DÄ plusBlogsPflegers Schach med.Ärztliche Geistesblitze in Bad Homburg
Pflegers Schach med.

Pflegers Schach med.

Das ehrwürdige Schachspiel übt auf viele Ärztinnen und Ärzte eine starke Faszination aus. Der Arzt und Internationale Schachgroßmeister Dr. med. Helmut Pfleger weiß davon zu berichten – humorvoll, kenntnisreich und mitunter im Wortsinne rätselhaft.

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Pflegers Schach med.

Ärztliche Geistesblitze in Bad Homburg

Dienstag, 13. August 2019

So wie allem Anfang ein Zauber innewohnen mag, so auch jedem Ende eine Wehmut. Das war zum Abschluss des immerhin schon 27. Deutschen Ärzteschach­turniers, einmal mehr im so gastlichen Bad Homburg, nicht anders. Alle Schlachten waren geschlagen, keine Traumkombinationen wurden mehr aufs Brett gezaubert, allerdings auch keine Damen mehr eingestellt und einzügigen Matts übersehen.

Klein-Friedrich aus der erblühenden Schachdynastie von Dr. Anna Küßner-Brochhagen und ihrem Mann Thomas wuselte nicht mehr mit seiner unbändigen Energie durch den Saal und die Familie Schöning mit Mutter und den beiden Söhnen trug keine Familienmeisterschaft mehr aus, während Vater Heiko sich mit seinen Standesgenossen auseinandersetzte.

Dr. Gunnar Riemer, der „bayrisch-berlinerische Norweger“ (dort praktizierte er lange als Neurologe) und der Kosmopolit Prof. Dr. Eberhard Schwinger, der lange nach seiner Emeritierung von der Uni Lübeck an der Wiener Universität noch immer Vorlesungen über Humangenetik hält (in China inzwischen nicht mehr) und mich danach schon einmal in München besucht (ohne ihn wüsste ich noch immer nicht, dass der Mensch in seinem Genom mit nur 28.000 Genen der Maus mit ihren 33.000 hinterherhinkt) müssen sich mit ihrem nächsten Austausch über ihre „persischen“ Zeiten und Erlebnisse wohl bis zum nächsten Ärzteturnier (übrigens vom 13.-15. März 2020 wieder in Bad Homburg) gedulden.

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Dr. Robert Taayedi wird nicht mehr früh im Schwimmbad, lange vor der Runde, seinen jauchzenden Sohn in die Luft werfen und nachher auf seinen erfahrenen Dortmunder Kollegen Dr. Hubertus Draeger, einen „Mann der ersten Stunde“, treffen – womit gewährleistet ist, dass in jedem Fall ein Punkt in Dortmund bleibt.

Dr. Klaus Willmann und Dr. Janos Borsay werden keine Probleme mehr mit der modernen, digitalen Schachuhr haben – zu Hause erwartet sie die gute, alte, analog-mechanische. Ganz so wie die älteren Herren Hajo Hecht (der neben mir diesmal simultan spielte, wovon ein anderes Mal berichtet werden soll) und Helmut Pfleger, die alle zwei bis drei Wochen nach einem Mittagessen im türkischen „Revolutions-Café 64“ (ein irreführender Name: es hat weder etwas mit irgendeiner Revolution noch mit den 64 Feldern des Schachspiels zu tun) in München bei ihren „postprandialen“ Blitzpartien (die entsprechend verminderte zerebrale Blutzufuhr mit entsprechenden Böcken ist den Partien nur allzu häufig anzumerken) „natürlich“ auch eine alte Schachuhr haben. Selbstredend spielen wir auch noch mit Figuren von der gemeinsamen Schacholympiade in Nizza 1974.

Höchst erfreulich war nicht nur, dass die fünf teilnehmenden Damen – namentlich deren „Anführerin“ Dr. Utta Recknagel nebst Dr. Bergit Brendel, Dr. Andrea Huppertz, Dr. Monika Toma und Dr. Anna Küßner-Brochhagen – den Herren ein ums andere Mal ordentlich „einheizten“, sondern auch, dass der mehrmalige Landesmeister von Mecklenburg-Vorpommern Dr. Hannes Knuth (der das Ärzteturnier in der Vergangenheit schon gewann) und Dr. Jens-Frieder Mükke nach ihren schweren Unfällen zwar sicher noch nicht in jeder Beziehung „die Alten“ waren, aber doch je sechs Punkte aus neun Partien erzielten; ohne die liebevolle Betreuung durch ihre ärztlichen Ehefrauen wäre dies wohl undenkbar gewesen.

Übrigens trafen der Naumburger Dr. Mükke und der Starnberger Dr. Ulrich Fincke bald nach dem Ärzteturnier schon wieder beim alljährlichen Treffen ihrer Vereine aufeinander – eine „Frucht“ ihrer Begegnung beim Ärzteturnier.

Ähnlich wie Dipl. Med. Georg Schmidt von der Insel Rügen und Dr. Frank Wosch aus Hanau, die sich beim Ärzteturnier kennenlernten und seitdem gegenseitig zum gemeinsamen Musizieren besuchen.  

Zum Schluss noch etwas Nostalgie: Einst war Dr. Matias Jolowicz (das ist der, als er erstmals für die niedersächsische Seniorenmannschaft spielte, freudig mit dem Ausruf begrüßt wurde: „Endlich haben wir frisches Blut!“) der Leiter einer Schulschachgruppe in Hamburg ... und Dr. Hans-Jörg Cordes (der das Ärzteturnier auch schon gewann und gerade 60 wurde), dort sein Schüler. Am Schluss landeten „Lehrer und Schüler“ gemeinsam auf dem geteilten dritten bis siebten Platz.

Und auf dem Weg dorthin gelang dem alten und ewig jungen „Kombinazel“ Matias Jolowicz folgende schöne Kombination – für jedes Lehrbuch, nicht nur in Hamburg, geeignet.

(wKg1, Dd5, Td1, Tf1, Le3, Sb5, Sg5, Ba2, c2, e4, f2, g2, h2;

sKf8, Dd8, Ta8, Th8, Lg7, Sd7, Sh6, Ba7, d6, e7, f7, g6, h7)

Mit welcher wohlbedachten Attacke eroberte Dr. Jolowicz als Weißer gegen den Diabetologen und „Ultra-Marathonmann“ Dr. Richard Berthold, der auch beim Schach immer auf den vorderen Rängen landet, mindestens die Qualität und bei „Weigerung“ sogar die Dame?   

Lösung zeigen

Nach dem „Pferdetritt“ 1.Sc7! musste der angegriffene Turm innehalten, weil Schwarz nach 1...Tc8 2.Sce6+! fxe6 und der erneuten Springergabel 3.Sxe6+ gar die Dame verloren hätte.

Freilich war es nach 1...Dxc7 2.Dxa8+ auch bald aus.

Leserkommentare

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Avatar #526862
Pulcher
am Mittwoch, 14. August 2019, 13:32

In Schach baden

Die Schachrubrik im Deutschen Ärzteblatt war für mich immer so etwas wie in Schach baden.
Entschleunigung mit geistiger Aktivität.
Schade, dass diese Zeiten nun der Vergangenheit angehören.
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