ArchivRecherche1947/1997 – Bundes­ärzte­kammer im Wandel (VI): Die ärztliche Ausbildung in der Bundesrepublik Deutschland Entwicklungen - Gegenwärtige Lage - Vorstellungen für die Zukunft

THEMEN DER ZEIT: 50 Jahre Bundes­ärzte­kammer

1947/1997 – Bundes­ärzte­kammer im Wandel (VI): Die ärztliche Ausbildung in der Bundesrepublik Deutschland Entwicklungen - Gegenwärtige Lage - Vorstellungen für die Zukunft

Schleicher, Marilene

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LNSLNS 1. Dauerthema "Ärztliche Ausbildung"
Wenn man sich mit der ärztlichen Ausbildung in der Bundesrepublik Deutschland befaßt, hat man es mit einer großen Zahl gesetzlicher Regelungen, einer fast unüberschaubaren Literatur und immerwährenden Diskussionen in Fachkreisen zu tun (1). Fachwelt und zuständige staatliche Stellen sind seit Jahrzehnten immerzu auf der Suche nach einer Ausbildung, die den Entwicklungen in Medizin und Gesellschaft besser gerecht würde als die gerade geltende Ordnung. Heute ist man erneut um eine grundsätzliche Reform bemüht.
Schon zu Zeiten ihrer reichsgesetzlichen Regelung war die ärztliche Ausbildung häufigen Änderungen unterworfen. Das zeigt ein Blick in die amtlichen Verkündungsblätter seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts (2). Auch das medizinische Schrifttum widmete sich in dieser Epoche vielfach Fragen der Ausbildung. Flexner hat in seiner berühmten vergleichenden Studie über die Ausbildung zum Arzt in einigen europäischen Ländern und in Amerika 1924 festgestellt, daß eine kritische Literatur über die ärztliche Ausbildung hauptsächlich in den USA und in Deutschland bestehe. Die deutsche Literatur sei die bei weitem reichlichste, sachdienlichste und gedankenvollste, die Fragen und Probleme unter verschiedensten Aspekten und von jedem nur möglichen Standpunkt behandele (3).


2. Reichsärzteordnung und Bestallungsordnung für Ärzte von 1939
Nachdem sich die Bundesrepublik Deutschland konstituiert hatte, bestanden die Vorschriften der
Reichsärzteordnung von 1935 über die Zulassung zum ärztlichen Beruf und die Bestallungsordnung für Ärzte von 1939 (4) gemäß Art. 123 GG weitgehend fort. Sie waren gemäß Art. 125 GG Bundesrecht geworden, da Art. 74 Nr. 19 GG dem Bund eine konkurrierende Gesetzgebungskompetenz für die Zulassung zu ärztlichen Heilberufen zuweist.


3. Bestallungsordnung für Ärzte von 1953
An die Stelle der Bestallungsordnung von 1939 trat 1953 die Bestallungsordnung für Ärzte vom 15. 9. 1953 (BGBl. I S. 1334). Das alte Bestallungsrecht war wegen der extrem großen Zahl der Veränderungen in den verschiedensten Formen (Erlasse und zum Teil nicht verkündete Rechtsverordnungen) unüberschaubar geworden. Es konnte im übrigen wegen der Nachkriegsverhältnisse, insbesondere des großen Andrangs zum Studium, nicht mehr in allen Teilen durchgeführt werden. Der Medizinische Fakultätentag (MFT), die Ärzteschaft und Studenten hatten sich schon wenige Jahre nach dem Kriege mit Vorschlägen für eine Neuordnung befaßt, auf die der damals zuständige Bundesminister des Innern bei der Vorbereitung zurückgreifen konnte (5).
Auch die wiederholt geänderte Bestallungsordnung von 1953 (6) hatte nicht lange Bestand.


4. Approbationsordnung für Ärzte
4.1 Vorgeschichte


Schon 1970 folgte der Bestallungsordnung die Approbationsordnung für Ärzte (ÄAppO) vom 28. 10. 1970 (BGBl. I S. 1458). Ihrem Erlaß durch den seinerzeit zuständigen Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit (BMJFG) war eine mehrjährige eingehende Vorbereitung unter Mitarbeit der Länder und Beteiligung von Fachkreisen und Betroffenen sowie Auswertung überaus reichlich vorliegender Literatur vorausgegangen. Fachkenner hielten damals die ärztliche Ausbildung in der Bundesrepublik Deutschland für erstarrt in alten Formen und zu weitgehend im Theoretischen verhaftet. Übermaß an Stoffülle und fehlende Effizienz der staatlichen Prüfungen wurden beklagt. Vom Ende der 50er Jahre an setzte sich zunehmend die Forderung nach einer grundlegenden Reform sowohl durch Anpassung der inneren Strukturen der medizinischen Fakultäten als auch durch eine Neuordnung der Ausbildung durch (7).
Der BMJFG berief nach dem Scheitern von zwei auf Änderungen der Bestallungsordnung gerichteten Referentenentwürfen von 1964 und 1965 die "Kleine Kommission zur Neuordnung der ärztlichen Ausbildung" (8). Sie hat von 1966 bis 1969 getagt und eine an den Hauptzielen der Reform ausgerichtete Konzeption für die Eckpunkte einer neu zu ordnenden ärztlichen Ausbildung erarbeitet, die in die 1962 an die Stelle der Reichsärzteordnung getretene Bundesärzteordnung (BÄO) (9) und in die ÄAppO eingegangen ist. Die Neuordnung hat sich - entsprechend der Berechtigung, die die Approbation als Arzt nach der BÄO verleiht - auf die Befähigung zur eigenverantwortlichen und selbständigen Ausübung des ärztlichen Berufs und auf die Vermittlung des für den Arzt allgemein erforderlichen Wissens und Könnens ausgerichtet (10).


