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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Doping durch Darmbakterium

Montag, 15. Juli 2019

Wie schnell ein Sportler sein Ziel erreicht, hängt nicht nur von seiner kardiovaskulären Fitness und dem Trainingszustand seiner Muskeln ab. Ein Bakterium, das US-Forscher im Stuhl von Teilnehmern des Boston-Marathons entdeckt haben, könnte die Ausdauer von Sportlern steigen.

Die Bakteriengattung Veillonella ist dafür bekannt, dass sie sich von Laktat ernährt. Laktat entsteht beim unvollständigen Abbau von Glukose in den Muskelzellen. Norma­lerweise wird es in der Leber im Rahmen der Glukoneogenese regeneriert. Laktat wird jedoch auch in den Darm ausgeschieden. Dort führt es zu einer Veränderung der Darmflora. Veillonella vermehren sich, weil sie als eine der wenigen Bakterien Laktat als Energieträger nutzen. Veillonella könnte deshalb verhindern, dass es bei Leistungssportlern vorzeitig zu einer Laktatazidose kommt.

Dies allein erklärt jedoch nicht, warum die Bakterien in den Tierexperimenten die Ausdauer von Mäusen steigerten. Aleksandar Kostic und Mitarbeiter vom Joslin Diabetes Center fanden heraus, dass Veillonella die kurzkettige Fettsäure Propionsäure herstellen. Sie steht nach der Resorption aus dem Darm als zusätzlicher Energieträger zur Verfügung. Tatsächlich konnte bei den Tieren durch einen Einlauf mit Propionsäure die Ausdauer verbessert werden.

Eleganter wäre natürlich die Behandlung mit einem Probiotikum, das den seltenen Erreger enthält. Den Forschern schwebt als Einsatzgebiet die Behandlung von Typ 2-Diabetikern vor, denen häufig die Puste ausgeht, bevor sportliche Aktivitäten ihren Stoffwechsel verbessern könnten.

Falls die Behandlung auch beim Menschen funktioniert, dürfte es jedoch schon bald andere Abnehmer geben. Probiotika mit Veillonella böten sich als leistungssteigernde Mittel bei Wettkampfsportlern an. Wer weiß, vielleicht müssen die Sportler dann neben einer Urin- auch eine Stuhlprobe abgeben (Pillen mit Propionsäure wären übrigens keine Alternative, da die Fettsäure von den Darmsäften zersetzt wird, bevor sie resorbiert werden kann).

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