei bis fünf Zentimetern Durchmesser und fehlendem Lymphknotenbefall seien die therapeutischen Ergebnisse letztlich noch nicht zufriedenstellend. Trotz erfolgreicher Operation entwickelten sich bei einem Großteil der Patienten innerhalb von zwei bis drei Jahren Fernmetastasen. Hinzu komme, daß trotz verbesserter Operationstechniken und Narkoseverfahren die postoperative Komplikationsrate - auch aufgrund der Multimorbidität der meist über 60jährigen Patienten - hoch ist. "Werden die Tumoren dagegen bei noch minimaler Ausdehnung operiert, liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei 90 Prozent", so Hasse. In der Thoraxübersicht seien Tumoren bereits ab einem Durchmesser von fünf bis sechs Millimetern erkennbar.


Karzinome in diesem eigentlichen Frühstadium seien jedoch in der Praxis noch immer Zufallsbefunde. Um Patienten mit schon fortgeschrittenen nicht kleinzelligen Bronchialkarzinomen im Stadium III noch eine Operation zu ermöglichen, wird unter anderem in Münster ein multimodales Vorgehen mit präoperativer Chemo- und anschließender hyperfraktionierter Radiotherapie erprobt und hinsichtlich der Effizienz mit herkömmlicher präoperativer Chemotherapie und postoperativer Radiotherapie verglichen. Bei rund 70 Prozent der nach dem neuen Schema behandelten Patienten kommt es nach vorläufigen Ergebnissen von insgesamt 100 Patienten zur deutlichen Tumorremission, die eine gute Operabilität gewährleistet. Die randomisierte Studie wird von der Deutschen Krebshilfe unterstützt. Elisabeth B. Moosmann

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