Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vom Arztdasein in Amerika

Aktive Abwerbeversuche

Dienstag, 28. Mai 2019

Es ist meine erste Arbeitswoche in einem Krankenhaus in Bismarck und vieles ist neu für mich. Zum Glück sind die Krankheiten, die Therapien und die Medikamente alle dieselben, denn sonst würde ich die Neuartigkeit wohl als überfordernd ansehen. Auch der Dialekt des Mittleren Westens, der manchmal als nordzentrales Amerikanisch bezeichnet wird, ist derart stark ausgeprägt in Bismarck, dass ich manchmal nachhaken muss, weil ich ein Wort oder eine Redewendung nicht genau verstanden habe.

Allmählich lerne ich auch meine ärztlichen Kollegen kennen. Wie in jedem der von mir bisher besuchten Krankenhäuser der USA finde ich eine Mischung aus älteren einheimischen (also weißen) amerikanischen wie auch eher jüngeren ausländischen und hier vor allem indischen und arabischen Ärzten vor. Am Rande sei bemerkt, dass man europäische Ärzte eher in größeren Städten und an den Küsten, Latinos im Süden antrifft.

Natürlich verstehe ich mich mit diesen Ärzten auf Anhieb gut, und es wird neben der Arbeit vor allem über Football, die eigenen Kinder, sein Auto, Haus, Steuern und Geldanlagen geredet – in dieser Reihenfolge.

Anzeige

Auch hier treffe ich auf Ärzte, die ihre eigene (ärztliche) Firma aufgemacht haben und Personal für diese suchen. Entsprechend bin ich nach wenigen Tagen schon mit einem Kollegen intensiv im Gespräch, erläutere ihm meinen Lebenslauf und er im Gegenzug sein Geschäftsmodell. Er macht mir ein Arbeitsangebot und will, dass ich ihm in einem anderen Krankenhaus auf Tagesbasis aushelfe. Er erklärt mir dann eingehend, wieso sein Arbeitsmodell hervorragend sei, wieso ich Glück habe und er mir die letzte noch freie Stelle anbiete und warum sein Angebot ein einmaliges sei. Tatsächlich ist es kein schlechtes, aber es gilt natürlich auch bei ihm, dass nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Mir gefällt gerade deshalb das Arbeiten in mir unbekannten Krankenhäusern, weil ich dann von neuen Arbeitsmöglichkeiten erfahre. Denn derzeit ist vieles im Fluss in den USA und neue Möglichkeiten tun sich überall auf. Woher kommt das? Liegt das an der Geschäfts­freudigkeit der Amerikaner? Daran, dass das Gesundheitswesen in der Krise ist und sich dauernd Dinge ändern? Oder einfach nur am Arztmangel?

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
Alle Blogs
Gesundheit
Gesundheit
Vom Arztdasein in Amerika
Vom Arztdasein in Amerika
Pflegers Schach med.
Pflegers Schach med.
Dr. werden ist nicht schwer...
Dr. werden ist nicht schwer...
Global Health
Global Health
Frau Doktor
Frau Doktor
Dr. McCoy
Dr. McCoy
Das lange Warten
Das lange Warten
Sea Watch 2
Sea Watch 2
PJane
PJane
Praxistest
Praxistest
Res medica, res publica
Res medica, res publica
Studierender Blick
Studierender Blick
Britain-Brain-Blog
Britain-Brain-Blog
Unterwegs
Unterwegs
Lesefrüchtchen
Lesefrüchtchen
Gratwanderung
Gratwanderung
Polarpsychiater
Polarpsychiater
praxisnah
praxisnah