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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Nüsse könnten schlank halten

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Nüsse gehören zwar zu den Nahrungsmitteln mit einer hohen Energiedichte, die vor allem dem hohen Gehalt von ungesättigten Fettsäuren zu verdanken ist. Trotzdem könnten Nüsse eine Möglichkeit sein, die allmähliche Gewichtszunahme zu begrenzen, zu der es bei den meisten Menschen im Erwachsenenalter kommt und die schließlich zur Adipositas führt. Dies zeigt jetzt eine Auswertung von drei US-amerikanischen prospektiven Beobachtungs­studien.

Eine Adipositas entwickelt sich schleichend. Schuld sind vermutlich nicht gelegentliche Essexzesse, sondern eine über die Jahre mehr oder weniger positive Energiebilanz. Viele Menschen nehmen dauerhaft mehr Kalorien zu sich als sie benötigen. Bei den Teilnehmern der Health Professionals Follow-up Study und der Nurses 'Health Study I und II betrug die durchschnittliche Gewichtszunahme 320 Gramm pro Jahr (Das ist weniger als der US-Durch­schnitt von 450 Gramm pro Jahr oder 18 Kilo in 40 Jahren).

Die Auswertung von Deirdre Tobias von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Bos­ton (übrigens finanziert von der Lobby der Nuss-Anbauer) ergab nun, dass ein häufiger Verzehr von Nüssen den Anstieg der jährlichen Gewichtszunahme begrenzte. Jede halbe Por­tion (14 Gramm) mehr pro Tag war mit einer um 0,19 kg geringeren Gewichtszunahme in einem 4-Jahres-Intervall verbunden. Walnüsse (minus 0,37 kg) und andere Baumnüsse (mi­nus 0,36 kg) erzielten größere Wirkungen als Erdnüsse (minus 0,11 kg).

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Die Auswirkungen hingen stark davon ab, welche anderen Nahrungsmittel die Nüsse ersetz­ten (denn von einem zusätzlichen Verzehr ist sicherlich kein Vorteil zu erwarten). Den größ­ten Effekt erzielten Personen, die Nüsse statt Pommes frites aßen (mehr als 2 kg auf vier Jahre), gefolgt von Kartoffelchips, rotem Fleisch und Wurstwaren (0,50 bis 0,7 kg auf vier Jahre).

Wie immer bei epidemiologischen Untersuchungen lässt sich einwenden, dass die Assozia­ti­onen andere Gründe haben könnten. Menschen, die sich (bewusst) für den Verzehr von Nüs­s­en entscheiden, achten vielleicht in anderen Bereichen mehr auf ihre Gesundheit. Die For­scher konnten Ernährungsaspekte und körperliche Aktivitäten berücksichtigen. Aber solche Analysen können niemals alle Störfaktoren („Confounder“) ausschließen.

Es gibt aber durchaus plausible Gründe, warum Nüsse eine diätetische Wirkung haben könn­ten. Nüsse müssen vor dem Schlucken gekaut werden, was die Menge, die bis zum Ein­tritt der Sättigung verzehrt wird, vermindert. Die Sättigung tritt früher ein, da der hohe Fa­sergehalt von Nüssen die Magenentleerung verlangsamt. Die Ballaststoffe in Nüssen binden im Darm Fettsäuren. Es werden weniger Kalorien resorbiert und mehr mit dem Stuhl ausge­schieden. Untersuchungen haben laut Tobias ergeben, dass verschiedene Nusstypen den Energieverlust über den Stuhl um 5 bis 20 % steigern.

Es gibt aber Fallstricke. Erdnüsse hatten eine geringere Wirkung als Baumnüsse. Am ge­rings­ten wäre sie bei der in der Bevölkerung beliebten Erdnussbutter, die sich relativ rasch verzehren lässt. Auch das Salzen von Erdnüssen steigert den Appetit. Es könnte außerdem die gesundheitlichen Vorteile durch eine Erhöhung des Blutdrucks gefährden.

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Avatar #720508
e.ne
am Donnerstag, 31. Oktober 2019, 15:13

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