4.2. Wesentliche Grundzüge der ÄAppO 1970


Mit dem Ziel der Straffung und Intensivierung beschränkte sich die Ausbildung auf ein sechsjähriges Mindeststudium, in das die praktische Ausbildung (Pflichtpraktika und das in Universitätskliniken und Lehrkrankenhäusern durchzuführende "Praktische Jahr" am Schluß des Studiums) vollständig integriert werden sollte. Als Pflichtunterrichtsveranstaltungen wurden nur noch praktische Übungen und Kurse vorgeschrieben, wobei Leitlinien für die Gestaltung der praktischen Übungen die Bedeutung der praktischen Anschauung, des Kleingruppenunterrichts und der Unterweisung am Patienten betonten.
Schon damals wurde eine verstärkte Fächerintegration mit dem Postulat angestrebt, den Unterricht, soweit zweckmäßig, nicht am einzelnen Fachgebiet, sondern am Lehrgegenstand auszurichten. Um dieses Ziel zu fördern, die Stoffülle zu begrenzen und den medizinischen Fakultäten Spielraum für die Gestaltung der Lehre zu belassen, ist auf eine Festlegung von Mindeststunden für die einzelnen Pflichtunterrichtsveranstaltungen weitgehend verzichtet und nur eine Mindeststundenzahl für den gesamten Pflichtunterricht in einem Studienabschnitt angegeben worden. Mit den gleichen Zielen wurden Stoffgebiete gebildet, in die einzelne Fachgebiete Aufnahme gefunden haben. In Prüfungsstoffkatalogen ist der Prüfungsstoff zur Orientierung von Lehrenden und Lernenden - gegliedert nach Stoffgebieten und stichwortartig - zusammengefaßt. An Krankenpflegedienst und Famulatur (je 2 Monate) wurde festgehalten, ein Nachweis einer Ausbildung in Erster Hilfe neu eingeführt.
Mit dem Ziel größerer Effizienz und Objektivität wurden die staatlichen Prüfungen gänzlich umgestaltet. Auf die Naturwissenschaftliche Vorprüfung wurde verzichtet, die Ärztliche Prüfung in drei Abschnitte aufgeteilt. Ärztliche Vorprüfung, 1. und 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung waren ausschließlich schriftliche Prüfungen. Nur im 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung gab es einen mündlichen und einen schriftlichen Teil. Alle schriftlichen Prüfungen waren nach dem Antwort-Wahl-Verfahren (Vorbereitung und Auswertung durch das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen, IMPP), die mündlichen Prüfungen vor einem Kollegium durchzuführen. Bei dem weitgehenden Verzicht auf mündliche Prüfungen war man davon ausgegangen, daß hinreichende mündliche und praktische Leistungskontrollen bereits im Rahmen der Scheinerteilung für die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme an den Pflichtunterrichtsveranstaltungen stattfinden (11).
Die bundesgesetzlichen Regelungen für die ärztliche Ausbildung entsprachen schon damals den seinerzeit in Vorbereitung befindlichen und 1975 erlassenen EWG-Richtlinien für Ärzte (12).
Bei der Beratung der Verordnung im Bundesrat hat es eine eingehende und kritische Auseinandersetzung mit den auf die Länder zukommenden sehr hohen, seinerzeit nicht voll abschätzbaren Kosten gegeben (13). Die Kostenfrage sollte bis heute ein schwerwiegendes Problem bleiben.


4.3 Kritik - Mängel der ÄAppO 1970 - Schwierigkeiten beim Vollzug der Verordnung -Negative bildungspolitische Einflüsse


Die ÄAppO sieht heute wesentlich anders aus als ihre ursprüngliche Fassung. Änderungsnotwendigkeiten haben sich im Laufe der Zeit immer wieder ergeben. Neben positiven Stimmen wurde grundsätzliche Kritik an der Verordnung schon bald nach ihrem Erlaß laut (14). Mängel der Verordnung wurden erkannt, langandauernde Anlaufschwierigkeiten, bei denen auch Strukturveränderungen an den medizinischen Fakultäten eine Rolle spielten, verzögerten ihre Umsetzung, äußere Einflüsse verhinderten ihren ordnungsgemäßen Vollzug.
Vor allem ließ die seit Mitte der 70er Jahre ständig steigende Zahl der Medizinstudenten eine ordnungsgemäße praktische Ausbildung im Medizinstudium kaum noch zu. Betrug die Zahl der Studienanfänger in der Medizin 1970 noch 5 378 - eine Zahl, die damals von vielen schon als zu hoch empfunden wurde -, so gab es 1980 bereits 11 234, 1985 11 993 und in den Jahren danach jeweils über 12 000. Die Zahl verringerte sich von 1988 an, blieb jedoch mit 10 345 im Jahre 1990 immer noch extrem hoch (15).
Es ist verständlich, daß das auf Grund verfassungsgerichtlicher Rechtsprechung zu Art. 12 GG (16) ergangene Kapazitätsrecht auf viel Kritik, insbesondere bei den medizinischen Fakultäten und der Ärzteschaft, gestoßen ist. Das gilt besonders für die ländereinheitlichen Kapazitätsverordnungen, die die Einzelheiten der Kapazitätsermittlung und der Festsetzung der Höchstzulassungszahlen regeln (17). In der Tat ist fraglich, ob diese Verordnungen und ihre Handhabung den Besonderheiten in der Medizin gerecht werden.
Aber auch die Art der Auswahl der Bewerber um einen Studienplatz in der Medizin hat viele an der Ausbildung Beteiligte und Interessierte besorgt gemacht. Es wird vor allem an der Zweckmäßigkeit der zentralen Durchführung des "Besonderen Auswahlverfahrens" durch die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) und der Eignung des "Tests" zur Auswahl künftiger Medizinstudenten gezweifelt (18). Erst die Einführung der durch ein "Auswahlgespräch" bei den Hochschulen zu ermittelnden Zulassungsquote hat zu einer gewissen Beruhigung geführt (19).
Beklagt werden auch zunehmend negative Auswirkungen auf die Ausbildung durch das Absinken des Stellenwerts der Lehre, fehlende Organisation und Planung an den medizinischen Fakultäten und Überlastung der dort tätigen Hochschullehrer durch ein Übermaß an bürokratischen Aufgaben (20).
So hat sich seit Jahren ein Geflecht von Schwierigkeiten entwickelt, das immer wieder warnende Hinweise und den Ruf nach Verbesserungen und Erneuerungen ausgelöst hat (21).
Durch die ÄAppO können Rahmenbedingungen des Studiums nicht geändert werden. Der Verordnungsgeber mußte aber zur Sicherung der Qualität der ärztlichen Ausbildung unbedingt bemüht sein, erkannte Mängel der Verordnung zu beheben und - soweit möglich - negativen äußeren Einflüssen entgegenzusteuern.


4.4 Entwicklung der ÄAppO zum heutigen Stand


Die ÄAppO gilt heute in der zuletzt durch das Gesetz vom 21. 8. 1995 (BGBl. I S. 1050) geänderten Fassung der Bekanntmachung vom 14. 7. 1987 (BGBl. I S. 1593) (22). Neben zahlreichen technischen Änderungen und Aktualisierungen sind im Laufe der Jahre wesentliche Grundzüge der Verordnung umgestaltet worden.


