ArchivRechercheArbeitslosigkeit, soziale Unterstützung und gesundheitliche Beschwerden

MEDIZIN: Originalarbeit

Arbeitslosigkeit, soziale Unterstützung und gesundheitliche Beschwerden

Ergebnisse aus der GEDA-Studie 2009

Unemployment, Social Support and Health Problems—Results of the GEDA Study in Germany, 2009

Kroll, Lars E.; Lampert, Thomas

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Hintergrund: Es ist dokumentiert, dass Arbeitslose im Vergleich zu Erwerbstätigen häufiger von Gesundheitsproblemen betroffen sind, und soziale Unterstützung die Bewältigung von Arbeitslosigkeitserfahrungen erleichtert. Auf Basis repräsentativer Daten für Deutschland wird der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit, sozialer Unterstützung und Gesundheit beschrieben.

Methode: Die Studie „Gesundheit in Deutschland Aktuell“ wurde in den Jahren 2008/09 vom Robert Koch-Institut durchgeführt. Für die vorliegenden Analysen wurden die Angaben der 30- bis 59-jährigen Teilnehmer (n = 12 022) herangezogen. Die Gesundheitsindikatoren stammen aus dem „4-item Healthy Days Core Module“ der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), soziale Unterstützung wurde mit der „Oslo-3-item-Social-Support-Scale“ gemessen. Es werden Ergebnisse zu Einschränkungen in drei Bereichen (physisch, emotional, funktional) berichtet und multivariat abgesichert.

Ergebnisse: Arbeitslose zwischen 30 und 59 Jahren sind häufiger von physischen, emotionalen und funktionalen Einschränkungen betroffen. Männer und Frauen, die gering sozial unterstützt werden, weisen unabhängig von ihrem Erwerbsstatus häufiger Einschränkungen in den drei Bereichen auf. In den Regressionsmodellen hatten Arbeitslosigkeit und soziale Unterstützung – nach Adjustierung für Alter, Bildung und Einkommen – signifikante Effekte auf Auftreten (ORarbeitslos = 1,2–1,7; ORunterstützt = 0,4–0,9) und Dauer der Einschränkungen (IRRarbeitslos = 1,3–1,8; IRRunterstützt = 0,6–0,8).

Schlussfolgerung: Arbeitslosigkeit erscheint auf Basis der Ergebnisse als ein Gesundheitsrisiko, das in der ärztlichen Praxis nicht unterschätzt werden sollte. Angesichts der möglichen gesundheitsförderlichen Bedeutung sozialer Unterstützung könnten Ärzte die Betroffenen ermutigen, sich verstärkt in außerberuflichen Netzwerken zu engagieren.

LNSLNS

Die gesundheitlichen Folgen der Arbeitslosigkeit sind ein zentrales Thema von Medizinsoziologie, Gesundheitspsychologie sowie Sozialmedizin und werden von der Gesundheitsberichterstattung des Bundes und der Länder regelmäßig thematisiert. Viele Studien haben deutlich gemacht, dass arbeitslose Männer und Frauen im Vergleich zu Erwerbstätigen vermehrt von Gesundheitsproblemen betroffen sind und häufiger gesundheitsriskante Verhaltensweisen zeigen (14). Aus Perspektive der Versorgungsforschung rückt zudem der erhöhte medizinische und psychotherapeutische Versorgungsbedarf arbeitsloser Männer und Frauen ins Blickfeld. So nehmen Arbeitslose Gesundheitsdienstleistungen häufiger in Anspruch, sind vermehrt von Schlafstörungen, depressiven Störungen, Angsterkrankungen, Suchtmittelkonsum betroffen und begehen auch häufiger suizidale Handlungen (5, 6).

