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Weibliche Sexualität: Liebevolle Prozessbegleitung statt Zielorientierung

Broda, Michael

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Auch wenn es schon mehrere gute Bücher zu vielen Aspekten weiblicher Sexualität gibt, sticht dieses Buch heraus: Die erfahrene Psycho- und Sexualtherapeutin Diana Ecker vermittelt Wissen und Erfahrungen in einem Feld, das meist unter Appetenzstörung oder bestenfalls unter beziehungsdynamischen Aspekten beschrieben wird. Ausgehend von Mythen und Fakten zeigt sie unter Einbezug evolutionsbiologischer Erkenntnisse (was macht die „Pille“ mit sexueller Lust?), Ergebnissen der Sexualforschung und der Bedeutung der individuellen sexuellen Entwicklungsgeschichte einen Zugang zum Phänomen der weiblichen Unlust auf, der, so umfassend begonnen, in einen wohltuend weiten therapeutischen Ansatz mündet. Die prozessorientierte Sexualtherapie greift Wissen und Perspektiven unterschiedlicher Therapierichtungen auf und setzt diese zu einem farbenfrohen Mosaik des gemeinsamen Erkennens und Entdeckens zusammen. Gestalterische Elemente im „Sexualpanorama“, Stuhlübungen, Fantasiereisen, Körperexperimente bis hin zum Coaching für Paare werden in sehr einfühlsamer und mit vielen Fallvignetten anschaulicher Weise beschrieben und erläutert. Ambivalenzen in der Haltung zur Sexualität werden nicht pathologisiert, sondern als gegeben angenommen, bei nahezu allen Frauen mit sexueller Unlust vorkommende biografische Verletzungen und Traumatisierungen behutsam aufgegriffen und bearbeitet. Dabei entstehen neue Blicke auf den eigenen Zugang zum Körper und zu eigenen sexuellen Bedürfnissen und damit auch ein neuer Blick auf sexuelle Wünsche des Partners. Ecker gelingt es nicht nur, auch für erfahrene Therapeuten neue Sichtweisen zu Hintergründen und Kontextfaktoren weiblicher Unlust zu eröffnen, sondern auch das therapeutische Vorgehen vom Druck der Zielorientierung zugunsten einer Prozessbegleitung zu befreien. Ein offener Wunsch bleibt: Frauen in und nach der Menopause, die in der Praxis häufig über sexuelle Unlust klagen und eine damit zusammenhängende Entfremdung in ihrer Partnerschaft berichten, kommen leider in dem Buch nicht vor. Dennoch ein sehr empfehlenswertes Werk für alle, die in ihren Therapien das Thema Sexualität nicht ausklammern, und besonders für die, die sich an das Thema (noch) nicht heranwagen. Michael Broda

Diana Ecker: Die „innere lustvolle Frau“. Prozessorientierte Sexualtherapie für Frauen mit sexueller Unlust. dgvt- Verlag, Tübingen 2020, 316 Seiten, kartoniert, 19,80 Euro

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