ArchivRechercheGlobal Health: Risiko Grenzenlos
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Foto: Fotolia/svetamart
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Die bvmd begrüßt, dass sich die Bundesregierung um das Thema Global Health kümmern möchte. Aber jetzt müssen nach Ansicht der Studierenden konkrete Schritte folgen.

Lecker sieht sie aus, die Erdbeere. Doch möglicherweise beherbergt sie Noroviren, wie die chinesischen Tiefkühlerdbeeren, die 2012 bei 11 000 Deutschen für Brechdurchfall sorgten. Der Fall zeigt: Gesundheitsgefahren, aber auch die Suche nach Antworten darauf, haben noch nie an politisch gezogenen Grenzen Halt gemacht. Ob EHEC auf ägyptischen Sprossen, europäischer Giftmüll in Afrika oder von internationalen Unternehmen in Schwellenländern propagierter Tabakkonsum – Gesundheitsrisiken verbreiten sich genauso schnell wie neues medizinisches Wissen und sind genauso international wie viele Anstrengungen der Menschen, diese einzudämmen.

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Dies hat auch die Bundesregierung erkannt: Im vergangenen Jahr hat sie zum ersten Mal ein Konzept- und Strategiepapier zur globalen Gesundheitspolitik vorgelegt. In diesem beschreibt sie, welche Herausforderungen die Globalisierung an die Gesundheitsvorsorge stellt und wie sie damit umgehen möchte. Einiges hat sich schon getan: Die Bundesregierung hat zum Beispiel ein Forschungsförderprogramm zu armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten aufgelegt. Dieses hat auch vielen Medizinstudierenden die Möglichkeit gegeben, im Rahmen von Doktorarbeiten oder Laborpraktika zur Lösung globaler Gesundheitsprobleme beizutragen. Auch durch ihre Unterstützung der WHO-Tabakrahmenkonvention hat die Bundesregierung dazu beigetragen, dass evidenzbasierte und effektive Maßnahmen gegen das Rauchen ergriffen wurden.

Trotzdem bleibt das deutsche Engagement für die globale Gesundheit immer noch weit hinter dem zurück, was in anderen Ländern selbstverständlich ist. So steckt die Forschung und Lehre zu globaler Gesundheit in Deutschland noch immer in den Kinderschuhen. Gute Lehrangebote sind nötig, damit Medizinstudierende sich auf wissenschaftlich hohem Niveau auf zentrale medizinische und gesundheitliche Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorbereiten können. Lehrstühle für das Fach Global Health sollten deshalb auch an deutschen Fakultäten eingerichtet werden. Zudem sind die deutschen Beiträge zur Entwicklungszusammenarbeit im Gesundheitsbereich im internationalen Vergleich immer noch sehr niedrig.

Das Strategiepapier der Bundesregierung ist nur ein erster wichtiger Schritt, auf den weitere folgen müssen. In einem Positionspapier hat die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) die globale Gesundheitspolitik der Bundesregierung kritisch analysiert. Das Global Health Projekt (GandHI) setzt sich dafür ein, dass diese umgesetzt werden und wir Studierende in unserem Studium endlich mehr darüber lernen, was außerhalb der engen Mauern unserer Kliniken passiert, und wir unserer Verantwortung als Ärzte nachkommen können.

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www.bvmd.de/globalhealth

Peter von Philipsborn, TU München, 6. Semester; Karin Geffert, Universität Würzburg, 7. Semester; Nadine Schäfer, Universität Halle, 6. Semester; Marina Wesch, Universität Köln, 10. Semester

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