szmtag Kurz informiert
ArchivRechercheKurz informiert

PHARMA

Kurz informiert

namo; MR; ab

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die klinische Zukunft von Antisense-Oligonukleotiden – Die meisten Patienten mit einer 5q-assoziierten spinalen Muskelatrophie (5q-SMA) sehen bereits die bloße Stabilisierung ihres Zustands als Erfolg. Sind sie auf den Rollstuhl angewiesen, wünschen sie sich, zumindest die Fingerkontrolle und so die Kontrolle über den Joystick erhalten zu können.

Bei der SMA gehen zentrale Motoneurone zugrunde, weil ein Survival-Motor-Neuron- oder SMN-Protein fehlt. Antisense-Oligonukleotide (ASO) wie Nusinersen (Spinraza®, Biogen), sind kurze Nukleotidketten, die indirekt die Genexpression regulieren und so zur Bildung von funktionsfähigem SMN-Protein führen.

Anzeige

Prof. Dr. med. Günter Höglinger, Chefarzt der neurologischen Universitätsklinik in Hannover, sah auf einer Veranstaltung von Biogen ASOs in Zukunft viel breiter im Einsatz – auch bei Parkinson-Syndromen und Demenz: „Bei neurodegenerativen Erkrankungen spielt Protein-Mishandling eine Rolle, nämlich die Akkumulation und Aggregation von Eiweißen, die Zellen geschädigt. Wir haben damit molekulare Zielstrukturen, die Ansatzpunkte für ASO-Therapien sein könnten“, sagte Höglinger. namo

Quelle: Symposium „Kleine Sequenz – große Wirkung: Nusinersen zur Behandlung der 5q-SMA als Vorreiter für zukünftige ASO-Innovationen bei neurodegenerativen Erkrankungen“, Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), 7. November 2020; Veranstalter: Biogen

Kallikrein-Antikörper zur Angioödem-Prophylaxe als Fertigspritze – Rezidivierende Ödeme von Haut und Schleimhäuten kennzeichnen das hereditäre Angioödem. Laryngeale Attacken sind lebensbedrohlich. Die Erkrankung beruht auf einem Mangel an C1-Inhibitor, einem Regulator des Kallikrein-Kinin-Systems. Patienten mit schweren und/oder häufigen Attacken brauchen eine prophylaktische Behandlung. C1-INH-Konzentrate müssen zweimal wöchentlich intravenös verabreicht werden, zusätzlich als Bedarfstherapie, wenn doch noch Attacken auftreten – eine große Herausforderung für die Selbstbehandlung.

Seit 2019 ist der Kallikrein-Antikörper Lanadelumab (Takhzyro®, Takeda) zugelassen, der nur alle 2 Wochen in einer Dosis von 300 mg subkutan verabreicht wird. Die Zulassung basiert auf der Phase-3-Studie HELP. Unter der genannten Dosierung traten um 83 % weniger moderate bis schwere Attacken auf als unter Placebo, 87 % weniger Attacken erforderten eine Bedarfstherapie. Über die Studiendauer von 26 Wochen waren 44 % der Patienten unter Lanadelumab versus 2 % unter Placebo komplett attackenfrei. Seit Oktober 2020 gibt es auch eine Fertigspritze, die die Selbstanwendung noch einfacher macht und in Pandemiezeiten Arztkontakte vermindern hilft. AB

Quelle: Online Pressekonferenz „Pandemie new normal; Prophylaxe als Therapiekonzept bei Angioödemen – jetzt erst recht“, 27. Oktober 2020; Veranstalter: Takeda

Frühe Multiple-Sklerose-Therapie mit Telemedizin – In Zeiten von COVID-19 wurden zahlreiche Multiple-Sklerose-(MS-)Patienten später eingestellt. „Was man am Anfang der Behandlung versäumt, lässt sich später nicht mehr aufholen“, stellte Prof. Dr. med. Uta Meyding-Lamade, Chefärztin der Neurologischen Klinik am Krankenhaus Nordwest/Frankfurt, auf einer Pharmaveranstaltung von Bristol-Myers Squibb auf dem Neurologenkongress 2020 klar.

Deutschland rangiert international ganz unten, denn trotz Krankheitsaktivität erfolgt eine Therapieanpassung nur bei einer Minderheit der Patienten (bei 22,8 % mit > 1 Schub, bei 40,1 % mit > 3 Schüben, bei 31,1 % wenn sich der EDSS-Behinderungsgrad sich um > 0,5 Punkte erhöht hat sowie bei 37,9 % mit MRT-Krankheitsaktivität). Meyding-Lamade erklärte, dass die Infusionstherapie die niedrigste Abbruchrate habe, wohl weil dabei in der Klinik eine besondere Betreuung erfahren würde. Das ginge in Coronazeiten nicht. Daher betonte die Referentin die Rolle der Telemedizin für Sprechstunden und Visiten.

Ozanimod (Zeposia®, BMS), ein selektiver Sphingosin1P-Rezeptor-Modulator und seine Metaboliten sind hochselektiv für S1P1 und S1P5. Ozanimod zeigte in zwei Phase-3-Studien mit über 2 600 Patienten eine überlegene Wirksamkeit im Vergleich zu Interferon beta 1a (Schubrate, Läsionslast, Hirnatrophie und kognitive Funktion). Der Einsatz von Ozanimod ist schon frühzeitig bei nichtvorbehandelten schubförmig remittierenden MS-Patienten mit Krankheitsaktivität möglich. namo

Quelle: Virtuelles Symposium „Ändert sich die Zugrichtung? Der frühe MS-Patient zwischen individualisierter Therapie und digitaler Kommunikation“, Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), 4. November 2020; Veranstalter: Bristol-Myers Squibb

Individuelle Therapiekonzepte gegen Polypharmazie im Alter – Mit dem Alter steigt häufig die Krankheitslast. Die multimorbiden Patienten leitliniengerecht zu behandeln, kann problematisch sein – die Einnahme zahlreicher Medikamente führt mitunter zu unerwünschten Wechselwirkungen: Etwa die Hälfte aller Patienten jenseits der 65 Jahre nehmen täglich und dauerhaft mehr als 5 Medikamente ein, bei 12 % sind es sogar mehr als 10.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft schätzt, dass in Deutschland circa 23 Millionen Patienten unter chronischen Schmerzen leiden, darunter viele ältere. Häufig entwickelt sich zusätzlich eine Insomnie. Hier kann die Gabe von Schlafmitteln Abhilfe schaffen. Bei älteren Menschen muss deren Verordnung jedoch aufgrund von Nebenwirkungen wie Gangunsicherheit, erhöhtem Sturzrisiko und Beeinträchtigung der Hirnleistung kritisch gesehen werden.

Innerhalb dieses Spannungsfeldes gilt es, sich auf essenzielle, für Senioren gut verträgliche und wirksame Therapien zu konzentrieren. Außerdem hilft ein jährlicher Medikamenten-Check, um etwaige Probleme zu antizipieren und zu verhindern, oder natürliche, gut verträgliche Arzneimittel als Alternative in Betracht zu ziehen. MR

Quelle: Pressemitteilung Biologische Heilmittel Heel GmbH, 3. September 2020

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Stellenangebote

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Anzeige