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Medizin

Multiples Myelom: Vorteil mit CD38-Antikörper auch in Erhaltungstherapie

Dienstag, 15. Juni 2021

/LASZLO, stock.adobe.com

Alexandria – Die Therapie des multiplen Myeloms hat in den letzten Jahren stark von der Einführung von monoklonalen Antikörpern etwa gegen das CD38-Antigen profitiert. Ob der CD38-Antikörper Daratumumab neben der Induktions- und Konsolidierungs- auch in einer Erhaltungstherapie Vorteile bringt, wurde in der 2-teiligen Phase-III-Studie CASSIOPEIA untersucht; die ersten Resultate zum Erhaltungsteil wurden bei virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (JCO 2021; DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.8004; ClinicalTrials.gov: NCT02541383) sowie beim ebenfalls virtuellen Jahreskongress der European Hematology Association (EHA 2021, Abstract #S180) präsentiert.

Die Phase-III-Studie CASSIOPEIA untersuchte in ihrem 1. Teil bei transplantationsfähigen Patienten mit neu diagnostiziertem multiplem Myelom randomisiert die Zugabe des CD38-Antikörpers Daratumumab zu einer Induktions- und Konsolidierungstherapie mit dem Proteasominhibitor Bortezomib, dem Immunmodulator Thalidomid und dem Kortikosteroid Dexamethason (VTd); zwischen Induktion und Konsolidierung hatten die Patienten eine autologe Stammzelltransplantation (ASCT) erhalten.

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Die Auswertung dieses 1. Teils hatte eine eindeutige Überlegenheit für die Therapie mit dem Antikörper bei der Tiefe des Ansprechens einschließlich des Verschwindens der minimalen Resterkrankung (MRD) sowie beim progressionsfreien Überleben ergeben (Lancet 2019; DOI: 10.1016/S0140-6736(19)31240-1). Darauf war die Viererkombination DARA-VTd als Induktions- (vier Zyklen) und Konsolidierungstherapie (2 Zyklen) in dieser Situation zugelassen worden.

Mittlerweile ist der Immunmodulator Lenalidomid als Erhaltungstherapie bei solchen Patienten nach der ASCT zugelassen, aber zum Zeitpunkt des Starts der CASSIOPEIA-Studie hatte es noch keine zugelassene Erhaltungstherapie gegeben; in einem 2. Teil waren daher die Patienten, die nach der Konsolidierung mindestens 1 partielle Remission aufgewiesen hatten, erneut randomisiert worden, zur Erhaltung alle 8 Wochen für maximal 2 Jahre Daratumumab oder ein Placebo zu erhalten. Sie wurden hinsichtlich der Art der Induktions- und Konsolidierungstherapie sowie der Tiefe des damit erzielten Ansprechens stratifiziert.

Die Ergebnisse einer 1. geplanten Interimsanalyse dieses 2. Teils konnte Philippe Moreau, Nantes, nun sowohl beim ASCO- als auch beim EHA-Kongress vorstellen: Nach median 35,4 Monaten Nachbeob­achtungsdauer war beim progressionsfreien Überleben im Daratumumabarm der Medianwert noch nicht erreicht, im Kontrollarm betrug er 46,7 Monate; das Risiko für Progression oder Tod wurde durch die Erhaltungstherapie um beinahe die Hälfte reduziert (Hazard Ratio 0,53; p < 0,0001).

Dieser Vorteil war für beinahe alle Untergruppen zu erkennen, mit einer bedeutsamen Ausnahme: Lediglich die Subgruppe der Patienten, die zu Induktion und Konsolidierung nur VTd erhalten hatten profitierten von der Erhaltungstherapie (HR 0,34), nicht aber diejenigen, die DARA-VTd bekommen hatten (HR 1,05).

Diese Interaktion mit der Vortherapie war statistisch hochsignifikant (p < 0,0001). Auch bei den meisten sekundären Endpunkten war im Gesamtkollektiv ein Vorteil der Daratumumab-Erhaltung erkennbar: Bei der Zeit bis zur Progression (Median nicht erreicht im Verumarm vs. 46,7 Monate im Kontrollarm; HR 0,49; p < 0,0001), ebenso beim Anteil der Patienten, die nach der Erhaltungstherapie mit Daratumumab mindestens eine Komplettremission (72,9 % vs. 60,8 %; Odds Ratio 2,17; p < 0,0001) sowie MRD-Negativität (bei einer Empfindlichkeit von 10-5) erzielt hatten (58,6 % vs. 47,1 %; =R 1,80; p = 0,0001).

Beim Gesamtüberleben war noch kein Unterschied zwischen beiden Armen zu sehen. Es gab unter dem CD38-Antikörper keine neuen, bislang nicht bekannten Sicherheitssignale. Die Erhaltungstherapie mit Daratumumab bringt also einen deutlichen Vorteil beim progressionsfreien Überleben, so Moreau, aber überraschenderweise offenbar nur für die Patienten, die den Antikörper nicht zuvor schon zur Induk­tion/Konsolidierung erhalten haben.

Außerdem wurde die Tiefe des Ansprechens durch die Erhaltungstherapie verbessert. Ob sich auch beim Gesamtüberleben ein Vorteil der Erhaltung ergibt, wird sich erst nach längeren Beobachtungszeit­räumen zeigen. In weiteren Studien wie GRIFFIN, PERSEUS oder AURIGA wird derzeit versucht, die Erhaltungsstrategie bei transplantationsfähigen Myelompatienten zu optimieren, unter anderem durch die Kombination von Daratumumab und Lenalidomid. © jfg/aerzteblatt.de

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