ArchivRechercheÄrztinnen: Noch nicht gelungen
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Das Thema Frauen im ärztlichen Beruf ist immer noch aktuell, obwohl schon die erste deutsche Frauenärztin und Gründungsvorsitzende des Bundes Deutscher Ärztinnen, Dr. med. Hermine Heusler-Edenhuizen (1872–1955), wie viele andere nach Lösungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie suchte. Sie musste sich noch gegen die biologistische Abwertung der Frau behaupten. Der „Physiologische Schwachsinn des Weibes“ war bis in die Zeit nach 1945 herrschende Ideologie. Hermine Heusler-Edenhuizen suchte partnerschaftliche Modelle wie mit ihrem Mann Dr. med. Otto Heusler in der Zusammenarbeit der Geschlechter in allen Berufen unter Wertschätzung der eigenen Möglichkeiten der Frau. Dazu gehörten für sie wie für Helene Lange auch das Einfühlungsvermögen und die Fürsorglichkeit der Frau.

Es kam aber zu einem ideologischen Kampf gegen die Annahme von Geschlechtsunterschieden, die als soziale Konstruktion galten und damit abzulehnen waren. Damit wurde die Frage einer geschlechtersensiblen Medizin bis heute weitgehend ausgeblendet, also „Noch ein weiter Weg“. Das gesellschaftliche Ansehen wurde abhängig allein vom Erfolg in Beruf, Karriere und Einkommen. Eine partnerschaftliche Lebensgestaltung wurde zur reinen Privatsache. Eine gesellschaftliche Haltung der gegenseitigen Unterstützung in den beruflichen Anforderungen ebenso wie den familiären Aufgaben für beide Geschlechter konnte nur in Ansätzen entstehen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist jedoch seit über 100 Jahren nicht gelungen.

Für eine geschlechtersensible Medizin und ebenso für eine partnerschaftliche Gestaltung der Aufgaben in Familie und Beruf sind die Anerkennung und das Studium der biologischen Unterschiede der Geschlechter eine unerlässliche Voraussetzung. Die außerfamiliäre „Sorgearbeit“ kann die familiären Aufgaben nicht vollständig abdecken wie sich gerade jetzt in der Coronakrise wieder zeigt. Genauso wie Männer bei Abwesenheit durch Krankheit, Urlaub und wissenschaftliche Fortbildung kollegiale Vertretung erfahren, genauso könnten sie auch bei den Familienpflichten (Kinder, Pflege) unterstützt werden – und Frauen ebenso. Dabei würde dann auch eine „männersensible“ Forschung und Rollengestaltung Thema werden, z. B. mit der Frage nach der geringeren Lebenserwartung der Männer und der geringeren Schulerfolge von Jungen.

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Dr. med. Heyo Prahm, 26131 Oldenburg

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