ArchivRechercheNachtestwahrscheinlichkeit für COVID-19 im CT
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Die Autoren diskutieren den Einsatz der Niedrigdosis-Computertomografie (ND-CT) in Kollektiven mit niedrigen COVID-19-Prävalenzen (1). Sie merken an, dass die prädiktiven Werte (positiver prädiktiver Wert [PPV] und negativer prädiktiver Wert [NPV]) diagnostischer Testverfahren mit der Prävalenz sinken und somit eine direkte rechnerische Skalierung der Prädiktionswerte auf Szenarien niedriger Prävalenzen nicht möglich sei. Sie begründen dies damit, dass bei der Befundinterpretation die Prävalenz mitberücksichtigt wird. Abgesehen davon, dass mit niedrigerer Prävalenz der NPV steigt und nicht sinkt (2), sollte die diagnostische Trennschärfe radiologischer Befunde von der Prävalenz (= Vortestwahrscheinlichkeit) unabhängig sein, wenn diese nach standardisierten Kriterien (CoV-RADS-Klassifikation) erfolgt.

In Ostthüringen sind nur wenige Patienten an COVID-19 erkrankt, daher war am Universitätsklinikum Jena die Prävalenz mit 8 % im gleichen Zeitraum deutlich niedriger als in der Aachener Studie (39 %). Dennoch beobachteten wir eine ähnliche Testgüte für die COVID-19-CT-Befundung: positive Likelihood-Ratio (LH+) 16,1 und negative Likelihood-Ratio (LH−) 0,16 (Aachen: LH+ 11,0 und LH− 0,06). Somit hängt die Testgüte radiologischer Untersuchungen nicht wesentlich von der Prävalenz ab, und eine direkte rechnerische Skalierung auf Szenarien niedriger Prävalenz ist durchaus möglich. Zu Berechnungen der Nachtestwahrscheinlichkeiten bei verschiedenen Vortestwahrscheinlichkeiten und konstanter Testgüte dient das Fagan-Nomogramm (3).

Aufgrund der niedrigen Prävalenz und dem damit bedingten hohen NPV von 98,6 % wird in Jena die ND-CT in Verbindung mit der SARS-CoV-2-PCR (PCR, Polymerasekettenreaktion) zum Ausschluss von COVID-19 erfolgreich angewendet (4). Die Limitationen der kombinierten Diagnostik werden durch ein striktes internes Containment-Konzept bei Verdacht auf COVID-19 mit weiteren diagnostischen Tests reduziert.

DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0036

Prof. Dr. med. Ulf Teichgräber

Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie,
Universitätsklinikum Jena, ulf.teichgraeber@med.uni-jena.de

Prof. Dr. med. Wilhelm Behringer, Zentrum für Notfallmedizin,
Universitätsklinikum Jena

Prof. Dr. med. Andreas Stallmach, Klinik für Innere Medizin IV (Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie, Interdisziplinäre Endoskopie)

Universitätsklinikum Jena

1.
Schulze-Hagen M, Hübel C, Meier-Schroers M, et al.: Low-dose chest CT for the diagnosis of COVID-19—a systematic, prospective comparison with PCR. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 389–95 VOLLTEXT
2.
Mausner JS, Kramer S: Mausner and Bahn Epidemiology: an introductory text. Philadelphia: WB Saunders 1985; p 221.
3.
Fagan TJ: Letter: Nomogram for Bayes theorem. N Engl J Med 1975; 293: 257 CrossRef MEDLINE
4.
Baeyens JP, Serrien B, Goossens M, Clijsen R: Questioning the „SPIN and SNOUT“ rule in clinical testing. Arch Physiother 2019; 9: 4 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Schulze-Hagen M, Hübel C, Meier-Schroers M, et al.: Low-dose chest CT for the diagnosis of COVID-19—a systematic, prospective comparison with PCR. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 389–95 VOLLTEXT
2.Mausner JS, Kramer S: Mausner and Bahn Epidemiology: an introductory text. Philadelphia: WB Saunders 1985; p 221.
3.Fagan TJ: Letter: Nomogram for Bayes theorem. N Engl J Med 1975; 293: 257 CrossRef MEDLINE
4.Baeyens JP, Serrien B, Goossens M, Clijsen R: Questioning the „SPIN and SNOUT“ rule in clinical testing. Arch Physiother 2019; 9: 4 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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