Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Akupunktur verboten

Dienstag, 20. August 2019

Seit einigen Wochen setze ich gelegentlich Akupunktur in meinem ärztlichen Stationsalltag ein. Nach knapp 50 Stunden Akupunkturkurs und dem Durchlesen eines kleinen Buches würde ich mich noch immer als Anfänger bezeichnen und entsprechend nutze ich sie nur dann, wenn ich einerseits nicht mit Standardmaßnahmen ausreichende Besserung erziele und anderseits wenn ich davon überzeugt bin, dass es kein Risiko für den Patienten, aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit von Besserung gibt.

Deshalb halten sich bei mir die Indikationen im überschaubaren Rahmen und beinhalten Schulter-, Ellbogen-, Rücken-, Hüft-, Knie- und Fußschmerzen, in seltenen Fällen auch Übelkeit oder Schwindel. Bevor ich akupunktiere, versuche ich eine randomisierte Publikation zur Indikationsstellung durchzulesen und schreibe mir zu nutzende Einstichstellen aus der Studie heraus. Natürlich kläre ich den Patienten nicht nur über die Akupunktur, sondern auch meinen Stand als Anfänger auf.

Da ich derzeit in einem wirklich kleinen Landkrankenhaus im US-Bundesstaat Minnesota arbeite, war es nur eine Frage der Zeit bis sich mein Einsatz von Akupunktur herum­gesprochen hatte. Neben Anfragen von einigen Krankenschwestern um eine Akupunktur, lag auch eines Morgens ein Schreiben auf meinem Tisch mit der Bitte eine der Führungs­personen in der Verwaltung anzurufen.

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So rief ich entsprechend an und erhielt zunächst Verständnis für mein Vorgehen. Doch wie üblich in den USA, folgte auf die netten Worte die eigentliche Kritik: Mir wurde mit „sofortiger Wirkung“ jegliche Akupunkturerlaubnis entzogen und bei Zuwiderhandlungen „mögliche arbeitsrechtliche Schritte“ angedroht. Die Frau am anderen Ende des Hörers machte mir klar, wie ernst sie es meinte und verwies mich an die Chefin unseres Krankenhauses für weitere Rückfragen.

Trotzdem akupunktierte ich einige weitere Male, und es folgte innerhalb nur weniger Tage eine zweite und noch deutlichere Warnung. Das Verbot war also ernst gemeint und so bemühte ich die Chefin um Erlaubnis und Aufklärung wieso meine Akupunktur, eine sehr komplikationsarme Intervention, solchen Widerstand erzeuge.

Schnell fand sich die Antwort: Das Krankenhaus hatte auf der einen Seite Angst vor juristischen Klagen, doch vor allem wollte man, auf der anderen Seite, Geld an ihr verdienen. Man sah es in der Verwaltung nicht gerne, dass ich kostenfrei Leistungen anbiete und verwies auf andere Institute, in welchen mit ähnlichen Interventionen jeweils zwischen 50 und 150 US-Dollar verdient werden könne. Deshalb bräuchte ich eben eine offizielle Erlaubnis, wobei – wie zu erwarten war – mein deutscher Akupunkturkurs nicht anerkannt werde und ich einen amerikanischen nachmachen müsse. Kostenpunkt übrigens vier- bis fünfstellig.

So stecke ich aktuell in einem Dilemma: Ich kann meinen Patienten mit meinem neu erworbenen Wissen in manchen Fällen helfen, darf es aber nicht anwenden. Es ist schon manchmal ein seltsames System, gerade wenn noch finanzielle und juristische Erwägungen mit einfließen.

Leserkommentare

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Avatar #683778
Freudi
am Freitag, 23. August 2019, 01:00

So ist es!

Ja, selbst Päpste sind nicht fehlerfrei!
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 22. August 2019, 11:52

Edzard Ernst ein "Papst"?!

@Freudi: Naja, ein Papst der Kompl.-Med. ist der sicher nicht, einige Aussagen von ihm sind schlicht lächerlich. Da kann man nur sagen: "Echt - im Ernst?!".
Siehe hier:
https://harald-walach.de/2012/12/18/mausetot-durch-homoeopathie-edzard-ernst-und-der-grosse-killer-nix/
Avatar #111935
Hans Peter Boden
am Mittwoch, 21. August 2019, 13:55

Ohne Verwltung nie!

Das juristische Argument ist nachzuempfinden und wiegt deutlich schwerer als das wirtschaftliche. Schuster bleib bei deinem Leisten. Stationär liegend würde ich es mir verbieten, wenn es angeboten würde.
Avatar #683778
Freudi
am Dienstag, 20. August 2019, 20:59

Oder bleiben Sie

....mit Scheinakupunktur gehr es doch wohl ähnlich gut (meint nicht nur der englische Komplementärmedizin-Papst Edzard ERNST).....
Avatar #687997
Pro-Natur
am Dienstag, 20. August 2019, 19:52

Kommen Sie zurück

...und verteidigen Sie die Akupunktur in Deutschland. Sonst wird sie auch hier verboten.
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