4.4.1 Ausbildungszieldefinition


Bei Erlaß der ÄAppO hatte der Verordnungsgeber auf die Aufnahme einer Ausbildungszieldefinition verzichtet (23). Die Ärzteschaft hat diese Entscheidung nie gebilligt. Im Jahre 1979, als die Diskussionen um die ärztliche Ausbildung seit Erlaß der ÄAppO einen ersten Höhepunkt erreicht hatten und aus Fachkreisen und von politischer Seite mehrere Reformvorschläge vorgelegt worden waren (24), berief der BMJFG die "Kleine Kommission zu Fragen der Neuordnung der ärztlichen Ausbildung und der künftigen Entwicklung im Bereich des ärztlichen Berufsstandes" (25). Sie verständigte sich - vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen um die Strukturen des ärztlichen Berufs (Ausbildung zum Arzt oder zum Facharzt) - zum Auftakt ihrer Arbeiten auf ein Festhalten an der Einheit des Arztberufs und sprach sich für die Aufnahme einer Ausbildungszielbeschreibung in BÄO und ÄAppO aus (26).
Auch der 82. Deutsche Ärztetag hatte entsprechende Maßnahmen mit der Begründung gefordert, daß ohne solche Vorschriften Hochschullehrer und Studierende nicht auf ein verbindliches Lehrangebot verpflichtet werden könnten (27).
Durch das 4. ÄndG zur BÄO ist 1985 eine kurze Zusammenfassung der Ziele der Ausbildung in die BÄO, durch die 7. ÄndVO 1989 eine ausführliche Ausbildungszieldefinition in die ÄAppO aufgenommen worden. Danach ist die auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgende Ausbildung zum Arzt am Ziel der Befähigung zur eigenverantwortlichen Ausübung des ärztlichen Berufs entsprechend einzeln aufgeführten Anforderungen an den Arzt und daraus resultierenden Ausbildungserfordernissen auszurichten (28).


4.4.2 Arzt im Praktikum


Nach geltendem Recht umfaßt die ärztliche Ausbildung außer dem sechsjährigen Medizinstudium (einschließlich des "Praktischen Jahres" am Schluß) eine 18monatige Tätigkeit als "Arzt im Praktikum". Diese Praxisphase ist 1985 gesetzlich eingeführt, 1986 im einzelnen in der ÄAppO geregelt worden und im Herbst 1988 erstmals angelaufen. Insbesondere die "Kleine Kommission" und der 82. Deutsche Ärztetag hatten empfohlen, zur Sicherung der vor allem durch Massenstudium gefährdeten Qualität der praktischen Ausbildung dem Medizinstudium eine Praxisphase anzufügen (29).
Viele Beteiligte werden sich an die zahlreichen Beratungen, aber auch an die Proteste der Medizinstudenten anläßlich dieses Gesetzesvorhabens erinnern. Schwierige Fragen waren zu lösen (zum Beispiel Status- und Kostenfragen). Es gab auch in diesem Zusammenhang Auseinandersetzungen zur Struktur des ärztlichen Berufs. Alternativvorschläge der Verbände der Allgemeinärzte und der praktischen Ärzte sowie der SPDFraktion im Deutschen Bundestag für eine Pflichtweiterbildung als Voraussetzung für die Zulassung als Kassenarzt (30) waren zu diskutieren. Seinerzeit hat sich aber das Anliegen der Mehrheit der Beteiligten durchgesetzt, für alle Ärzte die bestmögliche Qualifikation zu sichern und die notwendige praktische Ausbildung nicht in eine Weiterbildung zu verlagern. Auch das schwierige Problem einer weitgehend kostenneutralen Bereitstellung von 18 000 Plätzen für Ärzte im Praktikum bis Herbst 1988 konnte dank großer Anstrengungen der Beteiligten rechtzeitig gelöst werden (31).


4.4.3 Gestaltung des Medizinstudiums - Seminare -Stärkere Verzahnung von vorklinischer und klinischer Ausbildung - Pflichtvorlesungen- Senkung der Zahl der Studienanfänger


Im Laufe der Zeit war erkennbar geworden, daß es einer Intensivierung des vorklinischen Unterrichts und einer stärkeren Verzahnung von Vorklinik und Klinik bedürfe, um den Studierenden ein vertieftes Verständnis für medizinische Zusammenhänge, insbesondere auch für die Bezüge zwischen vorklinischem und klinischem Ausbildungsstoff, zu vermitteln. Zu diesen Zwecken sind durch die 7. ÄndVO - dezidierten Vorschlägen des MFT entsprechend - Pflichtseminare in den Kernfächern der Vorklinik (Höchstzahl der teilnehmenden Studierenden - in der Regel - 20) eingeführt worden. Neuen Pflichtunterricht gibt es jetzt in den Praktika "Einführung in die Klinische Medizin (mit Patientenvorstellung)" und "Berufsfelderkundung". Aus den Sollvorschriften für die Gestaltung der praktischen Übungen sind Mußvorschriften mit konkretisierten und wesentlich verschärften Anforderungen geworden. Seit längerem gibt es auch wieder Pflichtvorlesungen (Wiedereinführung durch die 2. ÄndVO 1978). Neben verschiedenen Untersuchungen zur Situation in der ärztlichen Ausbildung und zu bestimmten Parametern der Kapazitätsverordnungen und weiteren einschlägigen Materialien (32) haben die Neuregelungen für die Seminare und praktischen Übungen dazu beigetragen, daß die Kapazitätsverordnungen mit der Folge einer Senkung der Zahl der Studienanfänger in der Medizin ab Wintersemester 1991 um rund 20 Prozent (von 10 354 im Jahr 1990 auf 8 282 im Jahr 1991 - nur alte Länder -) geändert werden konnten (33).


4.4.4 Prüfungswesen


Auch die Vorschriften der ÄAppO von 1970 für die staatlichen Prüfungen hatten sich schon bald als änderungsbedürftig erwiesen. Die Annahme, daß hinreichende mündliche und praktische Leistungskontrollen im Rahmen der Scheinerteilung stattfänden, hatte sich - vor allem wegen der hohen Zahl der Studierenden - nicht bewahrheitet. So war das Übergewicht der schriftlichen, nur auf Überprüfung kognitiven Wissens gerichhteten Prüfungen zu groß, der Anteil mündlicher und praktischer, auf die Darstellung von Zusammenhängen, Beobachtungen und Einstellungen sowie auf praktische Fähigkeiten gerichteten Leistungskontrollen zu klein geworden. Obwohl unter anderem die "Kleine Kommission" und der 82. Deutsche Ärztetag ein ausgewogeneres Prüfungssystem empfohlen hatten (34), zögerte das zuständige Bundesministerium mit einer Neuregelung. Ihm erschien nicht genügend sicher, daß zusätzliche mündliche Prüfungen unter den gegebenen Umständen realisierbar sein würden. Auf Vorschlag des Bundesrates sind in die 5. ÄndVO 1986 einschlägige Regelungen aufgenommen worden. Alle schriftlichen Prüfungen werden nach wie vor bundeseinheitlich nach dem "Antwort-Wahl-Verfahren", alle mündlichen als Kollegialprüfungen durchgeführt. Eine Regelung für die Benotung der Prüfungsleistungen war bereits durch die 4. ÄndVO im Jahre 1983 eingeführt worden. Am Antwort-Wahl-Verfahren ist trotz vieler Vorbehalte - insbesondere auf seiten der Ärzteschaft (35) - festgehalten worden. Diese Prüfungsmethode hat die Vorteile der Ökonomie und absoluter Objektivität. Bei einem mit Prüfungsmethoden in der medizinischen Ausbildung befaßten Symposium im Sommer 1995 konnte festgestellt werden, daß das Multiple-choiceVerfahren als eine auch in der Medizin geeignete und gängige Prüfungsart in vielen Ländern praktiziert wird (36).


