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Medizin

Metastasiertes kastrations­resistentes Prostatakarzinom: Radioliganden­therapie mit 177Lu-PSMA ist eine Option

Donnerstag, 17. Juni 2021

/SciePro, stock.adobe.com

Alexandria – Das metastasierte, kastrationsresistente Prostatakarzinom (mCRPC) ist bislang unheilbar. Mögliche Behandlungen sind Zytostatika, Androgenrezeptorblocker und zielgerichtete Medikamente. Zu den zielgerichteten Substanzen gehört 177Lutetium (Lu)-PSMA-617.

Bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) sind die Ergebnisse der Phase-3-Studie VISION vorgestellt worden: Sie belegen eine Effektivität und einen Überlebensvor­teil durch die Behandlung mit 177Lu-PSMA-617 im Vergleich zum Standard-of-Care allein, so dass 177Lu-PSMA-617 als ein neuer Standard bewertet wurde.

In die offene VISION-Studie wurden mCRPC-Patienten eingeschlossen, die mit mindestens 1 Androgen­rezeptor-Inhibitor und mit mindestens 1 taxanhaltigen Chemotherapie vorbehandelt worden waren, wie Michael J. Morris vom Sloan Kettering Cancer Center in New York in der Plenary Session berichtete (JCO 2021; DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.LBA4).

Eine weitere Voraussetzung war, dass PSMA-exprimierendes Gewebe im Patienten nachgewiesen worden war, und zwar über eine Hybridbildgebung aus Positronenemissionstomografie (PET) und Magnetreso­nanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) mit einem Gallium-68-markierten PET-Tracer. Das 68Ga-PSMA-PET gilt als die derzeit sensitivste Methode zur Lokalisation von Prostatakarzinommetas­tasen.

831 Patienten (medianes Alter: 71 Jahre) wurden 2 : 1 randomisiert und erhielten entweder eine Standardtherapie nach Wahl des Arztes (SOC; keine Chemotherapie) oder eine Standardtherapie plus 177Lu-PSMA-617 alle 6 Wochen in einer Dosierung von 7,4 GBq (200 mCi) für mindestens 4, maximal aber 6 Zyklen. Es gab 2 primäre Endpunkte: das radiografische progressionsfreie Überleben (rPFS) und das mediane Gesamtüberleben (OS).

Eine statistisch signifikante Differenz wurde in beiden Endpunkten zugunsten von 177Lu-PSMA-617 erreicht. Das rPFS betrug median 8,7 Monate unter der Radioligandentherapie und median 3,4 Monate bei Standard-of-Care-Behandlung alleine (Hazard Ratio [HR] für Progress: 0,40; p < 0,001). Das mediane OS lag bei 15,3 Monaten unter 177Lu-PSMA-617 und bei 11,3 Monaten in der Kontrollgruppe (HR für Tod: 0,62; p < 0,001).

Das prostataspezifische Membranantigen (PSMA) ist ein Transmembranprotein, das bei circa 80 % der Prostatakarzinompatienten im Epithel der Drüse exprimiert wird, und zwar über verschiedenen Tumor­stadien hinweg. Das macht PSMA zu einer attraktiven Zielstruktur für Medikamente gegen das Karzinom. 177-Lutetium-markiertes-PSMA-617 ist eine radioaktive Verbindung, die sich mit hoher Affinität an PSMA bindet, von der PSMA-exprimierenden Zelle aufgenommen und dann internalisiert wird. Über 177Lu werden Betastrahlen abgegeben, die DNA in der Zelle und Zellen der Mikroumgebung schädigt und zur Zytolyse führt.

Die Radioligandentherapie sei im Allgemeinen gut vertragen worden, berichtete Morris, wenn auch unter der Radioligandenbehandlung mehr Knochenmarksuppressionen (Grad ≥ 3) aufgetreten seien, nämlich bei 23,4 % vs. 6,8 % unter SOC alleine, und darunter mehr Anämien (12,9 % vs. 4,9 %).

Die Behandlung mit 177Lu-PSMA-617 sollte als eine mögliche Option in das Spektrum der Therapie­mög­lich­keiten bei Patienten mCRPC aufgenommen werden, da sie einen Voreil im progressionsfreien und im Gesamtüberleben erwarten lasse, resümierte Morris.

„Für Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom, die trotz Chemotherapie und Androgenrezep­tor­be­handlung einen Progress erleiden, gibt es großen Bedarf für weitere Behandlungen und die zielgerichte­te Radioligandentherapie könnte diese Lücke mit füllen“, sagte ASCO-Präsidentin Lori J. Pierce bei einer Pressekonferenz. „Der Erfolg aus dieser Studie macht uns aber auch deutlich, wie wichtig es ist, weiter nach Alternativen zu den traditionellen Formen der Krebstherapie zu suchen.“

Noch gibt es für 177Lu-PSMA-617 keine Zulassung. Dennoch wird es in Deutschland bereits als Salvage­behandlung für Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom angewendet. Die Ergebnisse der VISION-Studie werden nun als Bestätigung für die Wirksamkeit bewertet.

In Deutsch­land sind im Jahr 2020 Schätzungen zufolge 61.200 Männer an Prostatakrebs erkrankt und circa 14.400 an dem Malignom gestorben. Es ist der häufigste Tumor beim Mann und der zweithäufigste bei den krebsbedingten Sterbefällen (Krebs in Deutschland; RKI 2019). © nsi/aerzteblatt.de

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