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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Zu viel des Guten: Wie Sonne, Naturheilkunde und (vermutlich) eine Genvariante die Nieren schädigen

Donnerstag, 2. Mai 2019

Vergiftungen mit Vitamin D sind selten, da das Hormon eine hohe therapeutische Breite hat. Ein 54 Jahre alter Mann aus Kanada hat es dennoch geschafft und dabei seine Nieren dauerhaft geschädigt.

Es begann mit einem zweiwöchigen Urlaub in Südostasien, wo der Mann über zwei Wochen sechs bis acht Stunden am Tag die Sonne genossen hat. Nach der Rückkehr war der Kreatininwert von 100 auf 132 µmol/l leicht angestiegen. Sein Hausarzt riet ihm, die Hypertoniemedikamente (Perindopril und Indapamid) vorläufig abzusetzen, bis der Körper den Flüssigkeitsverlust durch die Tage am heißen Strand ausgeglichen habe. Doch vier Wochen später war das Kreatinin auf 376 µmol/l angestiegen.

Das Nephrologenteam um Joanne Bargman vom Toronto General Hospital, an die der Hausarzt seinen Patienten überwiesen hat, stellte eine Hyperkalzämie ohne Anstieg des Parathormons fest. Die Bestimmung der Vitamin-D-Parameter ergab erhöhte Werte für 1,25-Dihydroxyvitamin D3 (274 pmol/l) und 25-Hydroxyvitamin D3 (241 pmol/l).

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Das konnte nicht allein die südliche Sonne verursacht haben, und auf Nachfrage bestätigte der Patient, dass er auf Anraten eines Heilpraktikers seit zweieinhalb Jahren Vitamin-D-Tropfen einnehme. Bei der genauen Medikamentenanamnese stellte sich heraus, dass er in der Apotheke ein Präparat mit der doppelt so hohen Dosis wie vom Heilpraktiker empfohlen gekauft hatte. Die tägliche Dosis hatte 8.000 bis 12.000 IU betragen. Die von Osteoporosis Canada empfohlene Dosis für ältere Menschen oder andere mit erhöhtem Risiko beträgt 400 bis 1.000 IU.

Die vermutlich schon länger bestehende Hyperkalzämie hatte übrigens als einziges Symptom einen Juckreiz verursacht. Die Behandlung bestand neben dem sofortigen Absetzen von Vitamin D in der Einnahme von Hydroxychloroquin (nach Aufklärung über die möglichen retinalen Schäden). Die Hormonwerte normalisierten sich im Verlauf der nächsten Monate, doch die Nieren erholten sich nicht vollständig. Nach einem Jahr bestand bei einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate von 34 ml/min/1,73m eine chronische Niereninsuffizienz vom Stadium 3B. Die Ursache der Nierenschäden ist eine Nephrokalzinose.

Obwohl keine genetischen Untersuchungen durchgeführt wurden, vermutet Bargman, dass der Patient eine Mutation im Gen CYP24A1 hat. Das Gen enthält den Bauplan für das Enzym 25-hydroxy-Vitamin D 24-Hydroxylase, das den Abbau von Vitamin D3 einleitet.

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Avatar #600500
Wiebrecht
am Freitag, 3. Mai 2019, 21:06

Was ist daran Naturheilkunde?

Hochdosierte Gabe eines chemisch definierten Vitamins hat nichts mit Naturheilkunde zu tun, auch wenn vom Heilpraktiker verordnet.
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