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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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Die zehn größten Bedrohungen für die globale Gesundheit im Jahr 2019: Bedrohung #3 – Die globale Influenzapandemie

Montag, 15. April 2019

Der Ausbruch von Ebola in Guinea, Sierra Leone und Liberia in den Jahren 2014 bis 2015 hat uns Angst gemacht – mehr als 11.000 Menschen sind an der Infektion gestorben. Es gab Notfallpläne auch in europäischen Ländern, denn es war zu befürchten, dass es nicht gelingen würde, die Epidemie einzudämmen und dass es zu einer weiteren Ausbreitung kommen würde. Das ist glücklicherweise nicht passiert. Doch seit dem Frühsommer des vergangenen Jahres beobachten wir nun einen weiteren Ausbruch, diesmal im Osten des Kongo, einer armen Region, die von jahrzehntelangen und weiterhin anhaltenden gewaltsamen Konflikten belastet ist. Bisher wurden dort mehr als 1.000 Ebolafälle dokumentiert, von diesen sind mehr als 750 gestorben. Seuchen wie Ebola machen uns Angst, denn wir fühlen uns ihnen gegenüber hilflos und ausgeliefert.

Weniger Ängste verbinden wir mit dem Grippevirus, und doch bedroht es uns sehr. Allein die „Spanische Grippe“ forderte in den Jahren von 1918 bis 1920 25 Millionen Todesfälle, vielleicht sogar bis zu 50 Millionen. Zum Vergleich: Etwa 35 Millionen Menschen starben in den vergangenen Jahrzehnten an den Folgen einer HIV-Erkrankung. Die molekular­biologischen und genetischen Eigenschaften des Influenzavirus, insbesondere der Aufbau seiner Oberflächenmoleküle Hämagglutinin und Neuraminidase, die sich fortlaufend wandeln und sich so der Abwehr unserer Immunsysteme zu entziehen versuchen, erklären die Virulenz des Virus.

Natürlich unterscheiden sich das Grippevirus und die von ihm ausgehenden Gefahren vom Ebolavirus oder dem HI-Virus. Anders als für HIV gibt es gegen das Grippevirus eine Impfung – gegen Ebola werden momentan Impfstoffe entwickelt, einer bereits erprobt. Die Todesrate bei Grippeinfektionen ist weitaus geringer als bei Ebolainfektionen und eine Grippe ist heilbar.

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Auf der anderen Seite aber ist die Ansteckungsgefahr durch das Influenzavirus bei einer Infektion sehr hoch und so erklärt sich, dass die Grippe sich als Pandemie rasch von Land zu Land und über Kontinente hinweg ausbreiten kann. Eine weitere schwere Influenza­pandemie wird also kommen und sie wird viele Todesopfer zur Folge haben. Wir werden dies vermutlich nicht mit Impfungen vermeiden können, denn das Virus ist zu wandlungsfähig und schafft es so immer wieder, sich einer wirksamen Abwehr durch unser Immunsystem zu entziehen.

Gefährdet sind besonders alte und kranke Menschen, jedes Jahr sterben bei uns Hunderte Menschen an den Folgen einer Ansteckung. Hier kann die Impfung einige Krankheitsfälle vermeiden oder den Verlauf abmildern. Daher hat die Europäische Union das Ziel ausgegeben, bis 2015 in allen Mitgliedstaaten unter älteren Personen eine Influenza-Impfquote von mindestens 75 Prozent zu erreichen. In Deutschland wird diese Quote seit Jahren verfehlt. Schlimmer noch, seit Jahren nimmt die Quote kontinuierlich ab. Waren von der über 60-jährigen in der Saison 2008/09 noch knapp 48 Prozent der Menschen geimpft, waren es in der Saison 2016/17 nur noch 35 Prozent. Die Zahlen in den Westbundesländern liegen dabei stabil und deutlich unter denen in den Ostbundesländern.

Aber Impfungen allein werden auf globaler Ebene die Ausbreitung der Influenza nicht stoppen und Todesfälle verhindern können. Wir brauchen auch eine leistungsfähige ambulante und stationäre medizinische Versorgung für die Erkrankten. Im Falle einer schweren Pandemie werden alle Gesundheitssysteme schwer belastet und viele werden unter dieser Last zusammenbrechen. Die Systeme, die bereits unter Normalbedingungen ihren Anforderungen nicht gerecht werden können und den Menschen keine qualitative medizinische Versorgung bieten können, sind am stärksten gefährdet.

Auch zum globalen Schutz vor den Folgen sich unkontrolliert ausbreitender Epidemien und Pandemien müssen wir uns verstärkt um den Aufbau und die Stärkung schwacher Gesundheitssysteme kümmern. In den meisten Länder niedriger und mittlerer Einkommen herrscht ein schwerer Mangel an Ärzten und medizinischem Fachpersonal. Aber nicht nur die personellen, sondern auch die strukturellen Voraussetzungen werden dem Bedarf und den Anforderungen nicht gerecht. Unter diesen Voraussetzungen wird die nächste schwere globale Influenzapandemie gerade in diesen Regionen sich unkontrolliert ausbreiten, die meisten Todesopfer hervorbringen und so auch uns schwer bedrohen. Aus Gerechtigkeits­gründen wie auch aus krudem Eigennutz sollten wir uns daher um die Stärkung der globalen Gesundheitssysteme mit einem besonderen Blick auf die armen Regionen bemühen.    

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