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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Coronavirus: America First!

Montag, 30. März 2020

Die USA haben es wieder einmal geschafft, sie sind die Nummer 1. Sah es noch eine Zeit lang so aus als hätte China die meisten der an SARS-CoV-2 erkrankten Menschen, so haben am 28. März, 2020 die USA das nur wenige Tage hinsichtlich der Krankenzahlen vor China liegende Italien überholt. Es ist natürlich ein trauriger Rekord, und es sieht nicht so aus, als würde irgendein anderes Land den USA diesen ersten Platz strittig machen. Angesichts dieses Tempos ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die Millionenschwelle im April überschritten wird.

Doch meiner Meinung nach wurde sie schon im März überschritten, aber mangels Testmöglichkeiten nicht festgestellt. Denn man hat uns Ärzten mehrere Wochen lang zunächst überhaupt keine SARS-CoV2-Tests gegeben, später diese derart stark reglementiert, dass im Prinzip niemand auf dieses Virus hin untersucht wurde. Doch alles schlug um den 23. März bei uns im Krankenhaus im Mittleren Westen um und seither werden immer mehr Patienten mit zum Teil ganz anderen Beschwerden bzw. niedrigem COVID-19-Risiko untersucht.

So kam eine 31-jährige Frau mit der Autoimmunkrankheit Morbus Crohn mit Bauchbeschwerden ins Krankenhaus und ihr CT zeigte klassische Zeichen einer Entzündung ihres Dickdarmes, trotzdem packten wir sie in unsere Negativdruckisolierung und testeten sie aufgrund ihres Fiebers auf das viele Amerikaner in Schrecken versetzende neue Coronavirus. Eine 82-jährige Frau stellte sich mit Husten und leichter Atemnot vor, doch trotz eines positiven Influenza-A-Virus-Tests verlegten wir auch sie in ein Isolierungszimmer und versandten einen Nasenabstrich um bei ihr nach SARS-CoV-2 zu suchen. Übrigens waren beide Testergebnisse negativ.

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Die nach oben schnellenden Zahlen haben also derzeit zwar zum Teil mit steigender Ausbreitung, vor allem aber mit viel höheren Mengen an durchgeführten Tests zu tun. Mit Einführung von Schnelltests im April und einer auch in Praxen und sogar bald in Supermärkten angedachten SARS-CoV-2-Testung werden diese Fallzahlen vor allem im April explodieren. Mit etwas Zynismus rufe ich daher aus: „America First!“

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