4.4.5 Vorgaben für den Inhalt der Ausbildung


Als eine wesentliche Vorgabe enthält die ÄAppO heute die Ausbildungszielbeschreibung. Die Ausbildungsinhalte sind durch Auswahl der Pflichtveranstaltungen, die Regelungen für die Prüfungen und den Inhalt der Prüfungsstoffkataloge von jeher an dem Erfordernis der Vermittlung des für den der Gesundheit des einzelnen und der Allgemeinheit dienenden Arzt allgemein notwendigen Wissens und Könnens ausgerichtet. Im Laufe der Zeit sind die Vorgaben für die Ausbildungsinhalte wiederholt an neuere Entwicklungen in der Medizin angepaßt worden. Im einzelnen kann hierauf im Rahmen dieses Aufsatzes nicht eingegangen werden. Es sei aber beispielhaft die Verankerung allgemeinmedizinischer Inhalte durch die Einführung von Pflichtunterricht in diesem Bereich durch die 2. ÄndVO 1978 erwähnt. Auch die Prüfungsstoffkataloge sind mehrmals aktualisiert worden (durch die 2. und die 7. ÄndVO). Sie erstrecken sich in ihrer jetzigen Fassung zum Beispiel auf "Fragen des Umgangs mit Patienten" sowie "ethische Aspekte ärztlichen Handelns" und sind bewußt auf Bereiche ausgedehnt worden, die gerade in der modernen Medizin eine immer größere Rolle spielen.


5. Deutsche Einheit
Seit Herstellung der deutschen Einheit gelten gemäß Einigungsvertrag die BÄO und die ÄAppO - mit den Übergangsregelungen und Änderungen des Vertrags - auch in den neuen Ländern (37). Das Medizinstudium wird nunmehr an 36 Universitäten grundsätzlich nach der ÄAppO durchgeführt. Alle erfolgreichen Absolventen schließen ihre Ausbildung mit der Tätigkeit als Arzt im Praktikum ab.
Die in der DDR erworbenen ärztlichen Qualifikationen werden nach Maßgabe besonderer Regelungen anerkannt. Das Grundstudium der Studienrichtung Medizin war in vielem dem Medizinstudium nach der ÄAppO ähnlich (38). Sein erfolgreicher Abschluß konnte daher der bestandenen Ärztlichen Prüfung gleichgestellt werden. Für die Anerkennung der in der DDR nach erfolgreichem Medizinstudium erteilten, zum Eintritt in eine obligatorische Weiterbildung zum Facharzt berechtigenden Approbation als Arzt als Approbation im Sinne der BÄO gelten differenzierende Regelungen. Alle Studierenden der Medizin mit Studienbeginn im Beitrittsgebiet 1992 und später werden ausschließlich nach den Vorschriften der ÄAppO ausgebildet. Für Studierende der Medizin, die ein vor dem Beitritt im Beitrittsgebiet aufgenommenes Medizinstudium nachher dort fortsetzen, und für Studienanfänger im Beitrittsgebiet im Jahr 1991 gilt - befristet - für bestimmte Ausbildungsteile insoweit weitergeltendes DDR-Recht, im übrigen die ÄAppO.
Die im Beitrittsgebiet erworbenen ärztlichen Befähigungsnachweise sind durch die Richtlinie 90/658 EWG in die gegenseitige Anerkennung in den Mitgliedstaaten der Gemeinschaft einbezogen worden (39).
Der MFT hatte schon vor Abschluß des Einigungsvertrages Kontakte mit den medizinischen Fakultäten der DDR aufgenommen. Auf dem Ordentlichen Medizinischen Fakultätentag am 15. und 16. 6. 1990 war - vor allem zum intensiven Informationsaustausch - die "Gemeinsame Kommission" gegründet worden, auf deren Tagungen die ÄAppO stets wichtiger Gesprächspunkt war (40).


