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Humanismus und Humanität: Gemeinsame Synthese im Wir

Mackenthun, Gerald

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Die globalen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Probleme im 21. Jahrhundert scheinen enorm und kaum lösbar zu sein. Da kann es der Selbstberuhigung dienen, sich ausgiebig dem Konzept der Humanität und des Humanismus zuzuwenden. „Humanität“ heißt: das Menschliche, den Bedürfnissen des Menschen gewidmet. Dieses Buch des Potsdamer Arztes und Psychotherapeuten Gerhard Danzer beleuchtet die geisteswissenschaftliche Strömung des Humanismus unter drei Aspekten: aus der Perspektive des einzelnen Individuums, aus der Sicht von Welt- und Lebensanschauungen (Humanismus, Pazifismus, Agnostizismus) sowie aus dem Blickwinkel von Wissenschaft, Kunst und Philosophie. Zu Beginn steht die Frage: Wie wollen wir sinnvoller Weise leben und was kann humanes Denken und Handeln dazu beitragen?

Der persönliche Beitrag kann darin bestehen, sich zu einer vollumfänglichen Person zu bilden, die ihr Potenzial zur Wohlfahrt der Mitmenschen entwickelt und einsetzt. Humanismus und Humanität sind seit 1808, als der Philosoph und evangelische Theologe Friedrich Niethammer den Begriff in die Pädagogik einführte, mit der Ausbildung der höheren Natur des Menschen verbunden. „Personale Psychologie“ und Philosophie gehören Danzer zufolge zwingend dazu.

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Das zweite große Kapitel widmet sich den humanen Welt- und Lebensanschauungen. Danzer plädiert für ein Leben ohne Religion und ohne Krieg, also für Agnostizismus und Pazifismus. Die Kriegsvermeidung erhält einen zentralen Stellenwert im Humanismus. Was auch immer geschieht, kriegerische Auseinandersetzung müssen unbedingt vermieden werden.

Das dritte Hauptkapitel untersucht anhand mehrerer Beispiele die Rolle von Wissenschaftlern, Künstlern und Philosophen für eine Humanisierung der Gesellschaft. Das Zeitalter der Aufklärung, welches mit einer fundamentalen Religion- und Gotteskritik begann, bleibt dem Autor nachzueiferndes Vorbild. Zu den am häufigsten herangezogenen Autoren gehören der Individualpsychologe Alfred Adler, der Erfinder der Psychoanalyse, Sigmund Freud, Johann Wolfgang von Goethe, der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche und der französische Philosoph Jean-Paul Sartre.

Immer wieder kommt Danzer auf die Notwendigkeit der Entwicklung der Person (das Ich) in Bezug auf den Mitmenschen (das Du) zu sprechen, um im Wir eine gemeinschaftliche Synthese zu finden. Darin ist die Verantwortung für die Natur eingeschlossen. Ein Personenregister schließt den lesenswerten Band ab, der geeignet ist, sich (erneut oder erstmals) der europäischen Gedankenwelt des Humanen und der Humanität sachkundig zuzuwenden. Gerald Mackenthun

Gerhard Danzer: Wie wäre es, ein Mensch zu sein? Über das Humane für eine Welt von morgen. Springer Nature Verlag, Wiesbaden 2020, gebunden, 341 Seiten, 24,99 Euro

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