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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Die inoffizielle Sprechstunde und Rückschlüsse auf das Gesundheitssystem

Dienstag, 17. September 2019

Ich bin derzeit vor allem als Krankenhausarzt, das heißt stationär, tätig. Es gibt also keine Sprechstunde im klassischen Sinne, sondern ich mache Visite bei den Patienten.

Trotzdem häufen sich die Besuche in meinem Arztzimmer und allmählich fühle ich mich wie ein ambulant tätiger Internist mit regelmäßiger Sprechstunde. Natürlich kennen die meisten meiner stationären Kollegen das Phänomen, dass man gelegentlich um Rat gebeten wird, wobei eine Betonung auf dem Wort „gelegentlich“ liegt, es also nur ein- oder zweimal im Monat geschieht.

Doch in den letzten Monaten habe ich mehrmals die Woche, manchmal sogar täglich, Menschen gehabt, die in meinem Arztzimmer vorbeikamen und mich um medizinischen Rat und Behandlung baten. Sei es wegen Fußschmerzen, einer Infektion eines Bauchnabel­piercings, eines eingewachsenen Fingernagels, Übelkeits- oder Magenbeschwerden oder einfach nur Abgschlagenheitsgefühlen, ich wurde um Hilfe und Therapie gebeten. Natürlich helfe ich gerne, tue mein Bestes, nutze meinen Ultraschall, höre genau zu, schneide den Nagelrand zurück, nutze meine Akupunkturnadeln oder verschreibe Medikamente, was auch immer nötig ist, neben dem stets von mir auch gegebenen medizinischen Rat.

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Doch woher diese Häufung an Krankheitsfällen gerade in meinem Arztzimmer? Vielleicht handelt es sich nur um ein wenige Monate anhaltendes Phänomen, doch die von den Behandelten genannten Gründe könnten auch auf ein längerfristiges Problem im System hindeuten: Die einen gaben an, dass der Besuch beim Arzt ihnen zu teuer sei. Die von mir zuletzt behandelte Putzfrau erzählte beispielsweise von ihrem letzten Besuch beim Hausarzt und einer Rechnung in Höhe von 300 US-Dollar. Die anderen berichteten von fehlenden Ärzten und der Unmöglichkeit, einen Termin innerhalb von wenigen Tagen zu bekommen.

Trotz einer boomenden Wirtschaft, gestiegenem Einkommen und gesunkenen Steuern ist also noch immer vieles im Argen in den USA, gerade auch im Gesundheitsbereich. In meinem Arztzimmer sind zwei Hauptprobleme manifest geworden: Der weiterhin bestehende Arztmangel und immer unerschwinglichere Gesundheitskosten.

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