6. Ausblick - Vorarbeiten für eine Reform
Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ist mit den Vorarbeiten für eine Novelle zur BÄO und eine neue ÄAppO befaßt. Schon 1989 war dort eine "Sachverständigen-Arbeitsgruppe zu Fragen der Neuordnung des Medizinstudiums" berufen worden, die 1993 ihre Arbeiten mit der Vorlage von Reformvorschlägen abgeschlossen hat. Der Bundesrat hatte sowohl bei der 5. als auch bei der 7. ÄndVO die Notwendigkeit einer grundlegenden Neuordnung der ärztlichen Ausbildung betont, wichtige Zielpunkte einer Reform zusammengefaßt und die Einfügung einer Modellversuchsklausel gefordert (41). Der von der Friedrich-BoschStiftung berufene sogenannte "Murrhardter Kreis" hat 1989 sein Werk "Arzt der Zukunft" vorgelegt (42). Im Anschluß an seine Empfehlungen von 1988 hat der Wissenschaftsrat 1992 "Leitlinien zur Reform des Medizinstudiums" verabschiedet. Wiederholt hat sich die Konferenz der für das Gesundheitswesen zuständigen Minister und Senatoren der Länder für eine Neuregelung ausgesprochen, insbesondere eine verstärkte Ausrichtung des Medizinstudiums auf allgemeinmedizinische und für den Hausarzt wichtige Inhalte angemahnt. Auch der Deutsche Ärztetag und die Bundes­ärzte­kammer haben wiederholt grundlegende Veränderungen des Medizinstudiums und der Prüfungen gefordert. An verschiedenen Universitäten (zum Beispiel FU Berlin und Witten-Herdecke) sind - unter Rückgriff auf Reformbemühungen im Ausland (Schweden, Niederlande, USA) - Reformstudiengänge geplant. Sie warten auf die für die Durchführung erforderliche Modellversuchsklausel im Bundesrecht.
Im Rahmen dieses Aufsatzes kann nicht im einzelnen auf die vorliegenden Analysen und Vorstellungen eingegangen werden. Es entspricht der Erfahrung, daß viele der heutigen Forderungen denen gleich oder ähnlich sind, die auch frühere Reformen ausgelöst haben (zum Beispiel
ÄAppO 1970). Folgende wichtige, einer Reihe von Stellungnahmen gemeinsame Postulate lassen sich herauskristallisieren: - Verbesserung des Stellenwerts der Lehre,
- Anpassung der Studienanfängerzahlen an tatsächlich vorhandene Ausbildungsmöglichkeiten (Änderung der Kapazitätsverordnungen durch realistischere Gestaltung der Parameter für die Kapazitätsermittlung),
- sinnvolle Planung und Organisation an den medizinischen Fakultäten, - Ausrichtung der auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgenden Ausbildung an heutigen Erkenntnissen in der Medizin und an Anforderungen, die an den künftigen Arzt gestellt werden,
- Straffung des Medizinstudiums, stärkere Fächerintegration, Patienten- und Problembezogenheit des Unterrichts, Verstärkung des praktischen Unterrichts am Patienten, Einführung neuer Formen für die Pflichtunterrichtsveranstaltungen (zum Beispiel Blockunterricht),
- frühzeitiger Kontakt der Studierenden mit Patienten,
- Aufhebung der Trennung von Vorklinik und Klinik,
- Einführung von Wahlpflichtbereichen,
- Einbeziehung von außeruniversitären Krankenhäusern und anderen geeigneten Einrichtungen in die Ausbildung in möglichst großem Umfang,
- Reduzierung der Zahl der Staatsprüfungen, Verminderung des Anteils der bundeseinheitlichen Prüfungen nach dem Anwort-Wahl-Verfahren,
- Gewährung größerer Freiräume für die medizinischen Fakultäten,
- Einführung einer Modellversuchsklausel.
Die bereits der Fachöffentlichkeit bekannten und derzeit diskutierten Referentenentwürfe des BMG für eine Novelle der BÄO und eine neue ÄAppO vom Dezember 1995 greifen diese Forderungen weitgehend auf, soweit Regelungsmöglichkeiten in den genannten Kodifikationen bestehen.
Die auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgende ärztliche Ausbildung soll auch künftig ein sechsjähriges Medizinstudium (einschließlich "Praktisches Jahr" von 48 Wochen am Schluß) und eine achtzehnmonatige Tätigkeit als Arzt im Praktikum umfassen; die vereinzelt vorgeschlagene Verkürzung des Studiums auf fünf Jahre verbietet sich wegen der zeitlichen Vorgaben des EU-Rechts.
Das Studium soll sich in drei Phasen gliedern (erste und zweite Phase je zweieinhalb Jahre, anschließend "Praktisches Jahr"). Die Trennung von Vorklinik und Klinik soll entfallen. Neben die bisher üblichen Unterrichtsveranstaltungen sollen "gegenstandsbezogene Studiengruppen" und Blockpraktika treten. Der Unterrichtsstoff ist nach Stoffgebieten, fächerübergreifenden Berei-chen, Blockpraktika in bestimmten Fächern und Wahlpflichtbereichen geordnet, wobei die Hochschulen zu einem großen Teil Art und Umfang der einzelnen Unterrichtsveranstaltungen selbst sollen bestimmen können. Der Unterrichtsstoff berücksichtigt verstärkt Inhalte, die besonders für die allgemeinmedizinische und die hausärztliche Kompetenz wichtig sind. Es soll nur noch die in drei Abschnitte aufgeteilte Ärztliche Staatsprüfung mit einem ausgewogenen Verhältnis von schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfungen geben. Für die schriftlichen Prüfungen sind AntwortWahl-Verfahren und Fallstudien, für die mündlichen Kollegialprüfungen vorgesehen.
Auf Grund einer Modellversuchsklausel sollen Hochschulen, die Modellstudiengänge erproben wollen, nach Maßgabe der Verordnung von bestimmten Vorgaben für den Regelstudiengang und die Prüfungen abweichen können. Erforderlich ist die nach Zustimmung der zuständigen Stelle des Landes erteilte Zulassung durch das BMG.
Die Referentenentwürfe werden derzeit im BMG mit Beteiligten beraten. Die Diskussion ist kontrovers. Insbesondere der MFT lehnt den Entwurf für eine neue ÄAppO wegen Undurchführbarkeit der vorgesehenen Regelungen ab. Seine inhaltlichen Verbesserungsvorschläge zu dem vorhergegangenen Diskussionsentwurf seien nicht hinreichend berücksichtigt. Im übrigen bestehe weder begründete Aussicht auf die notwendige Reduzierung der Studentenzahlen, noch sei abzusehen, ob die Länder willens seien, die erforderlichen erheblichen Haushaltsmittel und personellen Ressourcen bereitzustellen. Entsprechende Zusagen müßten aber vor Erlaß der Neuregelung vorliegen (43). Die Bundes­ärzte­kammer vertritt - mit Vorbehalten unter anderem gegen die vorgesehene Beibehaltung der Tätigkeit als Arzt im Praktikum - einen positiveren Standpunkt (44).


7. Ausbildungsqualität - Qualität der Ärzte
Am Beginn dieser Ausführungen ist die Rede von den seit Jahrzehnten anhaltenden Auseinandersetzungen um die ärztliche Ausbildung und der immerwährenden Suche der Fachwelt und der zuständigen staatlichen Stellen nach einer verbesserten Konzeption für diese Ausbildung. Die vorstehenden Darlegungen, insbesondere zur Geschichte der ÄAppO und der neuerlichen Reformbemühungen, mögen dies belegen. Jedenfalls prägt die Kritik an der Ausbildung - sei sie gegen die geltende Ausbildungsordnung, gegen deren Durchführung oder gegen schädliche äußere Einflüsse gerichtet - seit Jahrzehnten ein zutiefst negatives Bild von der ärztlichen Ausbildung in der Bundesrepublik Deutschland.
Merkwürdig ist jedoch, daß unsere ärztliche Versorgung dieses Bild nie widergespiegelt hat und heute wohl durchweg von hoher Qualität ist. Zwangsläufig drängt sich die Frage auf, wie es angeht, daß eine vermeintlich schlechte Ausbildung viele gute Ärzte hervorbringen kann. Man wird sie nicht einfach mit dem Hinweis beantworten können, das Verdienst daran komme einer guten Weiterbildung zu. Auch eine solche setzt solides Grundwissen und -können des Arztes voraus. So wird man fragen müssen, ob die ärztliche Ausbildung tatsächlich so schlecht wie ihr Ruf ist.
Sicherlich wird es zutreffen, daß die praktische Ausbildung im Medizinstudium nicht die gewünschte Intensität und den angestrebten Umfang hat. Bei den bis vor wenigen Jahren noch extrem hohen und auch heute noch nicht den Ausbildungsmöglichkeiten angepaßten Studentenzahlen läßt sich eine umfassende praktische Ausbildung nicht realisieren. Die theoretische Ausbildung ist jedoch weit weniger derartigen Einflüssen ausgesetzt, so daß sich möglicherweise hier der Schlüssel dafür finden läßt, daß das "Endprodukt" der Ausbildung durchweg ein qualifizierter Arzt ist. Wenn die praktische Ausbildung nicht hinreicht, kann dies doch nur daran liegen, daß den Studierenden ein gediegenes, modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechendes Grundwissen vermittelt wird. Eine Kopflastigkeit der theoretischen Ausbildung im Medizinstudium gehört seit Jahrzehnten zu den Hauptpunkten der Kritik der Reformer; die Verlagerung des Schwergewichts auf die praktische Ausbildung wird gefordert. Die Erfahrungen dürften aber die große Bedeutung einer fundierten theoretischen Grundausbildung hinreichend gezeigt haben. Auch in der Zukunft wird man daher auf ein dem hohen Wert der theoretischen Ausbildung angemessenes Verhältnis von Theorie und Praxis im Medizinstudium bedacht sein müssen.
Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Literaturverzeichnis, das bei der Redaktion oder via Internet abgerufen werden kann.
Anschrift der Verfasserin
Marilene Schleicher
Ministerialrätin a. D.
Buchenweg 2
53343 Wachtberg


