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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Warum ein Tattoo im MRT zwickt oder brennt

Freitag, 1. Februar 2019

Tattoos sind derzeit im Trend. Die Bilder in der Haut verursachen normalerweise keine Beschwerden. Dies kann sich allerdings ändern, wenn die Träger sich einer Magnetresonanztomografie (MRT) unterziehen. Die schwarzen Pigmente enthalten nicht selten Eisen, das auf das Magnetfeld des MRT reagiert. Bei den Betroffenen kann dies ein prickelndes Gefühl erzeugen.

Ernsthafte Beschwerden können durch Farbpigmente ausgelöst werden, die elektrisch leitfähig sind. Beim MRT werden nämlich Hochfrequenzfelder verwendet, die in den Pigmenten ein Stromfeld erzeugen. Dies kann zu einer Erwärmung des Tattoos und im schlimmsten Fall zu einer Verbrennung der Haut führen. 

In der Literatur gibt es zahlreiche Berichte von Patienten, bei denen es während der MRT-Untersuchung zu Verbrennungen kam. Meistens verliefen sie glimpflich. In einigen Fällen musste die Untersuchung abgebrochen werden. Eine Patientin ließ ihr Tattoo sogar entfernen, damit ein medizinisch notwendiges MRT durchgeführt werden konnte. Interessanterweise sind die Reaktionen häufig nur auf Teile des Tattoos beschränkt. Offenbar hängt es sehr stark von den verwendeten Pigmenten ab.

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Am UCL Wellcome Centre for Human Neuroimaging des University College London wollte man nun genau wissen, wie gefährlich die Tattoos sind. In einer Studie wurden 330 Probanden mit 932 Tattoos nach der Untersuchung befragt. Die Tattoos durften nicht mehr als fünf Prozent der Körperoberfläche bedecken und ein einzelnes Tattoo nicht länger als 20 Zentimeter sein. Personen mit Tätowierungen an Kopf, Hals und den Genitalien wurden ebenfalls ausgeschlossen. Aus Angst vor großflächigen Verbrennungen an empfindlichen Stellen ging das Team um Nikolaus Weiskopf, heute Direktor am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, lieber auf Nummer sicher. 

Dies schränkt natürlich die Aussagekraft der Untersuchung ein, da heute viele Menschen ausgedehnte Tätowierungen haben. Bei Menschen mit vereinzelten Tätowierungen scheint das Risiko jedoch gering zu sein. Nur zwei der 330 Probanden zeigten eine Reaktion. Der erste berichtete bei einer späteren Befragung, dass er bei der Untersuchung im Tattoo ein leichtes Kribbeln verspürt habe. Ein zweiter Teilnehmer bemerkte noch während des MRT eine Erwärmung und ein Spannungs­gefühl am Handgelenk. Die Untersuchung wurde abgebrochen, und der Patient erholte sich innerhalb von 24 Stunden ohne Zeichen einer Verbrennung.

Die Untersuchungen waren mit leistungsstarken Geräten (drei Tesla) durchgeführt worden. Die meisten Kliniken haben heute noch schwächere Geräte, in denen die Reaktionen entsprechend milder ausfallen dürften. Einige Zentren verfügen jedoch über Geräte mit einer Magnetstärke von sieben Tesla oder mehr. Hier dürfte bei Patienten mit Tattoos größere Vorsicht erforderlich sein.

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