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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Coronavirus: Versöhnlicher Ausklang

Montag, 11. Mai 2020

Während ich diesen Artikel niederschreibe, ist offiziell bei uns im Mittleren Westen der Höhepunkt der Coronaviruspandemie erreicht. Wir haben aktuell die vorletzte Woche des Monats April, und die letzten vier bis sechs Wochen wurde in allen mir bekannten Krankenhäusern auf diese Phase hin vorbereitet.

Es gab viel Unmut und Streit, so brachen manche Krankenschwestern in den vorherigen Wochen vor meinen Augen in Tränen aus angesichts der Vorstellung all dieser beatmeteten COVID-19-Patienten, Anästhesisten hatten sich schon wochenlang um Dienstpläne gestritten – nach dem Motto: „Ich brauche einmal frei, ich kann doch nicht ununterbrochen eingeteilt werden“ – und die Hausärzte hatten sich Gedanken gemacht, wer zur Not all die anvisierten Intensivpatienten würden mitbetreuen können.

Dann kam diese kritische Woche endlich und es herrschte.... gähnende Leere. Eines jener Krankenhäuser, in denen ich arbeitete, immerhin ein regional sehr wichtiges und großes Haus, hatte ganze fünf stationäre Fälle, ein anderes großes Krankenhaus drei und jenes, in dem ich auch tätig war, nur einen einzigen COVID-19-Fall auf Station. Keiner musste intubiert werden und die extra für SARS-CoV-2-Erkrankungen eingeteilten Ärzte waren derart unterbeschäftigt, dass sie untätig herumsaßen und in dieser Zeit zuhauf entweder Amazon- oder Pharmakonzern-Aktien kauften (und zum Teil zweistellige Renditen einfuhren).

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Draußen testeten meine Kollegen in den Praxen und die Krankenschwestern in „Durchfahrlabors“ („drive-through testing“) täglich Hunderte an Menschen, und so zählten wir zum Teil mehr als 100 Neuerkrankungen pro Tag, und das in ländlichen Regionen. Aber bei uns auf Station herrschte Untätigkeit und einige Krankenschwestern wurden sogar nach Hause geschickt, wobei auch hier Tränen flossen, aber nicht wegen des enormen Arbeits­stresses, sondern weil nicht genug Geld verdient wurde und finanzielle Sorgen sich anbahnten.

War das also jene Coronaviruspandemie gewesen, vor der wir gewarnt worden waren? Weshalb wir seit Wochen ununterbrochen mit Gesichtsmasken und Plastikschirmen vor den Augen herumliefen, weil das Virus so gefährlich sei? Weshalb die Eingänge zu den Krankenhäusern verbarrikadiert worden waren und man morgens seine Temperatur gemessen bekam? Wieso ängstliche Blicke einem zuflogen, wenn man sich verschluckte und einige Male hustete?

Ähnliches übrigens auch an anderen Orten: So rief ich einen ärztlichen Bekannten in einem namhaften Universitätsklinikum an der amerikanischen Ostküste an, und er berichtete ebenfalls von leeren Stationen, eben davon, dass sie nur einen einzigen stationären COVID-19-Fall in ihrem Krankenhaus hätten, einer Institution die bis zu 1.000 Patienten beherbergen könne.

All das spielte sich also in jener Aprilwoche ab, in welcher Frankreich den Ausnahme­zustand verlängert hatte und der amerikanische Präsident Donald Trump mediale Schläge erhielt, weil er die Wirtschaft öffnen wollte. Wenige Tage später wurde übrigens auch Angela Merkel medial bekannt, nicht weil sie Deutschland wirtschaftlich öffnete, sondern weil sie von „Öffnungsdiskussionsorgien“ sprach.

Was war der Grund für diese geringen Zahlen an stationären Fällen? Die Politiker werden natürlich behaupten, es seien ihre (genauer genommen, die der Bevölkerung) Maßnahmen gewesen, die das bewirkt hätten. Andere werden auf das Wetter verweisen und wie es warm geworden sei und ein Virus eben am besten in Kälte sich verbreite, auch wenn virale DNS bzw. RNS im Regelfall erst ab Temperaturen ab ca. 50 Grad Celsius zu denaturieren beginnen. Manche werden einfach sagen, dass SARS-CoV-2 einfach nie so gefährlich war und die mediale Angst nicht mit der reellen Gefahr korreliert habe.

Noch zwei Anmerkungen zum Schluss: Erstens, ich ließ mich während der COVID-19-Pandemie nie krankenversichern in den USA, obwohl es die Möglichkeit dazu gab. Es sagt etwas darüber aus, wie gefährlich ich das Virus seit Ende März erachtete. Zweitens, womit haben wir therapiert? Mit dem, was ich mit etwas spitzer Zunge als „Trumps Cocktail“ bezeichne (weil Donald Trump diese Medikamentenkombination in einer Pressekonferenz empfahl): Hydroxychloroquin und Azithromycin. Wurde deshalb niemand bei uns intubiert und waren deshalb die Erfolge so hoch? Man sieht: Die Coronaviruspandemia gibt uns allen viel Raum zur Spekulation.

Leserkommentare

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 15. Mai 2020, 11:05

@ Dr. Peter Niemann

Oh weh, Kollege Dr. Peter Niemann, gehen Sie doch lieber wieder zurück auf "Los"!
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #42834
+aachen+
am Mittwoch, 13. Mai 2020, 13:11

zynisch

Ojeh, da müssen aber viele Kolleg*innen in China, Europa und auch in New York jede Menge falsch gemacht haben ... (z.B.: https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa2012410?articleTools=true).
Zynisch erscheint mir der Einwurf allerdings besonders gegenüber den Verstorbenen und ihren Angehörigen
Avatar #669340
Heure bleue
am Mittwoch, 13. Mai 2020, 09:33

Unterkomplex

Wirklich sehr schwacher Artikel.
Avatar #669340
Heure bleue
am Mittwoch, 13. Mai 2020, 05:43

Superschwaches Geschreibsel

So etwas Unterkomplexes im Dt. Ärzteblatt?
Avatar #823484
flow.gilg@gmail.com
am Dienstag, 12. Mai 2020, 16:02

Dr. med.

Ganz ganz schwacher Artikel
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