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Vaterschaft: Zu Widersprüchen herausfordernd

Eickhorst, Andreas

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Bücher über Väter haben momentan Hochkonjunktur, jedoch haben nicht alle einen dem Gegenstand angemessenen Tiefgang. Eine wohltuende Ausnahme stellt das Werk von Hans-Geert Metzger dar, welcher schon einige Male mit interessanten Büchern zu Themen von Vaterschaft und Männlichkeit das Feld bereicherte.

In diesem Buch geht es vor allem um die Aggression der Väter beziehungsweise die Wege, die heutige Väter „wählen“, um ihre sozial ungebundenen aggressiven Anteile zu integrieren – Anteile, die zu anderen Zeiten sich (auch) in kriegerischen Auseinandersetzungen gezeigt haben. Der Prolog „Freiheit und Bindung“ deutet dabei bereits die Richtung der Argumentation an: Viele Männer lehnen heute den Schritt in die Generativität ab und entscheiden sich entweder ganz gegen eine Vaterschaft oder aber nehmen diese zwar an, verneinen dann aber die Bedeutung für die Entwicklung der Kinder und verlassen etwa in der Folge die Familie. Das aggressive Potenzial, das somit einer aktiv und verantwortungsbewusst gelebten Vaterschaft entgegenwirkt, äußert sich hier laut Metzger im „Anspruch, sich selbst zu verwirklichen und den eigenen Vorteil zu suchen“. Als Hintergrund seiner Diagnosen sieht Metzger eine „Krise der Männer“, die in der aktuellen zeitgeschichtlichen Phase vorherrsche und dabei auch die Gestaltung der Vaterschaft beeinflusse.

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Nun ist im Untertitel des Buches erfreulicherweise ja auch „Liebe“ genannt, selbst wenn bereits klar geworden sein dürfte, dass diese den kleineren Platz im Buch einnimmt. Aber gegen Ende hin widmet sich Metzger dem (zum Beispiel zärtlichen) Potenzial des Vaters, betont seine wichtige Funktion in der primären Triade aus Mutter, Vater und Kind und verblüfft mit einer nahezu unbekannten Fußnote von Sigmund Freud, in der dieser ausführt, dass „Vater und Mutter [. . .] vor der sicheren Kenntnis des Geschlechtsunterschiedes [. . .] nicht verschieden gewertet“ werden. Davon ausgehend thematisiert Metzger dann ausführlich die dem Verhältnis zum Vater innewohnende Ambivalenz, die einen Schlüssel zum Verständnis sowohl der aggressiven als auch der liebenden Teile eines Vaters darstellen kann, bevor er sich im letzten Kapitel „einer neuen Wertschätzung und Selbstachtung von Vätern“ widmet.

Insgesamt ist es ein sehr anregendes, zur vertieften Beschäftigung und manchmal auch zu Widersprüchen herausforderndes Werk, das in argumentativer Klarheit eine gut durchdachte Haltung ausführlich erläutert. Die für Nichtpsychoanalytiker sicherlich gewöhnungsbedürftige alleinige Ableitung aller Gedanken aus der Psychoanalyse und der deutliche Schwerpunkt auf den negativen Seiten des Themas könnte aber auch Leser abschrecken. Manche allzu kühnen Gedanken im Buch – auch dies soll in einer primär lobenden Rezension nicht verschwiegen werden – schießen dann doch etwas über die Wissenschaftlichkeit hinaus und werden nur schwach belegt, wie etwa die sehr pauschale und verkürzte Kritik einer frühen Kinderkrippen-Nutzung.

Andreas Eickhorst

Hans-Geert Metzger: Fragmentierte Vaterschaften. Über die Liebe und die Aggression der Väter. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2013, 176 Seiten, gebunden, 19,90 Euro

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