ArchivRechercheSterbehilfe: Eigene Wege respektieren
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... Aus der Sicht der wiederholten bzw. organisierten Sterbehilfe muss angemerkt werden, dass bei Sterbewünschen, Suiziden und Anfragen nach Suizidhilfe zumindest drei Situationen unterschieden werden müssen: 1. Die allgemeinen Suizid-Versuche bzw. Suizide, 2. die Wünsche nach Leidensverkürzung bei schwergradigen somatischen Leidenszuständen in der Palliativmedizin und 3. die eigeninitiativ an zur Hilfe bereite Personen oder Organisationen gestellten Anträge auf Suizidhilfe. ...

Zu 1.: Die allgemeinen Suizidversuche und Suizide werden in der Tat in der Mehrzahl aus psychischen Problemsituationen oder Störungen häufig mit kurzen Überlegungszeiten und in einer inneren Einengungs- und Vereinsamungssituation begangen. Diese Menschen kommen in der Palliativmedizin und in der Suizidhilfe naturgemäß nicht zur Beobachtung.

Zu 2.: Die in der Palliativmedizin zu beobachtenden bei progredient lebensbedrohlichen Erkrankungen auftretenden Leidenszustände begründen nicht so sehr Ängste vor dem Sterben, sondern vor dem Leidensverlauf; sie kommen in der Suizidhilfe nur zu einem Teil zur Beobachtung, befinden sich bei schwergradigen Leidenszuständen häufig in palliativmedizinischer Betreuung, wünschen die Möglichkeit einer Leidensverkürzung mit Bereitschaft zum Lebenszeitverzicht und nehmen teilweise die Suizidhilfe schließlich doch nicht in Anspruch.

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Zu 3.: In der Suizidhilfe kommen ausschließlich Menschen zur Beobachtung, die bereits langfristige, oft vieljährige Überlegungen und Planungen aufweisen und die ihre Begründungen selbst für von anderen, fremden Menschen nachvollziehbar einschätzen. Es sind häufig Menschen mit einem eigenständigen Selbstbewusstsein und Selbstanspruch, die sehr wohl überlegen, ob sie sich in die Palliativmedizin begeben – weil sie unterstellen, dort ihre Überlegungen nicht akzeptiert zu sehen. ...

Eine wesentliche weitere Gruppe sind die Hochbetagten mit mehr oder minder gravierenden somatischen Beschwerden, die sich – häufig aus eigenem Miterleben – der Abhängigkeit von Pflege nicht aussetzen wollen. Diese psychischen Störungen und die körperlich beeinträchtigten Hochbetagten kommen in der Palliativmedizin kaum zur Beobachtung.

Wir Ärzte müssen differenzieren und unseren Patienten ihren je eigenen Weg ermöglichen, sei es in der Fürsorge für vielleicht von ihnen nicht gesehene Weiterlebensperspektiven, aber auch im Respekt für ihren Weg, auch wenn sie unsere Hilfsbereitschaft zurückweisen und uns nötigen, diese Kränkung unseres Selbstverständnisses hinzunehmen.

Dr. med. Johann F. Spittler, 45711 Datteln

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