Gesundheitliche Konsequenzen von Arbeitslosigkeitserfahrungen machen sich an psychosozialen Belastungen aufgrund von Einkommensverlusten, Verlusten von arbeitsplatzgebundenen Sozialkontakten oder sozialem Prestige fest (712). Sozialen Ressourcen kommt bei der individuellen Bewältigung (Coping) der Arbeitslosigkeit eine besondere Bedeutung zu, so wird ein Arbeitsplatzverlust von den Betroffenen erfolgreicher bewältigt, wenn diese durch ihr Netzwerk sozial unterstützt werden und sich nicht allein gelassen fühlen (2, 13, 14). Der vorliegende Beitrag beschreibt den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit, sozialer Unterstützung und physischen, emotionalen und funktionalen Beschwerden in der deutschen Erwerbsbevölkerung (Personen im erwerbsfähigen Alter, die entweder erwerbstätig oder arbeitslos sind) auf Basis repräsentativer Daten für das Jahr 2009. Für Deutschland fehlen bisher repräsentative Analysen zur Assoziation von Arbeitslosigkeit, sozialer Unterstützung und Gesundheit, bei denen sowohl die Auftretenswahrscheinlichkeit von Beeinträchtigungen in verschiedenen Bereichen als auch deren Dauer untersucht werden.

Methode

Zur Analyse des Zusammenhangs von Arbeitslosigkeitserfahrungen und gesundheitlichen Beschwerden wurden Daten der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA) 2009 verwendet (Tabelle 1 gif ppt). Es handelt sich dabei um eine telefonische Befragung, die zwischen Juli 2008 und Juni 2009 im Rahmen des Gesundheitsmonitorings vom Robert Koch-Institut durchgeführt wurde (15, 16). Die Stichprobenbasis stellt eine nach dem Gabler-Häder-Verfahren gezogene Zufallsstichprobe von Telefonnummern dar. Die Nummern werden auf Basis von vorhandenen Einträgen im Telefonbuch zufällig generiert, dabei können auch nicht eingetragene Telefonnummern in die Stichprobe gelangen. Die Grundgesamtheit der Studie bilden alle in Privathaushalten lebenden Erwachsenen, die über einen Festnetzanschluss verfügen. Die Themen der Erhebung gliedern sich in einen Kernbereich, der auch in künftigen Befragungen konstant bleiben soll, sowie in einen flexiblen Themenbereich, in den aktuelle Fragestellungen oder Themen einbezogen werden. Insgesamt wurden in der Studie 21 262 Personen befragt. Die Responserate, also das Verhältnis zwischen den abgeschlossenen Interviews und der Gesamtzahl der kontaktierten Personen aus der Grundgesamtheit („response rate 3“, American Association for Public Opinion Research [AAPOR]), beträgt 29,1 Prozent (e5). Für die nachfolgenden Analysen wurden Angaben der Befragten zu ihrem Erwerbsstatus, aus dem „4-item healthy days core module“ der CDC (17), zur wahrgenommenen sozialen Unterstützung (18), zu ihrer schulischen und beruflichen Bildung (19) sowie zum Haushaltsnettoeinkommen verwendet. Die Analysen berücksichtigen nur Studienteilnehmer, die zum Befragungszeitpunkt zwischen 30 und 59 Jahre alt waren (n = 12 022). Bei Personen in diesem Alter kann man davon ausgehen, dass sie ihre schulische und berufliche Ausbildung bereits abgeschlossen haben, aber noch nicht am Übergang in den Ruhestand sind (e1).

Die Angaben zum Erwerbsstatus beziehen sich auf die subjektive Einschätzung der aktuellen Situation. Zuerst werden die Teilnehmer gefragt, ob sie aktuell erwerbstätig sind (n = 9 903). Befragte die dies verneinen werden anschließend gefragt, ob sie aktuell arbeitslos sind (n = 484). Eine Meldung bei der Agentur für Arbeit ist für die Klassifikation „arbeitslos“ somit nicht erforderlich. Nichterwerbspersonen (n = 1 635) wurden in den vorliegenden Analysen nicht berücksichtigt. Diese Operationalisierung von Arbeitslosigkeit lehnt sich an die Konzeption von Erwerbslosigkeit der International Labour Organization (ILO) an (e1).

Als abhängige Merkmale wurden drei globale Indikatoren aus dem Bereich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität verwendet. Die drei Indikatoren entstammen dem „4-item healthy days core module“ (HRQOL-4) der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) (17). Die Fragen wurden in deutsch übersetzt. Es wird nach Tagen mit körperlichen Beschwerden (aufgrund von Krankheiten oder Unfällen), seelischen Problemen (Stress, Depressionen, Stimmung allgemein) und nach funktionalen Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten (sich selbst versorgen, arbeiten gehen, sich erholen) gefragt. Nachfolgend wird jeweils die Anzahl der Tage mit entsprechenden Einschränkungen im letzten Monat berichtet.

