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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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Die zehn größten Bedrohungen für die globale Gesundheit im Jahr 2019: Bedrohung #1 – Luftverschmutzung und Klimawandel

Mittwoch, 13. März 2019

Seit Monaten diskutieren wir in Deutschland über Obergrenzen für die Belastung mit Feinstaub und Stickoxiden, über Fahrverbote in Innenstädten und über Tempolimits auf Autobahnen, ein „Kohlekompromiss“ wurde geschlossen, in dem Vertreter aus Politik und Verwaltung, von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden und aus der organisierten Zivilgesellschaft einen Ausstieg aus der besonders umwelt- und klimaschädlichen Energiegewinnung mit Kohle bis spätestens Ende 2038 vereinbart haben.

Seit Jahren beherrschen der Klimawandel und die menschengemachten Ursachen von Luft- und Umweltverschmutzung die öffentliche Debatte. Bei regelmäßigen internationalen Klimakonferenzen der Vereinten Nationen werden Ziele, den CO2-Ausstoss und damit den weltweiten Temperaturanstieg zu begrenzen, beschlossen. Das Handeln besonders in den Staaten, die die Hauptverantwortung für den Ausstoß klima- und umweltschädlicher Stoffe tragen, bleibt jedoch weit hinter den notwendigen Maßnahmen zurück.   

Die gewichtigsten Probleme in der Wahrnehmung und Bewertung der Gefahren der Luftverschmutzung und des Klimawandels sind sicherlich die Unsichtbarkeit der Schadstoffe, die mitunter jahrzehntelange Latenz bis zum Eintreten der Folgen und die räumliche Trennung von Ursachen und Folgen: Niemand kann das CO2, das unsere Autos ausstoßen, sehen oder riechen, der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur ist für den Einzelnen nur schwer fassbar und wahrnehmbar und die extremen Wetterphänomene, Dürren und die Flutkatastrophen treffen zuerst Regionen, die weit entfernt liegen und deren Probleme weit von unseren Alltagsproblemen entfernt scheinen.

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Mit den „Fridays for Future“-Demonstrationen, inspiriert durch die schwedische Schülerin Greta Thunberg, machen Schüler seit einigen Wochen jeden Freitag weltweit auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam und fordern die Verantwortlichen zum Umdenken und Handeln auf. Eine mutige Initiative derjenigen, die die Folgen unserer Trägheit und Bequemlichkeit und der Verantwortungslosigkeit unseres zukunftsvergessenen Handelns spüren werden und in der Welt leben müssen, die wir Ihnen hinterlassen. Dieser Mut, diese Verantwortung, die diejenigen übernehmen, denen gegenüber eigentlich wir, die Erwachsenen, Verantwortung tragen sollten, verdient Anerkennung und Respekt, er sollte uns die Augen öffnen und bewirken, dass wir unser Verhalten hinterfragen.

Wie schwer es vielen jedoch fällt, eingeübte Reflexe abzulegen, überkommene Perspektiven zu korrigieren und den Blick in die Zukunft zu richten, zeigt ein denkwürdiges Interview des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner, das am 10. März 2019 in der Bild am Sonntag veröffentlicht wurde. Hier äußerte er: „Ich bin für Realitätssinn. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.“ Er pflichtet mit diesem Kommentar Paul Zimiak, dem CDU-Generalsekretär, bei, der bereits am 9. Februar über Twitter verlauten ließ: „Greta Thunberg findet deutschen Kohlekompromiss „absurd“ – Oh Mann … kein Wort von Arbeitsplätzen, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit. Nur pure Ideologie. Arme Greta!“

Christian Lindner und Paul Zimiak irren. Das ist menschlich, und das sei ihnen verziehen. Unverzeihlich ist jedoch die Arroganz in ihren Aussagen. Die von Zimiak kritisierte „Ideologie“ liegt vielmehr in seinen eigenen Aussagen und in denen Christian Lindners, beide verstecken sich hinter vermeintlich wirtschaftlichen Anforderungen und Beschränkungen. Eine solche Sichtweise ist rückwärtsgewandt und mutlos. Von jungen Politikern – Christian Lindner ist 40 Jahre und Paul Zimiak gar erst 33 Jahre alt – sollten wir innovative Ideen für unsere gemeinsame Zukunft erwarten und nicht dieselben Antworten, die seit Jahrzehnten wirksame Maßnahmen aufschieben – bereits 1992 (!) wurde auf dem Umweltgipfel der Vereinten Nationen in Rio die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen verabschiedet, in der Maßnahmen zur Verlangsamung der globalen Erwärmung vereinbart wurden.

Es ist nicht die Aufgabe unserer Kinder, Lösungen für die Probleme unserer Zeit finden. Es steht jedoch ihnen und uns allen zu, den Verantwortlichen, den vermeintlichen „Profis“, Aufträge zu erteilen, nach diesen Lösungen zu suchen. Es sollte uns Schamesröte ins Gesicht treiben, von einer 16-jährigen Schülerin auf unser Versagen aufmerksam gemacht zu werden. Es ist wohlfeil, die Proteste der Schüler dadurch zu diskreditieren, dass sie Schulunterricht schwänzen, vielmehr sollten wir ihnen Respekt zollen für ihre Bereitschaft, Verantwortung zu sehen und Verantwortung für ihre eigene Zukunft übernehmen zu wollen. Jetzt ist es an uns, an den „Profis“, die Verantwortung, die uns auferlegt wurde, ebenfalls anzunehmen.

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Baehre
am Donnerstag, 14. März 2019, 13:49

Global Health

Den Lesern dieser düsteren Prognosen seien die Kommentare im Newsletter vom Dienstag, 12. März 2019, empfohlen, Thema 800.000 Tote durch Luftverschmutzung. Die Gefahren durch nicht mehr beherrschbare bakterielle Infektion in den nächsten 2 Dekaden finden vergleichsweise wenig Beachtung.
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