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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Ärzte haben Trump nicht gewählt

Montag, 12. August 2019

Es wird immer schwieriger, objektiv über den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu reden. Donald John Trump ist Multimilliardär, Buchautor, Geschäftsmann, fünffacher Vater und mit einem europäischen Model verheiratet, selbstbewusst, alkoholabstinent und dauerarbeitend – doch so wird er selten in den Medien beschrieben. Vielmehr wird er in manchen regelrecht glorifiziert, in den allermeisten jedoch verdammt. So verhält es sich übrigens auch in meinem Umfeld und selbst in meiner eigenen Familie kam es fast zum Bruch zwischen zwei Personen, weil sie sich über Donald Trump heftig gestritten haben.

Ich selber weiß gar nicht, was ich vom Phänomen Trump halten soll angesichts dieser Kakophonie.

Aber trotz all dieser gegenläufigen Meinungen hat er gute Aussichten im Jahr 2020 wiedergewählt zu werden. Das liegt auf der einen Seite an einer boomenden US-Wirtschaft und auf der anderen Seite an einer von vielen als straff wahrgenommenen Immigrationspolitik. Außerdem hat er deutlich weniger Kriege als seine Amtsvorgänger Clinton, Bush oder Obama geführt und unter Donald Trump wurde die Zahl der amerikanischen Truppen im Mittleren Osten zum Teil reduziert.

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Trotzdem ist er weiterhin ein sehr umstrittener Präsident, gerade auch in der Ärzteschaft. Es gibt kaum einen Kollegen der ein positives Wort über ihn äußert und ich bin daher erstaunt, dass knapp ein Viertel aller Ärzte für ihn im Wahljahr 2016 gestimmt haben – ich hätte mit einer niedrigeren Zahl gerechnet.

Seit 2016 hat sich die ärztliche Meinung nur wenig geändert, und obwohl gerade auch Ärzte in manchen Aspekten von seiner Politik profitiert haben, so gehe ich davon aus, dass erneut nur ein Viertel aller Ärzte für ihn im Jahr 2020 stimmen werden. Es sei an dieser Stelle auf die einzige mir bekannte Studie zum Thema ärztliches Wahlverhalten im Wahljahr 2016 verwiesen: https://www.medscape.com/viewarticle/873266).

Wieso es mir wichtig ist das zu erwähnen? Nun, weil ich in Deutschland immer wieder gefragt werde wieso „wir“ (wobei man mit dem „wir“ mich auch meint, was mich jedes Mal befremdet, denn ich fühle mich an erster Stelle als Deutscher) für „ihn“ gestimmt haben. Also, klar und deutlich: Donald Trump wurde nur von einem Viertel aller Ärzte gewählt. Wenn es nach amerikanischen Ärzten gegangen wäre, dann hätte Hillary Clinton die Wahl gewonnen.

Diese Wahlverhalten ändert aber nichts daran, daß Donald John Trump die Wahl im Jahr 2020 voraussichtlich gewinnen wird – außer die Wirtschaft stürzt ab oder es kommt zu einem Krieg mit vielen amerikanischen Toten. Beides scheint nicht ganz ausgeschlossen, aber derzeit wenig wahrscheinlich.

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Avatar #87253
Aedes
am Dienstag, 13. August 2019, 15:27

"dauerarbeitend"?

Dafür würde mich die Quelle wirklich interessieren. Wirklich.

Oder zählt der Autor Golfspielen und Fernsehen für einen US-Präsidenten zur Arbeitszeit?

Ich will Trump beides natürlich nicht vorhalten, sondern störe mich nur an dem "dauer(...)".

Ach ja, und "Buchautor"? Welches Buch hat Trump denn selbst geschrieben? Ich kenne nur das von einem Ghostwriter verfasste "The Art of the Deal".

Jaja, Kleinigkeiten, ich weiß.

Trump hat sich nach Ansicht von ein paar Staatsanwälten auch strafbar gemacht und wäre angeklagt worden, wäre er nicht Präsident.
(https://www.washingtonpost.com/world/national-security/who-signed-the-letter-asserting-trump-would-have-been-charged-with-obstruction-if-he-werent-president-and-what-they-hope-happens-next/2019/05/07/66744532-710b-11e9-8be0-ca575670e91c_story.html)

Aber das gehört wohl auch zur "Kakophonie"...
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