Bisher sind in dieser Serie erschienen:


Thomas Gerst: Föderal oder zentral? - Der kurze Traum von einer bundeseinheitlichen ärztlichen Selbstverwaltung (Heft 38/1996)


Gerhard Vogt: Arzt im Krankenhaus (Heft 45/1996)


Hedda Heuser-Schreiber: Ärztinnen in Deutschland - Fakten, Beobachtungen, Perspektiven (Heft 1-2/1997)


J. F. Volrad Deneke: Körperschaften und Verbände - streitbare Verwandte (Heft 4/1997)


Klaus-Ditmar Bachmann, Brigitte Heerklotz: Der Wissenschaftliche Beirat der Bundes­ärzte­kammer (Heft 10/1997)

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1.S. auch Wissenschaftsrat, Leitlinien zur Reform des Medizinstudiums, Köln 1992: 10.
2.Kurzübersichten über die Ausbildungsregelungen des Deutschen Reichs bei Rachold, Bestallungsordnung für Ärzte, 11. Aufl. Köln/Berlin 1968: 3 ff.; Wissenschaftsrat a.a.O. S. 7 ff.
3.Abraham Flexner, Die Ausbildung des Mediziners, Berlin 1927: 13 f.
4.Reichsärzteordnung vom 13. 12. 1935 (RGBl. I S. 1433), zuletzt geändert d. d. Gesetz vom 30. 5. 1940 (RGBl. I S. 827); Bestallungsordnung für Ärzte vom 17. 7. 1939 (BGBl. I S. 1273), zuletzt geändert d. d. VO vom 28. 12. 1942 (RGBl. I S. 745).
5.S. auch Rachold a.a.O. S. 8.
6.Zuletzt geändert durch die VO vom 24. 2. 1970 (BGBl. I S. 214).
7.Statt vieler: Vorschläge des 62. Deutschen Ärztetages, ÄM 1959: 965 ff.; Bundes­ärzte­kammer, ÄM 1959: 847 ff.; Wissenschaftsrat, Empfehlungen zur Reform des Medizinstudiums 1966, Abschnitt I Ausbildung zum Arzt, Dt Ärztebl 1966; 63: A-1650, 1655-1658 [Heft 26]; Empfehlungen zur Struktur und zum Ausbau der medizinischen Forschungs- und Ausbildungsstätten, Köln 1968; MFT, Vorschläge zur Reform und Mitarbeit am E. d. ÄAppO s. bei Schirmer, Die neue Approbationsordnung für Ärzte, der Fakultätentag der bundesdeutschen medizinischen Ausbildungsstätten in den Jahren 1967 bis 1973, Diss. Univ. Erlangen-Nürnberg 1978; 38: 3 ff. Denkschrift der Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg zur Neugestaltung des Medizinstudiums, 1958 (Sonderdruck); Sewering, Reform des Medizinstudiums, ÄM 1959: 959 ff.
8.Außer den bet. staatlichen Stellen waren vertreten: Bundes­ärzte­kammer, MFT, Wissenschaftsrat, DKG; Anhörung eines Sachverständigen: Vertreter des National Board of Examiners, USA, zu Fragen des Antwort-Wahl-Verfahrens.
9.Änderung der Bundesärzteordnung vom 2. 10. 1961 (BGBl. I S. 1857) aus Anlaß der Reform durch das Gesetz vom 28. 8. 1969 (BGBl. I S. 1509), (dabei auch Ersetzung des Begriffs "Bestallung" durch "Approbation").
10.S. Daniels/Bulling, Bundesärzteordnung, Kommentar, Neuwied/Berlin 1963, Vorbem. B II; § 14 Abs. 2 Satz 1 ÄAppO.
11.Im übrigen wird auf den Text der VO und die Amtliche Begründung (BR-Drucks. 70/437) verwiesen.
12.S. Richtlinie 93/16 des Rates vom 5. 4. 1993 zur Erleichterung der Freizügigkeit der Ärzte und zur gegenseitigen Anerkennung ihrer Diplome, Prüfungszeugnisse und sonstigen Befähigungsnachweise (ABl. Nr. 165, S. 1); die Richtlinien 75/362/EWG, 75/363/EWG und 86/457/EWG sind in der vorgen. Richtlinie aufgegangen.
13.S. hierzu Bericht über die 356. Sitzung des Bundesrates am 2. 10. 1970: 202 ff.
14.P. Lüth, Die neuen Fächer und die fehlenden Fächer, Dt Ärztebl 1971; 68: A-82-88 [Heft 2]; Simons u. a., Die Probleme aus studentischer Sicht, Dt Ärztebl 1974; 71: A-1674-1675 [Heft 23]; Quadbeck, Die Approbationsordnung für Ärzte - Eine Verbesserung der ärztlichen Ausbildung?, Ärztebl. Ba.-Württ. 1975: 5 ff.; Schipperges, Die Approbationsordnung für Ärzte - Erfahrungen mit der neuen Approbationsordnung, Ärztebl. Bad.-Württ. 1975: 41 ff.; W. Bachmann, Die Approbationsordnung für Ärzte - ein Schuhlöffel für Systemveränderer?, Sonderdruck aus dem Ärztebl. Ba.-Württ. 1975 Heft 5.
15.S. Wissenschaftsrat, Leitlinien zur Reform des Medizinstudiums, Köln 1992: 13, Übersicht 1 S. 14, Zahlen der Studienanfänger in der Medizin im intern. Vergleich S. 25, Übersicht 5, 26.
16.Nach dieser Rechtsprechung darf der Hochschulzugang nur durch gesetzliche Regelungen und nur unter erschöpfender Nutzung der vorhandenen, mit öffentlichen Mitteln geschaffenen Ausbildungsmöglichkeiten und bei Auswahl und Verteilung nach sachgerechten Kriterien mit einer Chance für jeden an sich hochschulberechtigten Bewerber eingeschränkt werden (BVerfGE 33, 303 ff.); s. dazu Stern-Tettinger, Normative Gestaltungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Qualität der medizinischen Ausbildung, Studien zum öffentlichen Recht und zur Verwaltungslehre Bd. 38, München 1981: 11 ff. und die dort. weit. Nachweise.
