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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Mehr Kopf- und Halsverletzungen nach Einführung von iPhone und Pokémon Go

Mittwoch, 29. Januar 2020

„Wenn der Hanns zur Schule ging, stets sein Blick am Smartphone hing“, würde der Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann heute seine Geschichte vom Guck-in-die-Luft, besser Glotz-auf-den-Bildschirm beginnen, und sie passend mit einem Jugendlichen illustrieren, der gebannt von seinem neuen iPhone seine Umgebung nicht mehr wahrnimmt.

Als wissenschaftlichen Beleg könnte Hoffmann auf eine Studie des Kieferchirurgen Boris Paskhover von der Rutgers University in new Brunswick/New Jersey verweisen, der sich über die Zunahme von Gesichtsverletzungen bei jungen Menschen gewundert hat und der Sache durch eine Auswertung der Datenbank NEISS auf den Grund ging.

NEISS („National Electronic Injury Surveillance System“) ist eine Initiative der staatlichen US-Verbraucherschutzbehörde CPSC („Consumer Product Safety Commission“), die regelmäßig eine Stichprobe von rund hundert Notfallambulanzen befragt. Im letzten Jahrzehnt hat dort die Zahl der Verletzungen im Hals- und Kopfbereich stark zugenommen.

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Einen ersten Gipfel registrierte Paskhover im Jahr 2006. Damals war mit dem iPhone das erste Smartphone auf den Markt gekommen, das den Nutzern unterwegs eine Vielzahl von Apps zur Verfügung stellte. Nach einem leichten Rückgang in den folgenden beiden Jahren sind die Zahlen dann wieder stark angestiegen. Mittlerweile kommen auf 1 Million Personen pro Jahr 29,19 Verletzungen in Verbindung mit Smartphones.

Die häufigsten Verletzungen traten am Kopf (33,1 %), im Gesicht, einschließlich Augenlid, Augenpartie und Nase (32,7 %) und am Hals (12,5 %) auf. Meist sind es Schnittwunden (26,3 %), Prellungen (24,5 %) und innere Organverletzungen, etwa eine Hirnerschütterung (18,4 %).

An meisten gefährdet ist die Altersgruppe zwischen 13 und 29 Jahren (60,3 %). Jüngere Kinder werden häufig durch das Smartphone anderer Familienmitglieder verletzt. Erwachsene verunglücken meist beim Autofahren. Jüngere neigen dazu, ihr Smartphone beim Gehen zu benutzen oder beim Texten in den sozialen Netzwerken ihre Umgebung zu vergessen.

Insgesamt 90 von 5.080 Verletzungen, zu denen es beim Gehen kam, entfielen auf die Fans des Suchspiels Pokémon Go, das laut Hersteller mittlerweile auf mehr als einer Milliarde Smartphones installiert ist.

Unbekannt ist, was beim Unfall mit dem Smartphone passiert. In der Geschichte vom „Hanns Guck-in-die-Luft“ schwimmt die Schulmappe im Fluss davon. Drei kleine Fischer „Lachen fort noch lange Zeit; Und die Mappe schwimmt schon weit.“. Diese Rolle könnten heute zeitgemäß die virtuellen Fantasiewesen von Pokémon Go übernehmen.

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