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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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Die Kosten medizinischer Versorgung

Montag, 25. Februar 2019

Sind wir krank, bekommen wir in Deutschland und in den meisten wohlhabenden Ländern jederzeit und an nahezu jedem Ort die notwendige medizinische Hilfe und Versorgung. Da (fast) jeder krankenversichert ist, tragen in der Regel (gesetzliche oder private) Kran­ken­ver­siche­rungen die Kosten für die Behandlung.

Gesundheitssysteme sind besondere Wirtschaftssysteme mit speziellen Eigenheiten. Eine der entscheidenden Besonderheiten ist, dass der Bedarf für Gesundheits­leistungen oft in starkem Widerspruch zu den Möglichkeiten des Betroffenen steht, sich diese leisten zu können: Arme sind weniger gesund als Wohlhabende, in Zeiten längerer Erkrankungen besteht für viele oft keine Möglichkeit, weiter einem Beruf nachzugehen und damit Geld zu verdienen. Ein solidarisches Versicherungssystem kann dabei helfen, diese Schwernisse auszugleichen – in jungen Jahren guter Gesundheit und hoher beruflicher Leistungsfähigkeit sparen wir Geld an für das Alter und für Zeiten schlechter Gesundheit und Gesunde kommen für die Versorgung von Kranken auf.

Dieses System funktioniert jedoch nur in wenigen wohlhabenden Staaten auf einem Niveau, das den meisten Menschen zu jeder Zeit die notwendige medizinische Versorgung bietet. Auf globaler Ebene bleibt die verfügbare medizinische Versorgung leider weit hinter diesen Möglichkeiten zurück. Die Ursachen hierfür sind die Armut vieler Länder, aber auch politische Entscheidungen und die relative und absolute Höhe der Ausgaben für die Gesundheitssysteme.

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Menschen in armen Ländern haben eine kürzere Lebenserwartung, sie sind weniger gesund und sie haben einen erschwerten und eingeschränkten Zugang zu medi­zinischer Versorgung. Im globalen Vergleich ist es genau wie auf nationaler Ebene: Diejenigen mit der schlechtesten Gesundheit, diejenigen, die den größten Bedarf einer qualitativen medizinischen Versorgung haben, können sich diese oftmals am wenigsten leisten.

In einem aktuellen Bericht beschreibt die WHO diese Zusammenhänge anschaulich und detailliert mit einem besonderen Blick auf die öffentlichen Gesundheits­ausgaben. Das globale Gesundheitssystem ist nicht nur aufgrund seiner Bedeutung für das Wohlergehen der Menschen entscheidend, sondern es ist auch ein bedeutender Teil der globalen Wirtschaft. Im globalen Durchschnitt werden für jeden Menschen auf der Welt 1.000 US-Dollar pro Jahr für medizinische Leistungen und Produkte ausgegeben – insgesamt rund 7,5 Billionen US-Dollar pro Jahr.

Ein sicher für viele überraschendes Ergebnis des Berichtes ist, dass nur ein verschwindend geringer Teil der globalen Gesundheitsausgaben (unter ein Prozent!) in Form externer Hilfszahlungen geleistet wird. Auch Länder niedriger und mittlerer Einkommen kommen für die medizinische Versorgung ihrer Bevölkerung zu einem Großteil aus eigenen Mitteln auf. 

Die verfügbaren medizinischen Ressourcen sind global betrachtet sehr ungleich verteilt. Während in den zehn wohlhabendsten Ländern etwa 5.000 US-Dollar pro Person anfallen, stehen in den ärmsten zehn Ländern pro Person lediglich 30 US-Dollar pro Jahr zur Verfügung stehen – das ist eine Differenz um den Faktor 160! Hinzu kommt, dass besonders in den armen Ländern keine leistungsfähigen Absicherungssyteme bestehen und die Menschen einen Großteil der Zahlungen aus eigener Tasche (out-of-pocket payment) leisten müssen.

Interessant ist aber auch der Blick darauf, für welche Erkrankungen welcher Anteil der Ausgaben zur Verfügung steht. Hier besteht natürlich eine große Variabilität zwischen verschiedenen Ländern, es lassen sich aber auch Muster erkennen. Externe Hilfszahlungen für Gesundheitsausgaben (development assistance for health) haben, wenig überraschend, einen sehr starken Fokus auf übertragbare Erkrankungen: 68 Prozent dieser Zahlungen fließen in die Behandlung, Versorgung und Prävention übertragbarer Erkrankungen (28 Prozent für HIV/Aids, 14 Prozent für Malaria, vier Prozent für Tuberkulose). Obwohl die Bedeutung nichtübertragbarer Erkrankungen in vielen Ländern zunehmend ist und diese im Hinblick auf die (früh- und vorzeitige) Mortalität in vielen ärmeren Ländern die übertragbaren Erkrankungen bereits überholt haben, stehen nur etwa zehn Prozent der externen Hilfszahlungen für Gesundheit für nichtübertragbare Erkrankungen zur Verfügung. Anders ist die Verteilung der öffentlichen Gesundheitsausgaben – hier ist das Verhältnis nahezu ausgeglichen (32 Prozent stehen für nichtübertragbare Erkrankungen zur Verfügung, 33 Prozent für übertragbare Erkrankungen).   

Es ist nicht möglich, aus diesen Ergebnissen direkt valide kausale Erklärungen abzuleiten. Die in diesem Bericht veröffentlichten Daten zeigen jedoch anschaulich eine inakzeptable globale Ungleichheit auf. Da die veröffentlichten Daten einen deutlichen Zusammenhang zwischen Wohlstand eines Landes (hohes BIP) und Verfügbarkeit und Zugang zu medizinischer Versorgung bestätigen, implizieren sie, die faire wirtschaftliche Entwicklung besonders armer Länder voranzutreiben, um hierüber den Wohlstand, die medizinische Versorgung und die Gesundheit und damit das Überleben global zu verbessern und möglichst vielen Menschen zu helfen, den bestmöglichen Gesundheitszustand zu erreichen, wie es die WHO im ersten Absatz ihrer Satzung als Ziel formuliert.

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