17.MFT, Beschlüsse etc. zur KapVO in "Zusammenstellung der Beschlüsse, Empfehlungen und Vorschläge des Plenums und des Vorstandes des MFT von 1970 bis 1979" und "Medizinischer Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland 1981 bis 1991"; Beschluß des Ord. Med. Fakultätentages 1994; Entschließungen des 86. Deutschen Ärztetages, Dt Ärztebl 1983; 80: A-49 u. 50 [Heft 21]; Roemer, Konsequenzen, Dt Ärztebl 1979; 76: A-1487 [Heft 22]; Ärzteschaft fordert: Medizinstudium den Realitäten anpassen!, Dt Ärztebl 1982; 79: A-21 [Heft 15]; Wissenschaftsrat, Verbesserung der Ausbildungsqualität in der Medizin (1988) in "Empfehlungen und Stellungnahmen des Wissenschaftsrats 1988", Köln 1989: 263-288.
18.W. Bachmann, Wer eignet sich fürs Medizinstudium?, Dt Ärztebl 1978; 75: A-2932-2934 [Heft 48]; Bericht der Redaktion, Medizinische Ausbildung von Ärzteschaft kritisiert, GU 1978: 281; Sewering, Der Deutsche Ärztetag und die Ausbildung zum Arzt, Bayer Ärztebl 1979: 491; Hoppe, Ausbildung zum Arzt, Dt Ärztebl 1979; 76: A-1515-1527 [Heft 22].
19.Für die Ermittlung und Festsetzung der Studienplatzkapazitäten und das zentrale Verteilungsverfahren gelten jetzt: §§ 27 bis 35 HRG i. d. F. d. Bek. vom 9. 4. 1987 (BGBl. I S. 1170), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 15. 12. 1992 (BGBl. I S. 2806), der Staatsvertrag der Länder über die Vergabe von Studienplätzen vom 12. 3. 1992 (Gesetzbl. Ba.-Württ. 1993 S. 201), die Kapazitäts- und Vergabeverordnungen der Länder. S. zum "Besonderen Auswahlverfahren" den Bericht der Bundesregierung über die Erfahrungen mit den Auswahlgesprächen in den med. Studiengängen vom 2. 7. 1990, BT-Drucks. 11/532.
20.S. hierzu Wissenschaftsrat, Leitlinien zur Reform des Medizinstudiums, Köln 1992: S. 56 ff.; Clade, Hochschulmedizin vor großer Herausforderung, Bericht über Diskussionen beim 99. Deutschen Ärztetag, Dt Ärztebl 1996; 93: A-1680-1684 [Heft 25].
21.Z. B. Entschließungen des 80., 82., 84. und 96. Deutschen Ärztetages, Dt Ärztebl 1977; 74: A-1457-1458 [Heft 22], 1979; 76; A-1480-1494 [Heft 22], 1981; 78: A-1187 [Heft 24], 1993; 90: A-1525 [Heft 20]; MFT, Beschluß zur TOP 10 b des Ord. Med. Fakultätentages am 7./8. 6. 1985, Beschluß zu TOP II.2 des Ord. Med. Fakultätentages am 19./20. 6. 1987; Wissenschaftsrat, Empfehlungen zu Aufgaben, Organisation und Ausbau der medizinischen Forschungs- und Ausbildungsstätten, Köln 1976: 19 ff., Stellungnahme zu Fragen der ärztlichen Ausbildung, Köln 1982, Empfehlungen zur Verbesserung der Ausbildungsqualität in der Medizin 1988, Köln 1989, Leitlinien zur Reform des Medizinstudiums, Köln 1992; Bochnik u. a., Massenstudium programmiert Patientengefährdung, Dt Ärztebl 1981; 78: A-1242-1244 [Heft 25]; Grundmann u. a., Denkschrift "Die Ausbildung zum Arzt in der Bundesrepublik Deutschland", Gerlingen 1982; Bericht der Redaktion, Thesen des Marburger Bundes für eine Reform der Ausbildung, Der Arzt im Krankenhaus 1981: 26; Kossow, Denkschrift zur Entwicklung der Zahl der Medizinstudenten und Ärzte sowie zur Diskussion über die ärztliche Aus- und Weiterbildung, Der praktische Arzt, Sonderdruck 1979 zu den Heften 10 und 11; Hoppe, Ausbildung zum Arzt, Dt Ärztebl 1979; 76: A-1515-1527 [Heft 22]; derselbe, Neuordnung der Ausbildung - Wie soll es weitergehen?, Dt Ärztebl 1980; 77: A-431-435 [Heft 8]; Gesetzentwurf der CDU/CSU zur Änderung der Bundesärzteordnung, BT-Drucks. 8/2329; Empfehlungen der Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen vom 1. 10. 1978, Dt Ärztebl 1978; 75: A-2393 [Heft 42]; Denkschrift des Bundesvorstandes der AG der Sozialdemokraten im Gesundheitswesen "Die Ausbildung zum Arzt", Bonn 1979.
22.ÄndVO vom 21. 5. 1975 (BGBl. I S. 1257) nach vorheriger Änderung der BÄO durch das Gesetz vom 26. 3. 1975 (BGBl. I S. 773); 2. ÄndVO vom 24. 2. 1978 (BGBl. I S. 312) nach vorheriger Änderung der BÄO durch das Gesetz vom 16. 8. 1977 (BGBl. I S. 1581); 3. ÄndVO vom 15. 7. 1981 (BGBl. I S. 660); 4. ÄndVO vom 19. 12. 1983 (BGBl. I S. 1482); 5. ÄndVO vom 15. 12. 1986 (BGBl. I S. 2457) nach vorheriger Änderung der BÄO durch das Gesetz vom 14. 3. 1985 (BGBl. I S. 555); VO zur Änderung der Vorschriften über die ärztliche Approbation vom 28. 5. 1987 (BGBl. I S. 1349); Art. 47 und 48 des GRG vom 20. 12. 1988 (BGBl. I S. 2477); 7. ÄndVO vom 21. 12. 1989 (BGBl. I S. 2549), Anlage 1 Kapitel X Sachgebiet D Abschnitt II Nr. 3 des Einigungsvertrages vom 31. 8. 1990 i. V. m. Art. 1 des Gesetzes vom 23. 9. 1990 (BGBl. II; S. 885, 1077); Art. 2 des Gesetzes vom 21. 8. 1995 (BGBl. I S. 1050).
23.S. hierzu Amtliche Begründung, BR-Drucks. 70/437: 26.
24.S. hierzu FN 21.
