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POLITIK: Medizinreport

Maligne Knochentumoren: Überlebensrate ist in den letzten Jahren gestiegen

Becher, Franziska

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LNSLNS Zehn Prozent der Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen bilden maligne Tumoren des Skelettsystems. Der Altersgipfel dieser Neoplasien liegt zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr; Jungen sind dabei häufiger betroffen als Mädchen. Die beiden häufigsten Tumoren in dieser Altersgruppe sind Osteosarkome und Ewing-Sarkome. Wie Prof. Jürgen Roessner (Universität Magdeburg) während der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Osteologie berichtete, können "neuartige Therapiekonzepte mit großem Erfolg eingesetzt werden".
Die häufigsten bösartigen Tumoren des Skelettsystems zeigen ein sehr gutes Ansprechen auf diese Therapie mit einer Verbesserung der sogenannten Fünfjahresheilung der Patienten von zehn Prozent nach herkömmlichen Therapiekonzepten auf bis zu 70 Prozent unter moderner kombinierter Chemotherapie. Wegen dieser Sonderstellung sei die Erforschung dieser Tumoren auch von hohem allgemeinem medizinischem Interesse, betont Roessner.
In den letzten Jahrzehnten sind die Tumoren des Skelettsystems röntgenmorphologisch, morphologisch und histologisch beschrieben worden. Auch die wesentlichen Eigenschaften maligner Tumoren, eine ungezügelte Proliferation und die Fähigkeit zu Invasion und Metastasierung, lassen sich morphologisch eindrucksvoll belegen. Am Beispiel der Knochentumoren legte der Magdeburger Pathologe die grundlegenden molekulargenetischen Phänomene, Alterationen in Onko- und Tumorsuppressorgenen dar: Demnach gelten insbesondere Alterationen im Tumorsuppressorgen p53 als einer der wichtigsten ätiologischen Faktoren bei humanen Tumoren. Das p53-Gen reguliert den programmierten Zelltod (Apoptose) und stellt einen wichtigen Teil der DNAReparaturmechanismen dar. Gerade in malignen Knochentumoren werden nach Roessner Alterationen des p53-Gens besonders häufig beobachtet. Am wichtigsten seien hierbei die Mutationen in der DNA mit oder ohne Verlust der Heterozygotie.
Insbesondere bei malignen Knochentumoren ließe sich das p53-Protein nachweisen. Dieses sei für die Klassifikation der Tumoren hilfreich. Für die umfassende Diagnostik, betont der Pathologe, "sind aber immer noch der Röntgenbefund und das histologische Bild entscheidend" – auch wenn bei rundzelligen Tumoren die konventionelle Histologie häufig überfordert ist. Heute verfügbare immunhistologische Methoden verbessern die Diagnostik hier erheblich. Darüber hinaus gewinnen auch molekulargenetische Untersuchungen der für zahlreiche für Tumoren spezifischen Chromosomentranslokationen zunehmend an Bedeutung.
Häufig stehen die behandelnden Ärzte vor dem Phänomen, daß hochmaligne Knochentumoren identischer Morphologie unterschiedlich gut auf Chemotherapie ansprechen. Daher sieht Roessner in der Erkennung der Chemoresistenz und ihrer Überwindung ein zentrales Problem bei der Behandlung der Knochentumoren. Zunehmende Bedeutung gewinne hier das Multidrug-Resistance-Protein (MDR). Dieses Gen beziehungsweise das von ihm codierte Protein sei sowohl immunhistologisch als auch molekularbiologisch nachweisbar, so daß die Befunde in die therapeutischen Strategien eingebaut werden können.
Die Therapie von Knochentumoren umfaßt eine Lokalbehandlung, verbunden mit einer systemischen Chemotherapie. Ohne systemische Chemotherapie werden weniger als 20 Prozent der Patienten geheilt. Mit systemischer Chemotherapie konnte die Prognose für Osteosarkom-Patienten auf fast 75 Prozent, für EwingSarkom-Patienten auf etwa 60 Prozent Überlebenswahrscheinlichkeit nach fünf Jahren angehoben werden. Weil die meisten Rückfälle innerhalb von zwei bis drei Jahren nach Erkrankungsbeginn auftreten, können fast alle Patienten, die länger als fünf Jahre nach Diagnosestellung leben, als geheilt angesehen werden.
Die Lokaltherapie muß bei Osteosarkomen immer operativ, bei Ewing-Sarkomen kann sie alternativ operativ oder strahlentherapeutisch sein. Die Strahlentherapie beinhaltet jedoch das Risiko eines Lokalrezidivs und ist daher der operativen Lokaltherapie unterlegen. Die Prognose wird im wesentlichen bestimmt durch die Größe des Tumors zum Zeitpunkt der Diagnose und das Ansprechen auf die Chemotherapie, meßbar an der sichtbaren Rückbildung des Tumors unter anfänglicher Chemotherapie. In den Therapiestudien der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie beispielsweise ist die Behandlung in ihrer Intensität gestaffelt nach dem individuellen Rückfallrisiko des Patienten. Auf diese Weise wird versucht, Hochrisikopatienten mit einer höheren Therapieintensität zu einer besseren Überlebensprognose zu verhelfen und für Patienten mit einem geringen Rückfallrisiko die Belastung der intensiven Therapie auch hinsichtlich von Spätfolgen möglichst gering zu halten. Franziska Becher

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