Der Indikator soziale Unterstützung basiert auf der Oslo-3-Social-Support-Scale, eines in Europa gebräuchlichen Inventars zur Messung wahrgenommener sozialer Unterstützung (18, 20). Den Befragten werden dazu drei Fragen zur Anzahl enger Freunde, zur Anteilnahme anderer Personen an ihrem Leben und zur Verfügbarkeit von Hilfeleistungen in der eigenen Nachbarschaft gestellt. Aus den Antworten wird im Einklang mit den Vorgaben des Instrumentes ein additiver Punktsummenscore (3 bis 14 Punkte) gebildet und den Kategorien gering (3 bis 8), mittel (9 bis 11) und hoch (12 bis 14) zugeordnet.

Als Kontrollvariablen wurden das Alter, die Bildung und das Äquivalenzeinkommen der Befragten herangezogen. Die schulisch-beruflichen Bildungsabschlüsse der Befragten kategorisierten die Autoren anhand des international gebräuchlichen CASMIN-Indikators. Ihre Selbstangaben zum Nettoeinkommen ihres Haushalts wurden nach der neuen OECD-Formel für die Haushaltsgröße adjustiert, dies entspricht dem üblichen Vorgehen in der Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung (e4). Fehlende Einkommensangaben der Befragten (n = 2 797) wurden anhand regionalstatistischer Informationen aus der Datenbank INKAR 2007 sowie anhand ihrer Selbstangaben zu Haushaltsgröße, Bildung und Alter (n = 2 654) in einem Multi-Level-Modell statistisch geschätzt. In den nachfolgenden Analysen stellen die Verfasser zunächst deskriptiv die Verteilung der drei abhängigen Merkmale differenziert nach Geschlecht dar und analysieren anschließend multivariat anhand eines Regressionsmodells für Zähldaten („zero-inflated negative binomial regression“) (21). Die Analysen wurden mit dem Programm Stata in der Version 10.1 durchgeführt (22).

Ergebnisse

In Grafik 1 (gif ppt) ist die mittlere Anzahl von Tagen mit körperlichen, emotionalen oder funktionalen Beschwerden differenziert nach Alter und Geschlecht dargestellt. Bei Männern und Frauen nimmt die Anzahl von Tagen mit körperlichen und funktionalen Beschwerden mit dem Alter zu, während bei emotionalen Beschwerden ein geringerer Anstieg zu verzeichnen ist. Die Anzahl der Tage mit Beeinträchtigungen ist bei Männern in allen untersuchten Altersgruppen geringer als bei Frauen. Im Durchschnitt hatten 30- bis 59-jährige Männer an 6,6 Tagen körperliche oder emotionale Beschwerden in den letzten 30 Tagen, während es bei Frauen derselben Altersgruppe 8,6 Tage waren. Die befragten Männer und Frauen waren nur an 2,8 beziehungsweise 3,1 Tagen funktional durch die eigene Gesundheit in ihrer Alltagsgestaltung beeinträchtigt.

In Grafik 2 (gif ppt) ist die Anzahl von Tagen mit Beschwerden für Gruppen nach Erwerbsstatus und Geschlecht differenziert. Erwerbstätige sind demnach deutlich seltener von körperlichen, emotionalen oder funktionalen Beschwerden betroffen als die Vergleichsgruppe der arbeitslosen Männer und Frauen. Die Unterschiede zwischen Erwerbstätigen und Arbeitslosen sind dabei bei Frauen größer als bei Männern. Besonders ausgeprägte Unterschiede zeigten sich bei Männern hinsichtlich der Tage mit funktionalen Beeinträchtigungen (2,8 Tage) und bei Frauen hinsichtlich emotionaler Beschwerden (4,2 Tage).

In Grafik 3 (gif ppt) wird zusätzlich für das Ausmaß sozialer Unterstützung differenziert, das die Befragten in ihrem Umfeld wahrnehmen. Insgesamt erreichen 71 beziehungsweise 65 Prozent der arbeitslosen Männer und Frauen, aber jeweils 86 Prozent der Erwerbstätigen mittlere oder hohe Werte auf der Skala zur sozialen Unterstützung. Im Vergleich zu Arbeitslosen oder Erwerbstätigen, die nur in geringem Maße sozial unterstützt werden, stellt sich die sozial unterstützte Gruppe hinsichtlich der drei Formen von Beeinträchtigungen deutlich besser dar. Erwerbstätige mit geringer sozialer Unterstützung berichten im Mittel von 3,5 Tagen mit körperlichen oder emotionalen Beschwerden, solche mit mittlerer oder hoher Unterstützung nur von 2 Tagen. Bei Arbeitslosen betragen die entsprechenden Werte 6,2 beziehungsweise 4,4 Tage. Besonders häufig sind körperliche und emotionale Beschwerden bei arbeitslosen Frauen mit geringer sozialer Unterstützung zu beobachten (9,6 beziehungsweise 11,6 Tage).

