DÄ plusBlogsVom Arztdasein in AmerikaEin Schneessturm – wie er meinen Krankenhausalltag beeinflusst
Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Ein Schneessturm – wie er meinen Krankenhausalltag beeinflusst

Montag, 24. Februar 2020

Auch wenn die deutschsprachigen Länder einen eher warmen Winter 2019/2020 hatten, so kann man das nicht vom Mittleren Westen in den USA behaupten. Es liegen noch keine abschließenden Statistiken vor, doch schon jetzt kann man sagen, daß es kein milder Winter war und viele kalte Tage gegeben hat.

Die Temperaturen waren im Dezember 2019 und Januar 2020 vielfach unter -20 Grad Celsius in Minneapolis, und an einigen Tagen wurde auch die -30-Schwelle unterschritten. Dass ich mehrfach schon Frostbeulen hatte, versteht jeder der schon bei solchen Temperaturen und Wind unterwegs war. Selbst eine Millionenstadt wie Minneapolis ist an kalten Wintertagen überraschend ruhig, denn viele Menschen bleiben freiwillig zu Hause.

In den Krankenhäusern merken wir auch die Auswirkungen dieses Wetters, vor allem wenn kalte Temperaturen und ein Schneesturm gemeinsam auftreten. In solchen Fällen kommt es trotz vermeintlich guter Vorbereitungen stets zu Personalausfällen, weil manche im Schnee stecken bleiben oder das Auto nicht funktioniert.

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Dann werden Patienten eben kurzfristig umverteilt. Oder die Straßenlage ist gefährlich und das Personal schläft in eigens für sie eingerichtete Schlafsälen im Krankenhaus. Doch natürlich sind auch die Patienten betroffen, und manche bitten um eine verfrühte Entlassung, andere um einen um zwei oder drei Tagen verlängerten stationären Aufenthalt.

Aber auch das Arbeitsumfeld im Krankenhaus ist während solcher Schneestürme verändert. Sieht man von den Orthopäden und Neurochirurgen ab, die unfallbedingt manchmal besonders viel zu tun haben, so hat das Gros der Ärzte weniger Arbeit. Denn viele potenzielle Patienten bleiben wegen der Schneemassen einfach zu Hause.

Wenn an normalen Tagen 30 Aufnahmen gemacht werden, sind es an Tagen mit Schneestürmen vielleicht nur zehn. Solch eine wetterbedingte Veränderung bestätigt übrigens auch die Wissenschaftsliteratur (z.B. Heffernan L. 2019. Ir J Med Sci), wobei im Anschluss an solch einen Blizzard die Patientenzahlen im Regelfall wieder stark ansteigen.

Ich genieße solche Tage. Das Krankenhaus ist ruhiger, und man hat ein Gefühl der Sicherheit, während draußen die Schneemassen herangetragen werden. Oft stehe ich in Patientenzimmern am Fenster, blicke hinaus und rede mit Patienten über die Gewalt der winterlichen Natur.

Wir sinnieren, lachen aber auch viel, machen Witze über vorbeifahrende Fahrradfahrer die vielleicht schon bald in der Notaufnahme sein werden oder tauschen persönliche Wintersturmerfahrungen aus. Es ist schön wenn die Natur uns im Krankenhaus eine kleine Verschnaufpause gibt.

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