DÄ plusBlogsGesundheitBauch statt Hirn
Gesundheit

Gesundheit

Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Gesundheit

Bauch statt Hirn

Montag, 2. September 2019

Bei allen Menschen kommt es im Alter zu einer Hirnatrophie. Die Dicke des Cortex nimmt im Durchschnitt um 0,01 bis 0,1 mm pro Dekade ab. Eine Untersuchung der Northern Manhattan Study zeigt nun, dass der Rückbau der Großhirnrinde bei adipösen Senioren schneller voranschreitet.

An der Studie nahmen 1.289 Personen teil, die zu Beginn im Durchschnitt 64 Jahre alt waren. Während der Eingangsuntersuchung wurden auch der Body-Mass-Index (BMI) und der Bauchumfang gemessen. Ein Team um Tatjana Rundek von der Miller School of Medicine in Miami setzte beides mit den Ergebnissen einer Magnetresonanztomografie in Beziehung, die im Mittel sechs Jahre später durchgeführt wurde.

Dabei zeigte sich, dass die Hirnatrophie bei den Senioren mit einem hohen BMI oder einen großen Bauchumfang schneller vorangeschritten war. Jede Einheit im BMI war mit einem um 0,098 mm niedrigeren Durchmesser des Cortex verbunden. Für den Bauchumfang wurde eine ähnliche Assoziation nachgewiesen. Adipöse Teilnehmer hatten im Durchschnitt einen um 0,207 mm schmaleren Cortex. Bei einer normalen Dicke von (je nach Region) 2 bis 5 mm ist dies ein relevanter Unterschied.

Anzeige

Die Ergebnisse würden bedeuten, dass das Gehirn der adipösen Teilnehmer der Studie um mindestens eine Dekade schneller gealtert ist, schreibt Rundek. Sicher ist das natürlich nicht. Denn Ergebnisse epidemiologischer Studien sind stets mit Vorsicht zu beurteilen. Der größere Bauchumfang könnte auch ein Anzeichen für andere Verhaltensweisen oder Erkran­kungen sein, die dem Gehirn zusetzen.

Drei wichtige Begleitfaktoren, die dem Gehirn auf Dauer schaden, nämlich ein hoher Blut­druck, starker Alkoholkonsum und Rauchen, kann Rundek als Erklärung ausschließen. Es bleiben allerdings noch andere Faktoren wie Blutzucker und Blutfette oder eine beschleu­nigte Atherosklerose der Hirnarterien, die über eine verminderte Sauerstoff- und Nährstoff­versorgung die beschleunigte Hirnatrophie im Alter erklären könnten.

Die gute Nachricht ist – vielleicht –, dass eine Gewichtsabnahme im Alter von 60 plus die negativen Auswirkungen noch aufhalten könnten (wenn denn der Assoziation eine Kausa­lität zugrunde liegt). Ob allerdings viele Menschen, die sich über Jahrzehnte hinweg an einen adipogenen Lebensstil gewöhnt haben, dazu bereit wären, darf allerdings bezweifelt werden.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #70385
Salzer
am Montag, 2. September 2019, 19:10

Dicke verblöden schneller

Danke, Neuroleptika.
LNS
Alle Blogs
Vom Arztdasein in Amerika
Vom Arztdasein in Amerika
Gesundheit
Gesundheit
Frau Doktor
Frau Doktor
Pflegers Schach med.
Pflegers Schach med.
Dr. werden ist nicht schwer...
Dr. werden ist nicht schwer...
Global Health
Global Health
Dr. McCoy
Dr. McCoy
Das lange Warten
Das lange Warten
Sea Watch 2
Sea Watch 2
PJane
PJane
Praxistest
Praxistest
Res medica, res publica
Res medica, res publica
Studierender Blick
Studierender Blick
Britain-Brain-Blog
Britain-Brain-Blog
Unterwegs
Unterwegs
Lesefrüchtchen
Lesefrüchtchen
Gratwanderung
Gratwanderung
Polarpsychiater
Polarpsychiater
praxisnah
praxisnah