In Tabelle 2 (gif ppt) werden die Ergebnisse eines Regressionsmodells für Zähldaten (negatives Binomialmodell, Zero-inflated [e2]) dargestellt. Untersucht wird der Einfluss von Arbeitslosigkeit und sozialer Unterstützung auf die Länge der jeweiligen Beeinträchtigungen (Incidence Rate Ratio, IRR) und die Chance ihres Nichtauftretens (Odds Ratio, OR). Die Effekte wurden für Unterschiede zwischen den Befragten hinsichtlich Alter, Bildung und bedarfsgewichtetem Haushaltseinkommen kontrolliert.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Chance, in den letzten 30 Tagen keine Beschwerden erlebt zu haben, bei arbeitslosen Männern und Frauen verringert ist, während sie bei sozial unterstützten Befragten deutlich höher ist als bei Personen, die nur wenig Unterstützung wahrnehmen. Beim Vergleich von arbeitslosen und erwerbstätigen Männern und Frauen sind nur die Differenzen hinsichtlich der funktionalen Beeinträchtigungen statistisch signifikant, während sich der Einfluss sozialer Unterstützung – mit Ausnahme der körperlichen Beschwerden bei Männern – durchweg als signifikant erweist.

Die Länge der Beeinträchtigungen im letzten Monat ist unabhängig von ihrer allgemeinen Auftretenswahrscheinlichkeit mit dem Erwerbsstatus und der Wahrnehmung sozialer Unterstützung assoziiert. Der Zusammenhang mit der Dauer der Beschwerden ist bei Frauen für Erwerbsstatus und soziale Unterstützung hinsichtlich aller drei Formen von Beschwerden signifikant, bei Männern ist allein der Effekt der sozialen Unterstützung auf die Länge funktionaler Einschränkungen nicht statistisch signifikant.

Diskussion

Die dargestellten Ergebnisse machen deutlich, dass Arbeitslosigkeit in Deutschland bei Männern und Frauen mit einer schlechteren physischen, psychischen und funktionalen Gesundheit assoziiert ist. Arbeitslose Männer und Frauen leiden auch nach Berücksichtigung ihres Alters, ihrer materiellen Lage und ihrer Qualifikation im Durchschnitt länger unter entsprechenden Beschwerden als Erwerbstätige. Wenn Arbeitslose und Erwerbstätige auf ein unterstützendes soziales Netzwerk zurückgreifen können, geht dies mit einem verringerten Risiko und einer kürzeren Dauer der Beschwerden einher.

Es wurde bereits mehrfach dokumentiert, dass man die gesundheitlichen Folgen von Arbeitslosigkeit durch soziale Unterstützung abpuffern kann (13, 14). Im Einklang mit der internationalen Literatur beschreiben die vorliegenden Ergebnisse erstmals auch für Deutschland auf Basis repräsentativer Daten einen entsprechenden Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit, sozialer Unterstützung und verschiedenen Gesundheitsdimensionen. Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass die Assoziation für die Dauer der Beschwerden stärker ist als beim Risiko ihres Auftretens.