25.Der Kommission gehörten an: Vertreter der zust. staatl. Stellen, von Ärzteorganisationen und -verbänden, des MFT, des Wissenschaftsrates, der AWMF, der DKG, der WRK, der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der GKV, der ÖTV sowie Studenten.
26.S. Bericht des BMJFG vom 17. 10. 1978 - 315-4331-4/20 - über die Arbeit der "Kleinen Kommission" im Beratungszeitraum vom 20. 2. bis 18. 9. 1979.
27.S. Dt Ärztebl 1979; 76: A-1480-1494 [Heft 22]; Hoppe u. a., Ausbildungsziel "Arzt", Dt Ärztebl 1979; 76: A-95-100 [Heft 2]; Hoppe, Ausbildung zum Arzt, Dt Ärztebl 1979; 76: A-1515-1527 [Heft 22].
28.§ 1 Abs. 1 ÄAppO: Die Ausbildung zum Arzt wird auf wissenschaftlicher Grundlage und praxis- und patientenbezogen durchgeführt. Sie hat zum Ziel, - die grundlegenden medizinischen, fächerübergreifenden und methodischen Kenntnisse, - die praktischen Fertigkeiten und psychischen Fähigkeiten, - die geistigen und ethischen Grundlagen der Medizin und - eine dem einzelnen und der Allgemeinheit verpflichtete ärztliche Einstellung zu vermitteln, deren es bedarf, um in Prävention, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Gesundheitsstörungen unter Berücksichtigung der psychischen und sozialen Lage des Patienten und der Entwicklung in Wissenschaft, Umwelt und Gesellschaft eigenverantwortlich und selbständig handeln zu können. Sie vermittelt die Fähigkeit zur Weiterbildung und fördert die Bereitschaft zu ständiger Fortbildung und zur Zusammenarbeit mit anderen Ärzten und mit Angehörigen anderer Berufe des Gesundheitswesens.
29.S. FN 26 und 27.
30.S. von der SPD-Fraktion des Deutschen Bundestages eingebrachten Entwurf eines Hausärzte-Weiterbildungsgesetzes, BT-Drucks. 10/1755.
31.Zum Fragenkomplex s. auch die Amtlichen Begründungen zum Entwurf eines Vierten Gesetzes zur Änderung der BÄO und zur 5. ÄndVO zur ÄAppO, BT-Drucks. 10/1963 und BR-Drucks. 372/86; Beschlußempfehlung des BT-Ausschusses JFG vom 7. 12. 1984, BT-Drucks. 10/2586; Beschluß des Bundesrates zur 5. ÄndVO vom 7. 11. 1986, BR-Drucks. 372/86 - Beschluß -; Berichte der Bundesregierung über die Realisierung der Tätigkeit als Arzt im Praktikum vom 21. 12. 1989 und 16. 10. 1991, BT-Drucks. 11/6149 und 12/1316; Jachertz, Der Arzt im Praktikum kommt, Dt Ärztebl 1985; 82: A-469-471 [Heft 8]; J. Berger, Der Arzt im Praktikum, ZIR 1988: 441.
32.Wissenschaftsrat, Empfehlungen von 1988, s. FN 21; von der ZVS in Auftrag gegebene Gutachten: Institut for functionsanalyse og hospitalprojectering, Überprüfung der Parameter der Kapazitätsverordnung zur Ermittlung der patientenbezogenen Aufnahmekapazität im stationären und ambulanten Bereich, Kopenhagen/ Hamburg 1987, und IFH-Institut für Funktionsanalyse im Gesundheitswesen GmbH, Überprüfung der stationären und ambulanten Krankenversorgungsparameter zur Ermittlung der personalbezogenen Aufnahmekapazität von Hochschulkliniken, Hamburg/Kopenhagen 1988; vom BMJFG in Auftrag gegeben: Infratest, Untersuchung über die Anforderungen an eine ordnungsgemäße ärztliche Ausbildung und über die tatsächliche Situation in der ärztlichen Ausbildung, München 1987
33.Wissenschaftsrat, Leitlinien zur Reform des Medizinstudiums, Köln 1992: 24.
34.S. FN 21 und 26.
35.S. Entschließung des 94. Deutschen Ärztetages, Dt Ärztebl 1991; 88: A-1963 [Heft 22].
36.S. Boelcke u. a., "Prüfungsmethoden in der medizinischen Ausbildung und der Einfluß von Prüfungen auf Lehre und Lernen", Intern. Symposium in Mainz 29./30. 6. 1995, IMPP Mainz 1995; Nachricht "Multiple-Choice-Tests international bewährt", Dt Ärztebl 1995; 92: A-1979 [Heft 28/29].
37.Art. 8 und Anlage I Sachgebiet D Abschn. II Nr. 1 u. 3 des Einigungsvertrages vom 31. 8. 1990 i. V. m. Art. 1 des Gesetzes vom 23. 9. 1990 (BGBl. II S. 885, 1075-1078); s. auch D. Schirmer, Die Bedeutung des Einigungsvertrages für den Arzt, Dt Ärztebl 1990; 87: A-2966-2972 [Heft 40].
38.Wissenschaftsrat, Leitlinien zur Reform des Medizinstudiums, Köln 1992, 9 f.
39.Richtlinie des Rates vom 4. 12. 1990 über die aufgrund der Herstellung der deutschen Einheit vorzunehmenden Anpassungen bestimmter Richtlinien über die Anerkennung der beruflichen Qualifikationen (ABl. 1990 Nr. L 353 S. 73).
40.MFT, Gemeinsame Kommission, Dokumentation.
41.BR-Drucks. 372/86 (Beschluß) und 632/89 (Beschluß).
42.Murrhardter Kreis, Das Arztbild der Zukunft, Beiträge zur Gesundheitsökonomie 26, 3. Aufl., Robert-Bosch-Stiftung, Gerlingen 1995.
43.Resolution des Außerord. Med. Fakultätentages am 12. 2. 1996 zur Neufassung der Approbationsordnung für Ärzte (Stand Dezember 1995).
44.Clade, Medizinstudium - Kein Aufschub, Dt Ärztebl 1996; 93: A-853 [Heft 14].

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