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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Der Streit ums Frühstücksei geht weiter

Dienstag, 11. Februar 2020

Die Diskussion um die Gefahren des täglichen Frühstückseis nimmt kein Ende. Nachdem im letzten Jahr US-Forscher im amerikanischen Ärzteblatt ein leicht erhöhtes Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einen vorzeitigen Tod gefunden hatten, sehen ihre Kollegen aus Kanada auf der Basis einer weltweiten Studie im American Journal of Clinical Nutrition jetztkeinen Anlass, auf die „Cholesterinbombe“ zu verzichten.

Ein gekochtes Hühnerei enthält etwa 375 mg Cholesterin. Experimentelle Studien haben gezeigt, dass der tägliche Verzehr über 8 Wochen den Cholesterinwert ansteigen lässt.

Bei Männern kam es zu einer Zunahme des LDL-Cholesterins um 1,5 mg/dl pro 100 mg mit Hühnereiern aufgenommenen Cholesterin, bei Frauen waren es sogar 2,1 mg/dl. Bei einem empfohlenen LDL-Cholesterins von unter 160 mg/dl (für Erwachsene ohne weitere Risiken) mag die Gefahr, allein aufgrund des Frühstückseis einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, gering erscheinen.

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Die Frage hat jedoch wiederholt Epidemiologen beschäftigt. Im letzten Jahr waren Victor Zhong und Norrina Allen von der Feinberg School of Medicine in Chicago nach der Analyse von 6 US-Kohortenstudien mit 29.615 Teilnehmern zu dem Ergebnis gekommen, dass jede zusätzliche tägliche Aufnahme von 300 mg Cholesterin, also etwa einem Frühstücksei, mit einem um 17 % erhöhten Risiko auf ein Herz-Kreislauf-Ereignis verbunden war (Hazard Ratio 1,17; 95-%-Konfidenzintervall 1,09 bis 1,26). Das Sterberisiko stieg um 18 % (Hazard Ratio 1,18; 1,10 bis 1,26).

Das sind insgesamt geringe Risiken. Die Assoziationen waren jedoch dosisabhängig (was in epidemiologischen Studien auf eine Kausalität hindeutet), und es gab einige Teilnehmer, die mit einem Konsum von 2 Eiern pro Tag ein um 27 % erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko (Hazard Ratio 1,27; 1,10 bis 1,45) und ein um 34 % erhöhtes Sterberisiko hatten (Hazard Ratio 1,34; 1,15-1,52).

Epidemiologen des Population Health Research Institute in Toronto können diese Ergeb­nisse in einer größeren Studie jetzt nicht bestätigen. Mahshid Dehghan und Mitarbeiter werteten zunächst die Ergebnisse der PURE-Studie („Prospective Urban Rural Epidemiology“) aus, die 146.011 Teilnehmer aus 21 Ländern unter anderem nach ihrem Eierkonsum befragt hatte.

Personen, die 7 oder mehr Eier pro Woche verzehrten, hatten weder erhöhte Blutfette (Hazard Ratio 0,96; 0,89 bis 1,04), noch erlitten sie häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Hazard Ratio 0,92; 0,83 bis 1,01), und auch ihre Gesamtmortalität (Hazard Ratio 1,04; 0,94 bis 1,15) war nicht erhöht.

Auch die Auswertung von 2 multinationalen Therapiestudien (ONTARGET und TRANSCEND) mit 31.544 Teilnehmern lieferte laut Dehghan keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko. Für die kanadische Forscherin ist die Kontroverse, ob Eier gut oder schlecht für Ihre Herzge­sundheit sind, damit beendet. Ein Frühstücksei pro Tag sei völlig in Ordnung, schreibt sie in der Pressemitteilung. Bleibt abzuwarten, ob ihre US-Kollegen dies so hinnehmen werden oder ob sie demnächst mit einer noch größeren Studie kontern.

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Avatar #764595
texte-jon
am Donnerstag, 13. Februar 2020, 08:58

Statistik

Lieber Klaus-Peter,

Sie haben Recht: Alles Mumpitz. Ich zum Beispiel esse seit mindestens 50 Jahren nahezu täglich Süßigkeiten und habe bist heute nie Probleme mit dem Blutzuckerspiegel gehabt. Was also sollen solche Studien? Man bräuchte nur mal mich fragen!
Avatar #800565
Klaus-Peter
am Mittwoch, 12. Februar 2020, 11:25

Jeden Tag Eier - ohne Auswirkungen

Seit mindestens 40 Jahren täglicher Frühstücks-Eier-Esser. Regelmässige jährliche Untersuchung der Blutfettwerte ergaben keine Veränderungen. Wer finanziert eigentlich solche überflüssigen Studien? Es wäre schöne, wenn die verantwortlichen Medien-Redakteure nicht jede Meldung publizieren und zur Eindämmung von "Fakenews" beitragen würden.
LNS
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