Limitationen der vorliegenden Untersuchung ergeben sich durch die Verwendung von querschnittlichen Daten, die keine kausalen Schlüsse ermöglichen. Die Verknüpfung zwischen Arbeitslosigkeitserfahrungen und Gesundheit ist dabei wechselseitig; Gesundheit und Gesundheitsverhalten können sowohl die Ursache als auch die Folge von Arbeitslosigkeit sein (23, 24). Ein Teil der beobachteten Assoziation zwischen Arbeitslosigkeit und gesundheitlichen Beeinträchtigungen muss folglich auf eine negative gesundheitsbedingte Selektion der Arbeitslosen zurückgeführt werden. In der GEDA-Studie 2009 wurden die Befragten allerdings auch nach ihrer Einschätzung zu den Gründen und Folgen der Arbeitslosigkeit gefragt. Dabei gaben 17 Prozent der Arbeitslosen an, dass sich ihre Gesundheit in Folge der Arbeitslosigkeit verschlechtert habe, demgegenüber sahen 18 Prozent der Arbeitslosen gesundheitliche Probleme als die eigentliche Ursache für ihren Arbeitsplatzverlust an. In weiterführenden Untersuchungen sollte man zudem auch Zusammenhänge zwischen der Dauer der aktuellen Arbeitslosigkeit, der Verfügbarkeit sozialer Unterstützung und der Gesundheit der Betroffenen vertiefend betrachten. Dies ist auf Basis der aktuellen GEDA-Welle noch nicht möglich. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zudem zu berücksichtigen, dass es sich bei den verwendeten Gesundheitsindikatoren um Selbstangaben handelt, in Kohortenstudien konnten allerdings bereits Zusammenhänge zwischen Arbeitsplatzunsicherheit und physiologischen Parametern wie Blutdruck, Cholesterinspiegel und Body-Mass-Index hergestellt werden (e3).

Zusammengenommen erscheint Arbeitslosigkeit auch auf Basis der vorliegenden Befunde mit verschiedenen gesundheitlichen Beschwerden assoziiert und sollte in der ärztlichen Praxis nicht unterschätzt werden. Angesichts der vielfach dokumentierten gesundheitsförderlichen Wirkung sozialer Unterstützung sollten Ärzte die Betroffenen ermutigen, sich nicht sozial zu isolieren, sondern sich verstärkt in außerberuflichen Netzwerken zu engagieren. Die Belastungen durch einen Arbeitsplatzverlust in Zeiten wirtschaftlicher Krisen können allerdings weder von den behandelnden Ärzten noch von den sozialen Netzwerken der Betroffenen alleine bewältigt werden. Kompensatorische sozial- und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen müssen diese auch abmildern, um negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung zu minimieren (25).

Die Autoren danken den Fachgebieten FG25 und FG21 am RKI für die Bereitstellung der Daten der GEDA-Studie 2009.

Manuskriptdaten
eingereicht: 9. 7. 2010, revidierte Fassung angenommen: 21. 9. 2010

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Anschrift für die Verfasser
Dr. phil. Lars E. Kroll
Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung
Fachgebiet 24
Robert Koch-Institut
Postfach 65 02 61
13302 Berlin

Summary

Unemployment, Social Support and Health Problems—Results of the GEDA Study in Germany, 2009

Background: It is well documented that the unemployed have more
health problems than the employed, and that social support facilitates coping with unemployment. The association of unemployment and
social support with health was examined on the basis of representative data derived from a German study.

Methods: The GEDA study (Gesundheit in Deutschland Aktuell -
[Current Health in Germany]) was conducted in 2008/09 by the Robert Koch Institute, the nationwide governmental public health agency in Germany. For this paper, we analyzed data from the GEDA study that were obtained from 12022 persons aged 30 to 59. We used health
indicators taken from the Four-Item Healthy Days Core Module of the Centers for Disease Control (CDC), and we measured social support on the Oslo Three-Item Social Support Scale. We report the findings on
impairment in three distinct areas (physical, emotional, and functional) and the results of a multivariate statistical analysis.

Results: Unemployed persons aged 30 to 59 years suffer physical, emotional, and functional impairment more commonly than employed persons. Men and women with little social support are more likely to be impaired in these three areas whether they are employed or not. Regression analysis reveals that unemployment and social support have significant, independent effects on both the incidence of such impairments (ORunemployed = 1.2–1.7, ORsupported = 0.4–0.9) and on their duration (IRRunemployed = 1.3–1.8, IRRsupported=0.6–0.8) after age, income, and education have been controlled for.

Conclusion: Physicians should be mindful of the deleterious effect of unemployment on health and should encourage unemployed patients to participate in social networks, as the evidence shows that social
support can have health benefits.

Zitierweise
Kroll LE, Lampert T: Unemployment, social support and health problems—results of the GEDA study in Germany, 2009. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(4): 47–52. DOI: 10.3238/arztebl.2011.0047

@Mit „e“ gekennzeichnete Literatur:
www.aerzteblatt.de/lit0411

The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt-international.de

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